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DIW-Chef Fratzscher befürchtet massiven Schaden für Deutschland durch US-Strafzölle

Chaos im Weißen Haus

US-Strafzölle können Deutschland nach Einschätzung des Chefs des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, massiven Schaden zufügen. „Ich gehe davon aus, dass Trump seine Drohung wahrmacht“, sagte Fratzscher der „Saarbrücker Zeitung“.

An der deutschen Stahl- und Aluminiumproduktion würden zehntausende Arbeitsplätze hängen. „Einige davon würden in Gefahr geraten. Und sollten die Strafzölle auch noch auf Autos ausgeweitet werden, wie es Trump angedeutet hat, dürfte der Schaden noch deutlich größer sein“, erklärte Fratzscher. „Weit mehr als eine Million Jobs in Deutschland hängen an dieser Branche. Eine solche Eskalation könnte Deutschland schwerlich verkraften“.

Generell gelte: Die deutsche Wirtschaft habe besonders viel zu verlieren, weil sie stark exportorientiert sei. „Die Ausfuhren machen etwa die Hälfte unserer Wertschöpfung aus. In den USA dagegen sind es nur etwa zehn bis 15 Prozent“, sagte Fratzscher. Saarbrücker Zeitung

Handelskriege schaden allen

Der US-Präsident sieht es als Spiel, als ein Spiel, das gut und leicht zu gewinnen ist. Und auf den ersten Blick trägt die Auseinandersetzung wirklich spielerische Züge. Wenn die USA die Zölle für Stahl und Aluminium erhöhen, reagiert die Europäische Union mit höheren Abgaben auf Erdnussbutter, Motorräder und Whiskey. Das lässt ein Spieler wie Donald Trump nicht auf sich sitzen und kündigt höhere Strafzahlungen auf Autos an. Doch das ist kein Spiel, dieses Agieren und Reagieren könnte in eine gefährliche Eskalation und damit in einen weltweiten Handelskrieg münden.

Dabei ist der Begriff Krieg keineswegs übertrieben, denn nicht zuletzt wegen der weltweit exakt aufeinander abgestimmten Wertschöpfungsketten hätte ein durch Handelsbeschränkungen gestörter Welthandel drastische Folgen für die Volkswirtschaften fast aller Nationen und für den Wohlstand von Millionen von Menschen. 1930 erließen die Vereinigten Staaten den Smoot-Hawley Tariff Act, der die Schutzzölle auf Tausende von Produkten auf ein Rekordniveau anhob, um die US-Wirtschaft zu schützen. Europa reagierte mit Vergeltungsabgaben. Die protektionistische Politik verlängerte die Weltwirtschaftskrise und trug nicht zuletzt in Italien und Deutschland zum Aufstieg der Faschisten bei.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung baute die internationale Gemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg Organisationen wie die Welthandelsorganisation auf, um dem internationalen Handel ein System von Regeln zu geben. Streitigkeiten sollten vor Gericht geklärt werden – und nicht für die Welt gefährliche Handelskriege auslösen können, so die Idee. Trump stellt diese Handelsordnung jedoch infrage.

Europa muss dennoch dem naheliegenden Wunsch nach Vergeltung widerstehen. Die US-Zölle werden die Weltwirtschaft belasten, weitere Strafabgaben als Gegenmaßnahme vergrößern den Schaden jedoch. Die Europäische Union darf das gefährliche Spiel Trumps nicht mitspielen und muss sich stattdessen Partner suchen, um die regelbasierte internationale Handelsordnung zu retten. Schwäbische Zeitung

Importzölle, Strafzölle, Handelskrieg: Die verbale Aufrüstung ist in vollem Gang. Ihren Ursprung hat sie wieder einmal beim amerikanischen Präsidenten. Ein Mal mehr glaubt Donald Trump dadurch, dass er einen Streit mit dem Ausland anzettelt, innenpolitisch vom Chaos im Weißen Haus ablenken zu können. Die Ankündigung, Stahlimporte generell mit 25 und Aluminium mit 10 Prozent zu verzollen, schockiert Europa. Schließlich hatte sich hierzulande bis zum 8. November 2016, als Trump mit knapper Mehrheit der Wahlmännerstimmen zum Präsidenten gewählt wurde, der Eindruck verfestigt, die Globalisierung sei im Interesse von Washington, Peking und Brüssel nicht mehr aufzuhalten. Das Freihandelsabkommen TTIP zwischen USA und EU schien auf dem Weg. Anderswo wurde das Thema schon damals anders bewertet.

Dort wusste man: Die EU predigt Freihandel; doch das hindert sie nicht, die europäische Wirtschaft außer durch Exportförderung und andere Maßnahmen auch durch Importzölle zu schützen. Insbesondere der Vergleich mit den USA ernüchtert: Jenseits des Atlantiks können 48 Prozent der Nichtagrargüter zollfrei eingeführt werden, in der EU nur 26 Prozent. Die Auswahl von Stahl und Aluminium und die Drohung mit höheren Importzöllen auf Autos zeigt, dass es Trump nicht um mehr Gerechtigkeit, sondern allein um die Stärkung der eigenen Wirtschaft geht. Anders als bei den Waschmaschinen und Solaranlagen macht er sich schon gar nicht mehr die Mühe, seine Maßnahme mit Dumpingvorwürfen zu rechtfertigen – so wie es eigentlich in den Welthandelsabkommen vereinbart ist. Das könnte er vielleicht bei asiatischem Stahl, aber bestimmt nicht bei den Importen aus Europa, Kanada und vermutlich auch nicht aus Brasilien, einem weiteren wichtigen Lieferland.

Reagiert Brüssel mit gleicher Härte, wie die Mehrzahl der EU-Bürger fordert, rückt ein Handelskrieg näher. Trump glaubt, ihn mit Leichtigkeit gewinnen zu können. Da irrt er. Auch US-Unternehmen sind heute in einer Weise mit der Weltwirtschaft verflochten, dass sie nur verlieren können. Das gilt nicht nur für Apple, Microsoft, Google, Facebook, Amazon & Co., sondern auch für die Old Economy. Wenn Trump schon alle Vernunft vermissen lässt, muss wenigstens die Antwort der EU so ausfallen, dass der Konflikt nicht in einer verhängnisvollen Spirale endet. Die Auswahl der Produkte, auf die Brüssel seinerseits Importzölle erheben will, lässt Spielraum für Gespräche. Sie sollten China und andere asiatische Lieferanten einbeziehen. Dass Trump eine Allianz Peking-Brüssel fördert, obwohl China Vorreiter beim Aufbau von Handelsschranken und der Bevorzugung der eigenen Industrie ist, gehört zu den fragwürdigsten Folgen dieser fragwürdigen Politik. Westfalen-Blatt

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