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Altmaier sieht Energiewende als Motiv für Eon-Innogy-Fusion

Logischer Schritt,hoher Preis

Aus Sicht des künftigen Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier (CDU) hat die Übernahme von Innogy durch Eon mit der Energiewende zu tun. „Es handelt sich um eine unternehmerische Entscheidung“, sagte der Kanzleramtsminister der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Diese Entscheidung mache deutlich, „dass die großen Energieversorger sich auf die Energiewende einstellen und neue Geschäftsmodelle etablieren“, erklärte der CDU-Politiker.

Megafusion auf dem europäischen Energiemarkt

»Wenn du mir A gibst, bekommst du B und einen Teil von C, ein bisschen Geld kann ich auch noch dazugeben.« Was wie ein Sammelkartentausch auf dem Schulhof klingt, betrifft in diesem Fall wesentlich größere Geschäfte. Die Energieriesen E.on und RWE haben eine Neuaufteilung ihrer Geschäfte beschlossen. E.on will die RWE-Tochter Innogy übernehmen, als Ausgleich soll RWE einen 17-Prozent-Anteil an E.on sowie E.on-Beteiligungen an den zwei RWE-Atomkraftwerken Emsland und Gundremmingen erhalten. Genehmigen die Kartellämter den Deal, könnte Europas größter Energieversorger entstehen – möglicherweise mit negativen Folgen für die Verbraucher. Für die Konzerne ist die geplante Transaktion allerdings eher Ausdruck wachsender Verzweiflung über ausbleibende Geschäftserfolge.

Innogy, in das RWE erst 2016 sein Erneuerbare-Energien-Geschäft ausgelagert hatte, kämpft mit sinkenden Gewinnen, trotz Energiewende und steigendem Bedarf. Die Tage der Marke könnten gezählt sein, denn E.on hat wohl hauptsächlich Interesse an den Innogy-Stromnetzen und den Kundenkontakten. Die Netze sind wichtige Voraussetzung für den Erfolg am Markt. Auch an anderen Stellen handeln die Stromkonzerne fleißig: Im Januar veräußerte E.on seinen Anteil an Uniper, in die der Konzern sein Geschäft mit Kohle, Gas und Wasser ausgelagert hatte, an die finnische Fortum. Die Branche verteilt die Sammelkarten neu. Nicht mitmischen darf der Stromkunde. Der zahlt am Ende aber den Preis, wenn die Geschäfte schlechter laufen als erhofft. neues deutschland

Politik wirkt: Vor zwei Jahren hatten sich die Marktführer unter dem Druck der Energiewende aufgespalten. Richtig überzeugend war das nie, denn Mütter wie Töchter blieben Stromerzeuger. Nun gehen sie den nächsten logischen Schritt: Eon kappt seine historischen Wurzeln: Wenn der letzte Atommeiler abgeschaltet ist, wird Eon Strom nur noch durchleiten und verkaufen. Eon wird zu einer stabilen, etwas langweiligen Netzgesellschaft. RWE dagegen wird das Kraftwerk der Nation: RWE wird braunen Strom (immer weniger) und grünen Strom (immer mehr) erzeugen. RWE-Chef Schmitz wird der starke Mann der Branche.

Aus Sicht beider Konzerne ist der Schritt folgerichtig. Innogy wird zur Fußnote der Wirtschaftsgeschichte. Verlieren dürften die Stromkunden. Zwar ist der Wettbewerb höher als früher, doch ein großer Anbieter fällt weg. Schon jetzt geben Konzerne sinkende Börsenpreise nicht an ihre Kunden weiter. Zudem wächst mit der Bedeutung von RWE die Gefahr, dass Verbraucher oder Fiskus einspringen müssen, wenn RWE auf Druck der Klimapolitiker Kraftwerke abschalten muss. Nur wenn Konzern und Politik der Versuchung widerstehen, RWE mit staatlich organisierter Hilfe abzusichern, ist der Deal überzeugend. Antje Höning – Rheinische Post

Es ist ein spektakulärer Deal, der den Strommarkt in Deutschland noch einmal umwälzen wird. RWE und Eon tauschen untereinander Geschäftsfelder aus und stellen sich neu auf. Konkurrenten werden sie künftig kaum mehr sein, im Gegenteil, eher Schwestern. Sofern das Kartellamt denn mitspielt. Früher hätten die Bonner Monopolwächter wohl hohe Hürden vor so einem Ringtausch aufgestellt. Aber diese Zeiten sind vorbei. Der Strommarkt hat sich gewandelt, ist kleinteiliger geworden. Wo er es nicht ist, bei den Netzen, wird er staatlich reguliert. Bei der Produktion wird RWE der größte Hersteller von Strom und von Ökostrom in Deutschland.

Aber der Wettbewerb ist hier rege, ein Nein des Kartellamtes deshalb nicht zu erwarten, Auflagen indes sind wahrscheinlich. Verlierer dieses Geschäfts dürfte eindeutig Innogy sein. Die bisherige RWE-Tochter wird zerschlagen. Auf dem ersten Blick schneidet Eon am besten ab, erhält es doch den zukunftsträchtigen Vertrieb und das risikolose Netzgeschäft. RWE hingegen konzentriert sich auf die wettbewerbsintensive Stromproduktion. Die Energiewende und ihre Folgen haben diesen Stromdeal zweifelsfrei befeuert. RWE als einziger verbleibender großer Produzent wird sich – wie gehabt – in die Politik einmischen und versuchen, das Aus für den Kohlestrom noch etwas hinaus zu zögern. Bei der aktuellen Regierung dürfte RWE mit diesem Ziel allerdings auch offene Türen einrennen. Westfalenpost

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