Bundesdeutsche Zeitung

Biontech mit 90% Wirkstoff gegen Corona – Wenn das mal kein Wirecard ist

Hohe Kosten für sein Corona-Impfstoffprojekt haben den Verlust der Mainzer Firma Biontech in die Höhe getrieben.

Der Nettoverlust betrug im zweiten Quartal 88,3 Millionen Euro nach 50,1 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Und plötzlich kommt ein Impfstoff mit 90% Wirkung.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.¹

Es ist eine Nachricht, die die Welt bewegt. Die Mainzer Biotechfirma Biontech und ihr US-Partner Pfizer haben in der Pandemiebekämpfung einen Meilenstein erreicht. Ihr genbasierter Impfstoff gegen die Infektionskrankheit Covid-19 hat sich in klinischen Tests als außerordentlich wirkungsvoll erwiesen. Bei mehr als 90 Prozent der geimpften Studienteilnehmer konnte eine Infektion verhindert werden. Das schürt weltweit Hoffnung, dass es endlich ein Mittel gegen die Pandemie gibt, die sich exponentiell ausbreitet und mehr als 1,2 Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Für Biontech und Pfizer ist es ein Erfolg in verschiedenen Facetten. Ihr Impfstoff basiert auf einer neuartigen Technologie, an der zwar schon lange geforscht wird, die aber noch gegen keine Erkrankung zugelassen ist. Der sogenannte mRNA-Impfstoff ist darauf ausgelegt, eine Immunantwort aufzubauen, indem Erbinformation des Virus in den Körper gebracht wird. Die Zulassung brächte nicht nur den Wendepunkt im Kampf gegen Corona, sondern den Durchbruch für eine gänzlich neue Therapieform.

Die Impfstoffforschung ist ein Rennen gegen die Zeit. Über Nacht haben zahlreiche Firmen und Forschungszentren rund um den Globus ihre Wissenschaftler mobilisiert, um ein Mittel gegen die Jahrhundertpandemie zu finden. Normalerweise wird für die Entwicklung eines Impfstoffs oder eines Arzneimittels ein Zeitrahmen von zwölf Jahren gesteckt. Im Fall von Corona haben zahlreiche „Immuningenieure“ in weniger als einem Jahr bereits bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Das hat der ganzen Branche einen enormen Imagegewinn beschert.

Biontech und Pfizer haben sich an die Spitze gesetzt, sie sind aber nicht allein auf weiter Flur. Mehrere Impfstofftypen haben sich in der Erprobung als gut verträglich gezeigt und sind in der Lage, eine Immunantwort herbeizuführen. Erstmals ist aber nun nachgewiesen worden, wie gut die Schutzwirkung ist, diese Antwort sind die Wettbewerber bislang schuldig geblieben. Aber auch Biontech und Pfizer haben noch wichtige Themen zu klären wie Sicherheit und Dauer der Immunisierung.

Wie zuverlässig ein Wirkstoff tatsächlich ist, zeigt sich erst, wenn er in der Masse der Bevölkerung verabreicht wird. Dafür ist Sicherheit entscheidend, um das Vertrauen in die Medizin nicht zu gefährden, was fatal wäre. Genauso muss gewährleistet sein, dass Impfstoffe nicht zum Spielball politischer Interessen werden. Hier darf sich keiner der Beteiligten seiner Verantwortung entziehen.²

¹BZ ²Sabine Wadewitz – Börsen-Zeitung

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