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Fratzscher hält Pleite Italiens für möglich – Fuest fordert klares Signal der EU

Ökonomen warnen wegen Coronavirus vor neuer Banken- und Staatsschuldenkrise

Seit Montag lässt es sich nicht mehr verdrängen: Die eigene Lebensweise, der eigene Alltag, ja unser Zusammenleben als Gesellschaft steht ab sofort auf Halt. Es herrscht Ausnahmezustand, ohne dass er offiziell ausgerufen worden wäre. Ähnliches, wenngleich nicht Vergleichbares hat von allen Bürgerinnen und Bürgern wahrscheinlich nur die Kriegsgeneration bisher erlebt.¹

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus warnen führende Ökonomen vor einer dramatischen Ausweitung der ökonomischen Krise. Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Es ist jetzt besonders wichtig, dass zu den direkten Belastungen durch die Corona-Krise nicht noch eine Banken- oder Staatsschuldenkrise hinzukommt.“ Auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), mahnte: „Wir dürfen in Deutschland nicht nur in nationalen Grenzen denken.“ Es sei auch ein großer Fehler, „dass die EU keine koordinierte Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus und dessen wirtschaftliche Auswirkungen hat“, so der DIW-Chef gegenüber der NOZ.

Italien ist nach den Worten von Fratzscher das schwächste Glied in der Kette. Er betonte: „Ein Szenario wie 2008 oder 2012, als Italien kurz vor der Pleite stand, kann heute nicht mehr ausgeschlossen werden.“ Deshalb müssten die gesamte EU und alle nationalen Regierungen nun ein gemeinsames Signal setzen, dass man auch den schwächsten Mitgliedern helfen werde. Dies gebiete die Solidarität, aber auch ein kluger Selbstschutz aus deutscher Perspektive. „Denn wenn Italien in Schieflage kommt, dann würde auch Deutschland einen riesigen wirtschaftlichen Preis dafür zahlen. Deshalb ist es auch im deutschen Interesse, dass Italien nicht in eine Finanzkrise abgleitet.“

Auch Ifo-Chef Fuest forderte, die Regierungen der Eurozone sollten klar signalisieren, dass alle Länder, die krisenbedingt in finanzielle Schwierigkeiten geraten, auf die volle Solidarität der Gemeinschaft der Euro-Staaten zählen können. Das betreffe nicht allein Italien. Derzeit sei noch nicht sichtbar, welches Land am stärksten getroffen werde.

Für Stabilisierungsaktionen, die nötig werden können, steht nach den Worten von Fuest „das volle Instrumentarium der Rettungsschirme für Banken und Staaten zur Verfügung“. Man sollte gleichzeitig vereinbaren, die Kapazität dieser Rettungsschirme für die Dauer der Krise so zu erhöhen, dass das Volumen für jede Eventualität ausreicht.

Italien ist besonders stark von der Corona-Krise betroffen. Das Land verzeichnet bereits mehr als 1800 Todesfälle durch die Lungenkrankheit Covid-19, die durch das neuartige Coronavirus ausgelöst wird. Die Zahl der Infizierten beträgt aktuell gut 25.000. Ganz Italien ist Sperrzone, niemand darf das Haus verlassen, wenn nicht unbedingt notwendig.²

¹Badische Zeitung ²Neue Osnabrücker Zeitung

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