Press "Enter" to skip to content

Aktienmärkten nach den Midterms: Diesmal ist es anders

Nur ein Dämpfer für Trump?

Zwischen 1950 und 2014 hat die US-Benchmark S&P 500 im Jahr nach den Midterm Elections jeweils zugelegt, im Mittel gar um mehr als 15 Prozent. Dementsprechend gehen viele Analysten – wenn auch nicht alle – davon aus, dass eine Fortsetzung der nun schon über neun Jahre dauernden Hausse am US-Aktienmarkt möglich erscheint.

In der ersten Reaktion ist der US-Aktienmarkt dieser Erwartung gerecht geworden: Er legte im frühen Handel um 1 Prozent zu, während der Dollar verlor. Doch vor dem Hintergrund der tiefen Spaltung der amerikanischen Wählerschaft und der Besonderheit des „Phänomens Trump“ sind historische Daten mit Vorsicht zu genießen. Es zeichnet sich die Möglichkeit einer längeren Blockade in der US-Innenpolitik ab, verbunden mit einer weiter erratischen Außen-, Sicherheits- und Handelspolitik des US-Präsidenten, der sich ja als Gewinner der Midterms fühlt.

Für die Finanzmärkte dürfte daher nicht so sehr die demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus entscheidend sein, die zunächst als mäßigendes Element gesehen wird. Abgesehen von einer öffentlichkeitswirksamen Blockadepolitik und einigen Vorladungen in nun bald demokratisch geführten Ausschüssen des Repräsentantenhauses dürfte der Einfluss der Demokraten begrenzt bleiben – was erklärt, warum Pharma- und Finanztitel am Mittwoch mit Kursgewinnen auf den Wahlausgang reagierten. Im Finanzsektor scheint eine großzügige Lockerung der Regulierung unwahrscheinlicher zu sein, und im Gesundheitssektor dürfte eine Arzneimittelpreisbegrenzung womöglich wieder auf die Agenda rücken. Doch durch die ausgebaute republikanische Mehrheit im Senat sind hier für die jeweiligen Branchen auch kaum einschneidende nachteilige Resultate zu erwarten.

In der nächsten Präsidentschaftswahl 2020 wird es aber in jedem Fall für die Demokraten schwieriger, eine Mehrheit im Senat zu gewinnen. Auch die nächste Legislaturperiode könnte also von Stillstand oder zumindest von zähem Ringen um Kompromisse in der Gesetzgebung gekennzeichnet sein. Bereits jetzt erwarten Analysten der Investmentbank Goldman Sachs, dass sich die Spaltung des Kongresses am stärksten in der Haushaltsdebatte und im Streit über die Defizitgrenze zeigen dürfte. Sollte es zu einem längeren „Shutdown“, der weitgehenden Stilllegung der Behörden, kommen, wäre dies für die Konjunktur – etwa wenn Investitionen verzögert werden – belastend. In Kombination mit einem weiter unberechenbaren Präsidenten spricht dies dafür, dass die Marktentwicklung diesmal wohl anders, also auf mittlere Sicht negativ ausfallen dürfte.¹

Die Kongresswahl in den USA hat zwar eine Machtverschiebung zugunsten der Demokraten gebracht. Doch einem Präsidenten, der von der Konfrontation lebt, kommt das womöglich gerade recht.

Amerika steht nach der Kongresswahl vom Dienstag vor zwei Jahren politischer Blockade und erbitterter Grabenkämpfe. Und es ist keineswegs ausgemacht, wer bei der nächsten Wahl im Jahr 2020 davon profitieren kann.

Insgesamt gesehen mögen die Kongresswahlen ein gemischtes Resultat erbracht haben – mit Siegen und Niederlagen für beide politischen Lager. Doch den entscheidenden Erfolg konnten die Demokraten verbuchen. Dass sie nach acht Jahren nun wieder über die Mehrheit im Repräsentantenhaus verfügen, ordnet das amerikanische Machtgefüge neu.

Präsident Donald Trump und seine Republikaner, die bisher alle politischen Institutionen in Washington kontrolliert haben, können nun nicht mehr durchregieren. Zudem werden die Demokraten den Präsidenten mit etlichen parlamentarischen Untersuchungen piesacken. Gewiss: Die Demokraten werden auch versuchen, Trump und die Republikaner mit politischen Deals zu ködern. Und es ist theoretisch möglich, dass Trump anbeißt und versucht, sich als überparteilicher Macher zu inszenieren bzw. neu zu erfinden. Immerhin scheint er ideologisch wenig gefestigt zu sein. Doch wahrscheinlich ist ein solches Szenario nicht.

Trumps Politik ist aufgebaut auf Spaltung und Konfrontation. Dieses perfide Spiel spielt er meisterhaft, und er wirkt dabei authentisch. Es hat ihm vor zwei Jahren einen überraschenden Triumph beschert und hält seine Anhänger weiterhin bei Laune. Durch die Siege der von ihm unterstützten Senatskandidaten fühlt sich der Präsident bestätigt. Er wird nun keine Zeit verlieren, für seine Wiederwahl wieder auf Tour zu gehen. Eine Fehde mit den Demokraten im Repräsentantenhaus kommt ihm womöglich gerade recht.

Bei den Demokraten hingegen wird es noch quälend lange dauern, bis sich eine mögliche Bannerträgerin herausschält und die Partei sich auf eine Strategie geeinigt hat. Dennoch wittert auch das Anti-Trump-Lager Morgenluft. Die Demokraten haben im Mittelwesten, wo der Schlüssel zu Trumps Wahlsieg lag, wieder politisches Terrain zurückgewonnen. Und ihre Wählerkoalition ist deutlich zukunftsfähiger als jene der Republikaner. Beim nächsten Mal ist dann auch die Ausgangslage für die Senatswahl viel günstiger als heuer.

In vielerlei Hinsicht bildete die Kongresswahl nur das Vorspiel zum eigentlichen Showdown in zwei Jahren. Bis dahin wird sich der Himmel über Washington aller Voraussicht nach noch weiter verdüstern.²

¹Dietegen Müller – Börsen-Zeitung ²Floo Weißmann – Tiroler Tageszeitung

Ihre Meinung ist wichtig!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

BZ Medienholding Ltd ©1998 - 2018