Terror in Teheran

Terroranschlag in Teheran

Der Iran drängt nach Jahren der Isolation wieder auf die Weltbühne – als Regionalmacht im Nahen Osten und als Wirtschaftsmacht für westliche Investoren. Doch offenbar bewirkt die Öffnung nach Abschluss des Atomabkommens kaum Änderungen der Lebensverhältnisse in der Islamischen Republik. „Gar nichts hat sich verändert. Vieles ist schlimmer geworden, nichts aber besser. Wir leben in Armut, die Arbeitslosigkeit ist hoch, wir haben Drogenprobleme und finanzielle Sorgen.“ Auf dem Basar von Teheran beklagen sich Händler und Kunden über den Zustand des Landes. Dass vieles im Land unverändert geblieben ist, lässt Masoumeh Ebtekar, Vizepräsidentin und Gesundheitsministerin, klar erkennen: „Wir haben verschiedene Arten von Erwartungen, Einstellungen und Denkweisen in unserer Gesellschaft. Wichtig ist, dass der Iran eine islamische Gesellschaft ist. Individuelle Rechte und unser soziales Konstrukt werden im Rahmen der islamischen Lehre definiert.“ ZDF Presse und Information

Veröffentlicht am Freitag, 09.06.2017, 9:30 von Domenikus Gadermann

Der Doppelanschlag von Teheran trifft das Mullah-Regime ins Mark. Wenn es Terroristen in einem Land, in dem der Geheimdienst und die Sicherheitskräfte allgegenwärtig agieren, gelingt, gewaltsam das Parlament sowie das Mausoleum des Gründers der Islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Chomeini, zu stürmen, erschüttert das die vermeintlich unumschränkte Macht der Regierenden zutiefst. Bisher bezeichnete sich der Iran stolz als das sicherste Land im gesamten Nahen Osten. Dieses Selbstverständnis dürfte fürs Erste zerstört sein.

Die abscheuliche Attacke zeigt allerdings auch, dass selbst strengste Sicherheitsvorkehrungen in einer der brutalsten Diktaturen der Welt nicht vor den Verbrechen zu allem entschlossener Mörderbanden schützen. Bei allem Verständnis für die berechtigte Diskussion über Sicherheitsmaßnahmen in unseren westlichen Demokratien sollte dies auch uns zu denken geben. Selbst die Abschaffung von Freiheit bewahrt nicht vor Terror. Der sogenannte Islamische Staat hat sich einmal mehr zur menschenverachtenden Tat bekannt. Die Selbstbezichtigung ist glaubhaft, denn der Iran gehört erklärtermaßen schon ideologisch zu den Todfeinden radikaler Sunniten, die Schiiten als todeswürdige Glaubensabtrünnige betrachten. Hinzu kommt, dass das Regime in Teheran militärisch sowohl am Syrienkrieg als Partner des Diktators Baschar al-Assad als auch am Irak-Krieg als Mentor der Regierung in Bagdad beteiligt ist. In beiden Fällen steht der „Islamische Staat“ auf der anderen Seite der Front.

Der Iran versucht seit Jahren, zusammen mit seinen Verbündeten in Bagdad, Damaskus und auch mit Hilfe der Hisbollah im Libanon eine Art schiitisches Bollwerk gegen die Sunniten zu errichten. Teheran will zur dominierenden Macht der Region aufsteigen. Dies ist nicht nur militanten Kämpfern der konkurrierenden Glaubensrichtung ein Dorn im Auge.

Zwischen den Herrschenden in Teheran und dem saudi-arabischen Königshaus besteht ein hasserfülltes Konkurrenzverhältnis. Stellvertreterkriege werden bereits im Jemen, im Irak und in Syrien geführt. Gerade haben die Saudis unter dem Vorwand, Katar stehe auf der Seite der Mullahs, begonnen, das Emirat am Golf zu isolieren und mit einer Blockade zu malträtieren. Sollten die Entscheidungsträger in Teheran ihrerseits nun zu der Erkenntnis kommen, Riad stecke hinter dem Angriff auf das Zentrum ihrer Hauptstadt, könnte sich dieser Vorwurf schnell zu einer direkten militärischen Konfrontation zwischen den beiden mächtigsten Staaten im Nahen Osten ausweiten – mit katastrophalen für die Region und darüber hinaus. Dass gerade reiche Saudis jahrelang die Terrormiliz IS finanziell massiv unterstützt haben, ist kein Geheimnis.

Noch halten sich die Mullahs in Teheran mit Schuldzuweisungen zurück. Doch die Lage rund um den Persischen Golf ist brandgefährlich. Sandro Schmidt – Kölnische Rundschau

Noch liegen die genauen Umstände des Terrors von Teheran im Dunkeln. Fest stehen aber schon jetzt zwei Dinge. Erstens: Mit den Anschlägen vom Mittwoch hat sich die Lage im Nahen und Mittleren Osten einmal mehr deutlich zugespitzt. Zweitens: Allein die Terrormiliz IS wird davon profitieren – unabhängig davon, ob der Anschlag tatsächlich von ihren Anhängern verübt wurde. Hierzu genügt es schon, sich die vergangenen zweieinhalb Wochen in Erinnerung zu rufen. Erst geriert sich US-Präsident Trump in Riad als großer Freund von Irans Erzfeind Saudi-Arabien, rüstet diesen gewaltig auf und wettert offen gegen Teheran. Dann wenden sich die Saudis zusammen mit anderen arabischen Staaten gegen Katar – und verweisen dabei zur Begründung auch auf dessen Verbindungen zu Iran.

In diese aufgeheizte Atmosphäre platzen nun die Attentäter, und sie morden gleich an den wichtigsten Stätten der Islamischen Republik. Die Regierung in Teheran hat darauf zwar zunächst bemerkenswert ruhig reagiert. Das muss aber nicht so bleiben. Schließlich sind viele Iraner davon überzeugt, dass Saudi-Arabien den Terror fördert – und werden angesichts des Angriffs von Mittwoch umso mehr darauf bestehen, den großen Rivalen zu bändigen. Nachdem Iran jahrelang von Terror verschont geblieben war, muss die Regierung in Teheran nicht nur die neu aufkeimende Angst in der Bevölkerung bekämpfen, sondern auch Verantwortliche für die Tat benennen. Und der IS? Der kann derweil in aller Ruhe zuschauen, wie sich Chaos und Unfrieden in der Region immer weiter ausbreiten. Andreas Härtel – Allgemeine Zeitung Mainz

3 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Claudia Montag, 12. Juni 2017, 13:23 um 13:23 - Reply

    Sie müssen ein Moslem sein; feige, den eigenen Namen zu nennen, wie immer: im Schutze der Dunkelheit…. Ja, genau das meine ich: auf Frauen und Kinder Anschläge verüben; feiger geht es doch garnicht!
    Und dann, was für eine absurde Vorstellung: danach in Allahs Paradies…. Vergessen Sie Ihre Paradies-Reiselektüre nicht, den Wachturm; ist genauso beknackt wie der Koran!

  2. Anonymous Montag, 12. Juni 2017, 10:29 um 10:29 - Reply

    Möchten sie ein Abonnement für unsere Zeitschrift „Wachtturm“ abschließen? Sie haben die Intelligenz für unsere Gemeinschaft und unsere Zeitschrift.

  3. Claudia Montag, 12. Juni 2017, 10:14 um 10:14 - Reply

    Sunniten, Alawiten, Schiiten, Salafisten etc. Nur Mord und Terror geht von diesem Pack aus!!! Das ist doch keine Religion, sondern ein Sammelbecken für Kriminelle, die ALLE EINES gemeinsam haben: nieder mit den „Ungläubigen“!!! Aber das, was wir durch Fleiß erwirtschaftet haben, davon wird gern und reichlich genommen! – Kriminelle Zeckenbrut!-
    ( Merkel muss eine Konvertitin sein…)

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