Treffen zwischen Merkel und Trump mit buddhistischer Ruhe

Merkel und Trump

Die Erwartungen an diesen Besuch waren hoch, von vielen sicherlich zu hoch angesetzt. Die Politik Angela Merkels ist auf internationalem Parkett immer auf Ausgleich, auf Dialog ausgerichtet. Nichts anders agierte die Bundeskanzlerin jetzt auch in Washington. Mit sehr viel Geschick. Den Gefallen einer Konfrontation hat sie Donald Trump nicht getan. Stattdessen umgarnte sie den Polterer aus dem Weißen Haus mit dem, für das er im Wahlkampf angetreten war: Bildung und Jobs für die abgehängte Arbeiterschaft in den USA.

Veröffentlicht am Sonntag, 19.03.2017, 10:48 von Domenikus Gadermann

Den Argumenten der deutschen Wirtschaftsführer konnte sich Trump kaum entziehen. Die Delegation bot dem Präsidenten die Art von Politik an, die er versteht: einen Deal. Deutsche Arbeitsplätze und Ausbildungskompetenz gegen ein weiterhin gedeihliches Verhältnis mit den USA. Entsprechend fiel der Umgang der beiden Regierungschefs am Ende des Besuchs aus. Fast ehrfurchtsvoll sprach der US-Präsident über seinen Gast aus Europa. Danach wiederholte Trump zwar die sattsam bekannten Parolen. Aber zuvor hatte er Angela Merkel zugehört. Und das ist bereits mehr, als man erwarten durfte. Südwest Presse

Besuch der Kanzlerin bei Trump

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Das F-Wort haben beide reichlich strapaziert auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz: Fairness, Fairtrade, faire Lösungen und Kompromisse, fairer Umgang miteinander – Angela Merkel und Donald Trump hörten sich zeitweise an wie Hauptredner auf einem Kongress von Globalisierungsgegnern. Etwa, als Trump das jüngst aufgekündigte nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta ein „Desaster für die amerikanischen Arbeiter“ nannte und beklagte, dass die USA beim Handel von anderen Nationen lange unfair behandelt worden seien. Tatsächlich geht es den beiden Machtmenschen darum, die Globalisierung möglichst gemeinsam zu gestalten – das ist die gute Nachricht aus Washington. Merkel hat Trump ein Bekenntnis abgerungen: „I am a freetrader and a fairtrader“ – frei und fair will er also den Welthandel gestalten. Daran muss man ihn erinnern, sollte er noch einmal von Schutzzöllen reden. Offenbar konnte Merkel ihm auch klarmachen, dass gute Handelsbeziehungen zu Deutschland durchaus im US-Interesse sind. Und dass es „bilaterale“ Abkommen eben nur mit der gesamten EU gibt. Merkel zeigte, dass sie weder in Handels- noch in Sicherheitsfragen naiv ist. Politik als „guter, solider Deal“: Das wärmt nicht gerade die Herzen, aber es ist hoffentlich eine Ebene, auf der Merkel und Trump sich finden können. Joerg Helge Wagner – Weser-Kurier

Von der Sorte Männer hat Angela Merkel schon eine Menge kommen und meist auch wieder gehen sehen. Kohl, Merz, Berlusconi, Bush, Schröder, Sarkozy, Seehofer. Also ist die Kanzlerin mit fast schon buddhistischer Ruhe auch zu Donald Trump gereist: Erst mal gucken. Es war eine Erkundungsmission. Bisher ist Trump kaum etwas gelungen. Ohnehin ist sein Fokus noch voll auf die Rückabwicklung der Politik der Vorgängerregierung gerichtet; er ist weiterhin im Wahlkampfmodus. Die Polarisierung, von der er politisch lebt, nimmt ihn jeden Tag in Anspruch. Inzwischen hat er damit schon vier Prozent seiner Amtszeit vergeudet. Von Außenpolitik, Mitgestaltung der Welt, kann noch keine Rede sein. Auf diesem Feld gibt es bisher nur großspurige, teils gefährliche Ankündigungen. Aber noch keine Taten. Allerdings wird man in Europa nicht darauf vertrauen können, dass die restlichen 96 Prozent der Amtszeit ebenso vergehen und Trump nur die eigene Nation oder die unmittelbaren Nachbarn schädigt. Doch tut Merkel gut daran, ihn den ersten Zug machen zu lassen und derweil sehr konzentriert die eigenen Abwehrkräfte zu stärken. Sich also vorzubereiten, vor allem auf einen möglichen Handelskrieg.

Dass der in der einen oder anderen Form kommen wird, ist wahrscheinlich. Trump will alles umsetzen, was er seinen Wählern versprochen hat. Auch die Arbeitsteilung in der Nato wird er auf den Prüfstand stellen. Das sind die Themen. Entwarnung brachte der Besuch in Washington diesbezüglich nicht. Vielleicht ein etwas freundlicheres Klima. Deutschland ist auch wer, größte Wirtschaftsmacht des Kontinents, eines der Kernländer der EU. Und anerkannt in der Welt. Es ist nicht wehr- und nicht hilflos. Merkel hat das vor ihrem Besuch mit demonstrativen Telefonaten mit Frankreichs Präsident Hollande und Chinas Präsident Xi durchblicken lassen. Geert Wilders Nicht-Erfolg in den Niederlanden hat zudem Trumps Hoffnung, die EU parzellieren zu können, kurz vor Merkels Besuch einen empfindlichen Dämpfer gegeben. Freilich ist die Gefahr noch nicht vorbei. Auch wegen Trump muss die Kanzlerin weiter alle Anstrengungen darauf richten, Europa zusammenzuhalten. Das ist ihre eigentliche Front.

Übrigens auch im Verhältnis zu Putin, der die gleiche Karte zu spielen versucht: Teile Europa und herrsche. Merkels Besuch in Washington war dann erfolgreich, wenn bei dem Präsidenten das Gefühl zurückgeblieben ist, dass man diese Dame ernst nehmen muss. Respektvoll. Wenn er ahnt, dass „America First“ hier und da riskanter sein könnte als Kooperation mit einer so starken Wirtschaftsmacht wie es die EU ist. Ohne gesundes Selbstbewusstsein, wie Merkel es hat und Deutschland und Europa es brauchen, ist solchen Typen nicht beizukommen. Lausitzer Rundschau

Merkel-Besuch bei Trump: Verständigung in Sachfragen, aber kein Handschlagfoto

2 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Dienstag, 21. März 2017, 15:51 um 15:51 - Reply

    Was nützt ein gesundes Selbstbewusstsein wenn man Krank im Kopf ist?

  2. Anonymous Sonntag, 19. März 2017, 19:43 um 19:43 - Reply

    Was, Bildung und Jobs für die abgehängte Arbeiterschaft in der USA?
    Soll sich erst mal um die abgehängten Deutschen kümmern. Da hat sie genug zu tun, was ihre Aufgabe betrifft. Reist mal wieder in der Welt rum und irritiert mit ihrem teenagerhaften garnenden Gedruckse, was nichts zur Sache tut.
    Es heiß im Flugzeug hätte sie sich ausgewählte Lektüre über Trump reichen lassen. Den Playboy mit einem Bericht über ihn. War bestimmt eine Heidenarbeit das passende für sie zu finden.

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