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Aus für Bankenfusion von Deutsche Bank und Commerzbank – Neue Ziele

Geplatzte Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank

Das Mantra von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, die deutsche Wirtschaft brauche starke heimische Banken, ist nicht falsch. Im Fall einer neuen Weltwirtschaftskrise bestünde die Gefahr, dass ausländische Institute sich auf ihren Heimatmarkt zurückziehen. Dass da in Deutschland wenigstens eine heimische Bank mit weltweitem Netzwerk bestehen bleiben sollte, ist daher vernünftig. Selbst wenn die Commerzbank von einem ausländischen Institut übernommen werden sollte, bliebe die Deutsche Bank. Deren Gesundung schreitet durchaus voran. Wenn sie die Amputation von Teilen des Investmentbankings und die Integration der Postbank überwunden hat, könnte sie in ein paar Jahren einen neuen Anlauf zur Übernahme machen.¹

Scholz bleibt beratungsresistent

Simon Poelchau über die geplatzten Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank¶

Natürlich blieb Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Donnerstag nichts anderes übrig, als Verständnis für das Platzen der Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank zu zeigen. Trotzdem fragt man sich, warum der SPD-Mann so beratungsresistent ist, dass er im zweiten Atemzug gleich wieder trällerte, dass es eine deutsche Megabank brauche. Denn im Grunde will sie keiner. Commerzbank und Deutsche Bank wollen sich nicht zu einem solchen Traum von Scholz zusammenschließen, weil sie wissen, dass es für sie zu teuer ist, nur Risiken birgt und der wirtschaftliche Nutzen fraglich ist.

Und das sind nur die Bauchschmerzen der Bänker, die für die Bevölkerung irrelevant sind, die Scholz eigentlich vertreten sollte. Vor allem muss man sich fragen, warum Scholz aus den Erfahrungen von 2007/8 nichts gelernt hat. Damals wurden Großbanken auf Kosten der 99 Prozent der Bevölkerung gerettet. Deswegen wurde der Ruf nach einer Zerschlagung solcher Finanzinstitute laut, die nicht mehr in der Lage sein sollten, mit ihrer Systemrelevanz ganze Volkswirtschaften in Geiselhaft zu nehmen. Scholz ignoriert damit nicht nur die Warnungen von Ökonomen jeglicher Couleur. Sein Traum ist also auch alles andere als sozialdemokratisch.²

Scholz im Glück

Vielleicht ist Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) jetzt doch ganz glücklich darüber, dass seine Großbank-Vision gescheitert ist. Das sollte er auf jeden Fall sein. Der Widerstand gegen einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank, sei es vonseiten der Arbeitnehmer, der Öffentlichkeit oder von Wissenschaftlern, dürfte Scholz in seiner Vehemenz und Einhelligkeit überrascht haben. Dieses Projekt hätte ihm politisch wie wirtschaftlich noch richtig schmerzhaft auf die Füße fallen können. Selbst wenn Deutsche Bank und Commerzbank beide gesund und die Unternehmenskulturen und Geschäftsmodelle besser kompatibel gewesen wären – ein Zusammenschluss also mehr Sinn gemacht und weniger Risiken beinhaltet hätte -, muss man sich fragen: Wie kann ein sozialdemokratischer Minister ein Vorhaben gezielt vorantreiben, bei dem geschätzt bis zu 30 000 Arbeitsplätze verschwinden würden?³

Selbst wenn man an das Wunder zweier reibungsloser Sanierungen glaubt, bleibt dem deutschen Bankenmarkt ein grundsätzliches Problem: Es gibt zu viele Banken. Das Geschäft mit Privatkunden und mittelständischen Firmen haben die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken fest in der Hand. Zusätzlich drängen neue Konkurrenten, sogenannte Fintechs, hinein. Und das Investmentbanking als Ertragsquelle bröckelt. Unter diesen Bedingungen eine Großbank von Weltgeltung zu bauen, könnte sich als Ding der Unmöglichkeit erweisen.⁴

¹Stuttgarter Nachrichten ²neues deutschland ³Frankfurter Rundschau ⁴Mitteldeutsche Zeitung

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