Sechs Monate Trump als Präsident: Großmäuligkeit reicht nicht

US Politik als Simulation

Donald Trump ramponiert das Image der USA atemberaubend schnell. Der Schaden ist gewaltig. Trump hat unterstellt, dass ihm die Gefolgschaft seiner Parteifreunde sicher ist. Ein fataler Irrtum. Die Abgeordneten und Senatoren kennen nur einen Maßstab: die eigene Wiederwahl. Die Zweifel wachsen, dass der Präsident nun seine Steuerreform durchbekommen wird. Bislang schien keiner seiner Skandale Trumps etwas anhaben zu können. Doch eines verlangen die meisten Amerikaner von ihrem Präsidenten: Führung. Trump ist angetreten, in der Hauptstadtpolitik aufzuräumen. Stattdessen hat es ihm Washington gezeigt: dass Großmäuligkeit zum Regieren nicht reicht. Ines Zöttl – Badische Zeitung

Veröffentlicht am Donnerstag, 20.07.2017, 8:35 von Domenikus Gadermann

Amerika zeigt nach sechs Monaten Präsidentschaft unter Donald Trump Schleifspuren, von denen sich das Land lange nicht erholen wird. Nach innen hat er mit seiner auf Spaltung setzenden Regierung eine bedenkliche mentale Mobilmachung ausgelöst. Subkulturen vor allem auf der Rechten machen Front gegen Schwarze, Juden, Schwule, Demokraten und die Medien. Nach außen hat Trump eine neue Weltunordnung erzeugt, die aus Brandherden offene Feuer werden lässt. Für Russland und China gibt er die Marionette. Im Nahen Osten vergrößert Saudi-Arabien mit Trumps Segen seinen unheilvollen Radius. Nordkoreas Diktator provoziert sich immer näher an einen Showdown heran.

Wohin man auch sieht: aufgerissene Baustellen, verstörte Bündnispartner, enttäuschte Wähler. Wie will Trump die Kehrtwende seiner Präsidentschaft endlich Ruhe und Richtung geben? Wohl gar nicht. Gesundheitsreform, Steuersenkungen, Mauerbau, die Ertüchtigung der maroden Infrastruktur – die Arbeitsbilanz fällt katastrophal aus. Trump schert das nicht. Er simuliert Politik. Er produziert Missverständnisse und Fehleinschätzungen mit Vorsatz und verklärt das Ganze zu einer neuen amerikanischen Unberechenbarkeit. Wie dem Flötenspieler aus Hameln laufen gerade diejenigen ihm immer noch hinterher, die am Ende – wie bei der Krankenversicherung – die Gekniffenen sein werden. Sie glauben aus Prinzip keiner Nachricht, die „ihren“ Präsidenten in schlechtes Licht rückt. Zur Wahrheit gehört aber auch dies: Weil die Demokraten bis auf ihre Trump-muss-weg-Botschaft weder personell noch programmatisch Substanz aufbieten können, könnte der sich über 2020 hinaus durchwursteln. Dirk Hautkapp, Washington – Neue Westfälische

Wie ein Elefant im Porzellanladen

Donald Trump bewegt sich auf der Weltbühne wie ein Elefant im Porzellanladen. Und das ist fast eine Beleidigung für das Rüsseltier, dessen Weisheit es vor anderen Torheiten schützt. Welchen Scherbenhaufen der „Amerika Zuerst“-Präsident in den paar Monaten seiner Amtszeit dabei schon angerichtet hat, lässt sich an der seit 2002 jährlich angefertigten PEW-Studie zum Ansehen der USA unter 40 000 Befragten in 37 Ländern ablesen. Bei den Nachbarn Mexiko stürzte das Image der Vereinigten Staaten um mehr als die Hälfte ab. Nur noch 30 statt bisher 66 Prozent der Mexikaner haben ein positives Bild von dem Land, das entlang der gemeinsamen Grenze eine Mauer errichten will. Bei den Anrainern im Norden, Kanada, und dem einstigen Musterknaben Deutschland, sieht es nicht viel besser aus. Dort fielen die Zustimmungswerte der USA um jeweils 22 Punkte auf 43 beziehungsweise 35 Prozent.

Trump persönlich, dessen familiäre Wurzeln in das pfälzische Kallstadt zurückreichen, genießt im Land seiner Vorväter gerade einmal das Vertrauen von dreizehn Prozent der Befragten. Da PEW diese Image-Studie bereits seit 2002 durchführt, gibt es eine Menge Vergleichsdaten. Das Auf und Ab im internationalen Ansehen verläuft parallel zur Wahrnehmung des jeweiligen Amtsinhabers. Trump ramponierte das Image der USA so schnell wie kein anderer Präsident vor ihm. Nicht einmal George W. Bush kann da mithalten. Der brauchte das Desaster in Irak und eine Weltfinanzkrise, um nach acht Jahren auf vergleichbare Werte zu kommen. Der ehemalige Staatssekretär im Pentagon und US-Botschafter in Indien, Frank G. Wisner, erklärt den Sturzflug in den Umfragen mit der Aufgabe uramerikanischer Werte. Trump stelle die Rolle der Demokratie, die freien Märkte, die kollektive Sicherheit, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in Frage.

„All das macht unsere liberale Weltordnung aus.“ Kein Wunder, dass im autokratisch regierten Russland zusammen mit Israel, Nigeria und Vietnam die Stimmung gegen den globalen Trend läuft. In Russland stieg das Ansehen der USA unter Trump um 15 Prozent auf nun 41 Prozent. Trump selber schweigt zu dem verheerenden Befund. Im Kongress hatte der Präsident seine „America First“-Politik im Februar mit dem Satz erklärt: „Meine Aufgabe besteht nicht darin, die Welt zu vertreten. Mein Job ist, die USA zu repräsentieren.“ Für die USA wird das zum Problem. Denn ihre militärische Supermacht allein hat nur begrenzte Reichweite. Das hat niemand besser gewusst als die amerikanischen Architekten der Nachkriegsordnung. Sie verstanden die Kraft der „Soft Power“ im Systemkonflikt mit den kommunistischen Diktaturen.

Die Attraktivität offener Gesellschaften mit ihrer demokratischen Kontrolle der Macht, Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit halfen mehr, den Kampf um Köpfe und Herzen zu gewinnen, als jede Rakete. Das Geniale an der multilateralen Weltordnung bestand aus Sicht ihrer Protagonisten darin, dass sie durch Institutionen wie der NATO, dem IWF und auch der G20 amerikanische (Vor-)macht verdaulich machte. Trumps tumber Chauvinismus kostet die USA nun weltweit Sympathien und die Chance, amerikanische Interessen effektiv durchzusetzen. Der Image-Schaden hat Konsequenzen: So einem Führer folgt im Ausland kaum jemand freiwillig. Mittelbayerische Zeitung

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  1. Anonymous Donnerstag, 20. Juli 2017, 10:39 um 10:39 - Reply

    Es wird Zeit, dass Dirk Hautkapp von Trump mal eine ordentliche Frisur verpasst bekommt.

  2. Anonymous Donnerstag, 20. Juli 2017, 10:33 um 10:33 - Reply

    Da haben wir jetzt ein Gesetz gegen Hass und Hetze im Netz, und in der öffentlichen Berichterstattung wird provoziert und beleidigt. — Großmäuligkeit reicht nicht —
    -es sei ein VERHEERENDER Befund, dass das Ansehen der USA in Russland um 15 Prozent auf 41 Prozent gestiegen sei –
    – Wo doch gleichzeitig das Ansehen der USA weltweit gesunken sei?-
    -Wie ein Elefant im Porzellannaden sei fast (?) eine Beleidigung für das RÜSSELTIER–
    …….

  3. Anonymous Donnerstag, 20. Juli 2017, 9:37 um 9:37 - Reply

    Frau Zöttl schreibt, dass Großmäuligkeit zum Regieren nicht reicht.
    Wenn noch ein bischen Boshaftigkeit dazu kommt , reicht sie aber anscheinend für einen Job bei der Badischen Zeitung.

  4. Trump das Rüsseltier Donnerstag, 20. Juli 2017, 9:26 um 9:26 - Reply

    Oh, je, was schlägt mir da aus der Berichterstattung für ein Hass und eine Meinungshetze entgegen.

  5. ?Ines? Donnerstag, 20. Juli 2017, 9:18 um 9:18 - Reply

    Was für ein Gespöttel, Frau Zöttl.

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