Press "Enter" to skip to content

G7 – das falsche Podium

Unfallfreier G7-Gipfel

Der Franzose Emmanuel Macron hat in Biarritz vieles richtig gemacht. Mit der Einladung an den iranischen Außenministers hat er zwar den einen oder anderen Partner vor den Kopf gestoßen, doch hat er zugleich dokumentiert, dass er seine Vermittlerrolle ernst nimmt. Wichtig war auch, dass er die Amazonas-Waldbrände auf die Tagesordnung gesetzt hat. Es war klug, die Erwartungen nicht mit dem Entwurf einer Abschlusserklärung zu überfrachten. Schließlich kann man nie sicher sein, was sich Trump einfallen lässt. Der Gipfel ist alles in allem unfallfrei zu Ende gegangen. Das ist mehr, als man erwarten konnte.¹

Donald Trump nennt Angela Merkel eine „brillante Frau“, will Deutschland besuchen, womöglich gar das pfälzische Kallstadt, wo sein Großvater geboren wurde. Der US-Präsident sagt ferner, er wolle sich vielleicht mit dem iranischen Präsidenten treffen, einem seiner Lieblingsfeinde. Und auch eine Abschlusserklärung zum G7-Treffen stand urplötzlich auf dem Plan. Hat da einer listig Kreide gefressen, wie der Wolf, der im Märchen seine Stimme feiner klingen lassen will, um die sieben Geißlein zu übertölpeln und zu fressen?

Oder wurde Trump tatsächlich schockiert und in seiner aggressiven Umtriebigkeit gedämpft, als Frankreichs Präsident Macron ihn vor den Kopf stieß und den iranischen Außenminister nach Biarritz holte? Vielleicht dämmert es dem US-Präsidenten ja auch hie und da, dass er nicht der König der Welt ist, und dass die Dinge doch oft ein wenig komplizierter liegen, als er es sich vorstellt, wenn er des Abends daheim Fernsehen schaut und twittert. Schwant ihm, dass den Amerikanern ein Handelskrieg gegen China selbst auf die Füße fallen könnte? Und dass die Europäer doch ein paar Hebel in der Hand haben, auch wenn Boris Johnson einer von der Sorte „Trump“ ist und Staaten wie Polen, Ungarn und Italien unsichere Kantonisten sind?

Einsicht bei Trump? Schön wär’s ja. Doch er ist ein Meister darin, die Dinge, die er mit den Händen aufbaut, blitzschnell mit dem Gesäß wieder umzustoßen. Bis zum Beweis des Gegenteils bleibt Trump unberechenbar. Dass er schon im Wahlkampf für seine zweite Präsidentschaftskandidatur ist, macht die Sache eher komplizierter. Aber es hilft nichts. Die Welt muss mit ihm auskommen. Und hoffen.²

Die Empörung darüber, dass Grundbesitzer in Amazonien immer mehr Regenwaldflächen brandroden und Brasiliens ultrarechter Präsident Jair Bolsonaro die Feuer Umweltschützern in die Schuhe schiebt, ist weltweit groß. Zu Recht, denn für den Klimaschutz spielen die großen CO2-Senken eine zentrale Rolle. Dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dies zum Thema des G7-Gipfels machen will, klingt daher gut. Besser, als wenn man nur über mehr Freihandel oder mehr Militäreinsätze sprechen würde. Allerdings sind Regierungen der Siebener-Gruppe selbst alles andere als Klimaschutzvorreiter. Die erzielten Fortschritte reichen bei weitem nicht aus – dabei stehen die alten Industriestaaten als Hauptverantwortliche für die Erwärmung besonders in der Pflicht. Und seit man mit Donald Trump einen Totalverweigerer in den eigenen Reihen hat, ist die Glaubwürdigkeit ganz flöten gegangen. Die G7 ist aber auch grundsätzlich das falsche Podium, um der Welt Mores zu lehren. Dies wäre Aufgabe der UN-Klimadiplomatie, bei der fast alle mitmachen. Das Problem: Das Pariser Abkommen beruht – trotz des Ziels, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen – auf freiwilligen Maßnahmen der Länder. Bei den bevorstehenden Gipfeln geht es daher darum, endlich Verbindlichkeit bis hin zu Strafen gegen Klimasünder hineinzubringen. Denn Einmischung ist nicht Kolonialismus, wie Bolsonaro tönt, sondern notwendig: Bei der Regenwaldabholzung geht es ja nicht allein um Brasilien – die Folgen treffen die gesamte Menschheit.³

¹Straubinger Tagblatt ²Reinhard Breidenbach – Allgemeine Zeitung Mainz ³neues deutschland

Ihre Meinung ist wichtig!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

BZ Medienholding Ltd ©1998 - 2019