Terroranschlag in Istanbul: Türkei taumelt Richtung Abgrund

Attentat in der Türkei

Das neue Jahr hat schrecklich begonnen. Erneut hat der Terror zugeschlagen, erneut sind ihm unschuldige Menschen zum Opfer gefallen. Und wieder hat es die Türkei getroffen. Das Land taumelt langsam dem Abgrund entgegen. Präsident Recep Tayyip Erdogan scheint die Kontrolle zu verlieren.

Veröffentlicht am Montag, 02.01.2017, 6:39 von Domenikus Gadermann

Erdogan hat sich an zu vielen Fronten verzettelt. In der Türkei kämpft er gegen die Medien, die linke – alevitisch geprägte – Opposition, die Anhänger des Predigers Gülen und gegen die kurdische Autonomiebewegung im Südosten des Landes. In Syrien verbluten türkische Soldaten bei Al Bab im Krieg gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“, die jahrelang zumindest durch aktives Wegsehen von Ankara unterstützt wird – und deren Handschrift auch der Terroranschlag von Istanbul trägt. Der türkische Präsident hat auch deshalb noch immer einen großen Rückhalt in der Bevölkerung, weil er den Menschen Sicherheit und Wohlstand versprochen hat – und dieses Versprechen lange einlösen konnte. Jetzt rückt zwar die Realisierung seines großen Traums von einem Präsidialsystem näher, in dem er zum Alleinherrscher würde; gleichzeitig erodiert seine Machtbasis. Sicherheit gibt es nicht mehr in der Türkei, die Wirtschaft schwächelt. Erdogan macht dafür sinistre Kräfte im Ausland verantwortlich. Wie lange ihm die Bevölkerung das glauben und ihm die Treue halten wird, ist ungewiss. Genauso ungewiss ist, wie lange sich das Militär das zunehmende Chaos anschauen wird. Bis es zum nächsten Putschversuch kommt, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Jan Jessen – Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

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Es bleibt auch die Befürchtung, Erdogan könnte in seinem nicht selten maßlosen Antiterrorkampf endgültig die staatsmännische Beherrschung verlieren. Gewiss: Die Türkei braucht Rat und Tat, um dem Terror in den Arm zu fallen. Aber das fällt nicht leicht – weil Präsident und Regierung in Ankara in ihrem Feldzug gegen vermeintlich dunkle Mächte zugleich dabei sind, nicht nur den Terror zerschlagen zu wollen, sondern auch die Grundfesten der Demokratie. Erdogan hat in seiner Gülen-Phobie Geister gerufen, die er nicht mehr loswird. Kurdenhass, Syrien-Fantasien, Anti-EU-Parolen, islamische Renaissance, wirtschaftliche Talfahrt, politische, juristische und mediale Gleichschaltung: Der Präsident verliert den Überblick. Seine Säuberungen nach dem Putschversuch sind so überzogen wie unberechenbar. Stuttgarter Nachrichten

Zum Anderen zeigt der Anschlag ein bedenkliches Versagen des türkischen Staates und seiner Sicherheitskräfte. Inzwischen ereignen sich schwere Anschläge im Wochenrhythmus, doch kein Minister, kein Geheimdienstchef ist zurückgetreten. Die dramatische Lage ist auch Folge der anhaltenden „Säuberungen“ im Sicherheitsapparat, die diesen schwächen. Wenn der Staat die Menschen nicht schützen kann, werden sie versuchen, sich selbst zu helfen. Dann ist der Bürgerkrieg nicht mehr weit. Mitteldeutsche Zeitung

An dem Attentäter oder den Attentätern von Istanbul ging der Aufruf des neuen UN-Generalsekretärs vorbei: »An diesem Neujahrstag möchte ich Sie alle bitten, mit mir einen gemeinsamen Neujahrsvorsatz zu fassen: Lassen Sie uns den Entschluss fassen, den Frieden an erste Stelle zu setzen.« In der Türkei war das neue Jahr gerade eine gute Stunde alt, als der Schrecken in dem Nachtclub seinen Lauf nahm, Dutzende Menschen ums Leben kamen und die hehren Wünsche des Portugiesen António Guterres von den Tätern mit zynischer Verachtung gestraft wurden. Der Anschlag hat das Muster von Bataclan im November 2015, als in dem Pariser Club drei Dschihadisten wahllos mit Schnellfeuerwaffen in die Besuchermenge feuerten.

Terror, der bei allen Menschen Angst verbreiten soll, weil es jeden an öffentlichen Orten treffen kann. Terror, der den öffentlichen Raum zerstören soll. Terror, der in Frankreich offiziell in den Ausnahmezustand mündete, den sich zumindest die Dschihadisten überall in der säkularen Welt wünschen, um sie zum Einsturz zu bringen. »Lassen Sie uns 2017 zu dem Jahr machen, in dem wir alle – BürgerInnen, Regierungen, Führungskräfte – uns bemühen, unsere Differenzen zu überwinden.« Der Aufruf von Guterres ist auch Ausdruck von Hilflosigkeit angesichts der vielen ungelösten Konfliktherde dieser Welt, von Syrien über Irak bis hin zu Afghanistan. Richtig daran ist, dass ohne politische Lösungen der Terror neue Nahrung finden wird. neues deutschland

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3 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Montag, 9. Januar 2017, 4:12 um 4:12 - Reply

    Nicht wenige Politiker sehen die Türkei auf dem Weg in eine islamistische Diktatur. Schau’n mer mal!
    Ein Land am Abgrund war sie immer und zu Kaisers Zeiten nannte man sie den kranken Mann am Bosporus. Stets wollte sich die Türkei auf deutsche Kosten sanieren. Der Dank für des Kaisers Bagdad-Bahn waren Der dumme und feige deutsche Wähler ist dazu leider nicht in der Lage. Das ist traurig.die Massenmorde an den armenischen Christen und die Zuweisung der Alleinschuld an das Deutsche Reich. Der Dank für Adolfs Verschonung war die Kriegserklärung von 1944 an Deutschland. Sie wurde nie zurücckgenommen und ist bis heute juristisch wirksam. Ganz genauso verhalten sich die Deutschtürken.
    Diesem Betrügerland will Merkel in die EU helfen?
    Zum Glück werden die anderen EU-Länder den Merkel-Wahnsinn stoppen.

  2. Deutschland am Abgrund Freitag, 6. Januar 2017, 11:42 um 11:42 - Reply

    Dei Grünen werden nie etwas kapieren.
    Leider
    Sie lassen sich und ihre Kinder lieber selbst auffressen bevor sie ihren Kurs ändern.
    Aus purem SELBSTHASS

  3. Taraxacum Dienstag, 3. Januar 2017, 20:59 um 20:59 - Reply

    Deutschland taumelt auch in Richtung Abgrund. Wir
    steuern auf eine DDR 2.0 zu. Wir benötigen immer mehr
    Polizisten; die aber sind nicht mehr lange bezahlbar. Wir sollten mehr echte christliche Flüchtlinge ins Land lassen und aggressive zurückweisen. Ich höre die Grünen auf-
    jaulen. Aber irgendwann wird auch der letzte Grüne
    kapieren, dass es so nicht weitergeht, und zwar dann, wenn
    er nichts mehr zu essen hat. Das ist meine Meinung.

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