Press "Enter" to skip to content

Investoren: Bayer muss auf die Aktionäre zugehen

Führung der Bayer AG sollte abtreten

Nach dem Eklat auf der Hauptversammlung fordern große Investoren einen Kurswechsel von Bayer-Chef Werner Baumann und seinen Vorstandskollegen. „Ein „Weiter so“ darf es nicht mehr geben“, sagte Ingo Speich von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka dem Tagesspiegel. Bayer müsse auf die Aktionäre zugehen und „Klarheit bezüglich Schadenshöhe und Verfahrenslänge in die Rechtsrisiken bringen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.“ Die Deka und Union Investment hatten Baumann angesichts des Absturzes der Bayer-Aktie und mehr als 13.400 Klagen in den USA gegen Glyphosat am vergangenen Freitag auf der Hauptversammlung die Entlastung verweigert. „Bayer muss die rechtlichen Herausforderungen in den USA in den Griff bekommen, ohne das operative Geschäft zu vernachlässigen“, fordert Janne Werning, Analyst bei Union Investment. Eine wichtige Aufgabe sei es auch, die Produkt-Pipeline im Pharmageschäft wieder zu füllen, sagte Werning der Zeitung. Die Fondsgesellschaft DWS fordert mehr Transparenz.¹

Der Vorstand des Chemiekonzerns Bayer sollte zurücktreten, nachdem ihm die meisten Aktionäre bei der Hauptversammlung die Entlastung verweigert haben.

Der Vorstand hat durch die Übernahme des US-Saatgut- und Pestizidherstellers Monsanto im vergangenen Jahr bewiesen, dass ihm Umwelt und Gesundheit egal sind. Monsanto macht Milliardenumsätze mit dem Unkrautvernichter Glyphosat, den die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat. Außerdem trägt Glyphosat dazu bei, dass Pflanzen- und Tierarten aussterben. Das gilt auch für alle anderen Pestizide. Und Ackergifte sind eine Produktart, von der Monsanto sehr abhängig ist.

Die Firma ist auch führend bei gentechnisch veränderten Pflanzen, die eine umweltschädliche Landwirtschaft fördern. Mit ihrer Hilfe kann zum Beispiel Mais in Monokulturen angebaut werden, die die Artenvielfalt weiter reduzieren.

Zudem ist Monsanto daran schuld, dass sich die Umweltbilanz von Bayer erheblich verschlechtert hat. Allein der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen ist laut Geschäftsbericht 2018 wegen Monsanto im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen. Zwar macht der Konzern jetzt auch mehr Umsatz als vor der Übernahme, aber er verbraucht nun mehr Energie, um einen Euro einzunehmen, weil Monsanto ineffizienter als Bayer produziert. … All das war bekannt, bevor Bayer Monsanto schluckte. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zum Beispiel hatte gewarnt, dass das Geschäftsmodell von Monsanto überholt und gescheitert sei. Aber die Bayer-Spitze hatte vor allem ihren persönlichen Gewinn im Blick. Mit Werner Baumann und Kollegen wird der Konzern nie auf einen grünen Zweig kommen. Deshalb sollten sie so schnell wie möglich gehen und einen Neuanfang ermöglichen.²

Verhalten der Führung des Bayerkonzerns

Der Bayer-Aufsichtsrat steht geschlossen hinter dem Vorstand.“ Nach der desaströsen Abstimmungsniederlage in der Hauptversammlung, in der der Vorstand mit einer klaren Mehrheit von über 55% des vertretenen Grundkapitals nicht entlastet wurde, dauerte es gerade einmal zwei Stunden, bevor sich der Aufsichtsrat mit diesem Statement an die Öffentlichkeit wagte. Zwar wurde zugleich eingestanden, man habe verstanden und nehme das Votum der Anteilseigner „sehr ernst“. Ganz offensichtlich geht Bayer aber davon aus, den Sturm damit im Wasserglas halten zu können.

Und das wohl nicht ganz zu Unrecht, haben doch eine Reihe von Investoren zu verstehen gegeben, Vorstand und Aufsichtsrat einen Denkzettel verpassen zu wollen, aber keineswegs einen Wechsel an der Konzernspitze anzustreben. Ein neues Management würde das Chaos nur vergrößern, lautet die beinahe ängstlich anmutende Begründung. Doch damit ergibt sich ein Widerspruch: Ein so deutliches Misstrauensvotum, wie es zuvor kein amtierender Vorstand im Dax kassiert hat, steht für die klare Aufforderung eines personellen Neuanfangs.

Sicher, das Kind ist längst in den Brunnen gefallen, die Übernahme von Monsanto lässt sich nicht rückgängig machen. Es rächt sich, dass Bayer es 2016 abgelehnt hatte, sich die Zustimmung der Aktionäre zur größten Übernahme der Firmengeschichte einzuholen.

Genau in diesem Verhalten – wir haben verstanden und machen weiter wie bisher – liegt aber das eigentliche Problem von Bayer. Zu wenig wird auf berechtigte Aktionärsinteressen gehört. Die keineswegs aus der Luft gegriffene Frage, ob die Rechtsrisiken bei der Übernahme von Monsanto unterschätzt wurden, wird mit zwei Gutachten beiseite gewischt. Diese bescheinigen dem Vorstand natürlich, den Sorgfaltspflichten vollumfänglich nachgekommen zu sein.

Einblick in die Gutachten wird aber lieber nicht gewährt. Das schade dem Unternehmen bei der Verteidigung in den Glyphosatklagen, wirbt Bayer um Verständnis. Zugleich aber muss der Vorstand einräumen, dass sich die Zahl der anhängigen Klagen ausgehend von 120 im Herbst 2016, als das Merger Agreement unterzeichnet wurde, bis Juni 2018, als die Übernahme abgeschlossen wurde, bereits auf knapp 8.000 erhöht hatte. Dank der hohen Kartellauflagen wäre es zu diesem Zeitpunkt ein Leichtes gewesen, die Übernahme ohne Gesichtsverlust abzublasen, auch wenn das 2 Mrd. Dollar gekostet hätte. Bayer agiert jedoch lieber nach dem Motto: Wer einen Plan B braucht, hat keinen guten Plan A.³

¹Der Tagesspiegel ²taz – die tageszeitung ³Annette Becker – Börsen-Zeitung | Foto: Bayer AG

3 Kommentare

  1. Ein Hamburger

    Das Photo zeigt einen Mann, ziemlich nahe am Ottifanten Grinsen. Bereitet es dieser Person womöglich Vergnügen, durch den Zukauf von Monsanto, die Fonds Beschicker von Union Investment, denen auch Firmen und Wirtschaftsethik bei ihrer Entscheidung für die Union Investment Beteiligung ein wichtiger Grund war , um deren Einlagen, Renten und sonstige Absicherungen zur seiner eigenen Jackettfüllung zu gefährden ?

  2. Anonymous

    Nicht nur der Bayer-Vorstand muss sich ändern – auch die amerikanische Justiz. Wenn dort Laien über wissenschaftliche Sachverhalte entscheiden, besteht die Gefahr von Willkürentscheidungen. Die Geschworenen betreiben Verschwörung und geldgierige Anwälte füllen sich die Taschen

  3. Anonymous

    Schicker teurer Anzug, den der Herr da trägt.
    Die Farbe trifft vielleicht nicht jedermanns geschmack.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

BZ Medienholding Ltd ©1998 - 2019