Pragmatischer Präsident – Donald Trumps Visite in Frankreich

Nationalfeiertag in Frankreich

Donald Trump ist auch in Paris Donald Trump geblieben. Die „Stadt der Liebe“ machte den ungehobelten US-Präsidenten nicht zu einem besseren Menschen. Aber trotzdem könnte Emmanuel Macron mit seiner Einladung etwas bewirkt haben. Denn Trump wirkte so zufrieden wie ein Kind, das zum ersten Mal zum Geburtstag eingeladen wurde. Der französische Präsident ist eben Pragmatiker. Denn auch wenn Trump zweifelhafte Entscheidungen trifft, ist die Welt doch auf ihn angewiesen.

Veröffentlicht am Sonntag, 16.07.2017, 10:09 von Domenikus Gadermann

Der Terrorismus kann ohne die USA nicht bekämpft werden, und die Konflikte in Syrien und anderswo sind alleine auch nicht zu lösen. Das hat Macron klar erkannt. Ganz uneigennützig übernimmt er die Rolle des Vermittlers natürlich nicht. Mit seiner Geste zeigt er seinen Landsleuten, dass Frankreich zurück ist auf der Weltbühne. Wie eine Art europäischer Klassensprecher versucht Macron, das diplomatische Heft in die Hand zu nehmen. Schöne Bilder reichen dafür allerdings nicht aus. Das wird Macron in den nächsten Monaten noch zu spüren bekommen. Rheinische Post

Donald Trump ist auch in Paris Donald Trump geblieben. Die „Stadt der Liebe“ machte den ungehobelten US-Präsidenten nicht zu einem besseren Menschen. Aber trotzdem könnte Emmanuel Macron mit seiner Einladung etwas bewirkt haben. Denn Trump wirkte so zufrieden wie ein Kind, das zum ersten Mal zum Geburtstag eingeladen wurde. Sicher ist die Frage berechtigt, ob Trump so bevorzugt behandelt werden soll. Schließlich ist er der Präsident, der Muslime nicht einreisen lässt, eine Mauer nach Mexiko bauen will und aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen ist. Dazu kommt eine feindliche Haltung der EU gegenüber, die Macron als überzeugter Europäer nicht gutheißen kann.

Doch der französische Präsident ist Pragmatiker. Er verzichtete auf offene Kritik an seinem Gast. Nach dem ersten überstarken Händedruck und der deutlichen Reaktion auf Trumps Klimawende wollte Macron den US-Präsidenten diesmal nicht düpieren. Denn auch wenn Trump zweifelhafte Entscheidungen trifft, ist die Welt doch auf ihn angewiesen. Der Terrorismus kann ohne die USA nicht bekämpft werden, und die Konflikte in Syrien und anderswo sind allein auch nicht zu lösen. Das hat Macron klar erkannt. Und als neuer, unverbrauchter Präsident kann er eine andere Beziehung zu Trump aufbauen als beispielsweise Angela Merkel, die für ihre Nähe zu Barack Obama bekannt ist. Ganz uneigennützig übernimmt der französische Staatschef die Rolle des Vermittlers nicht.

Denn mit seiner Geste zeigt er seinen Landsleuten, dass Frankreich zurück ist auf der Weltbühne. Nach den Jahren unter François Hollande, in denen das Land an Einfluss verlor, will Macron nun wieder eine Schlüsselrolle übernehmen. Deshalb die Einladung an Wladimir Putin ins Schloss Versailles. Deshalb der Nationalfeiertag mit Donald Trump. Wie eine Art europäischer Klassensprecher versucht Macron, das diplomatische Heft in die Hand zu nehmen. Schöne Bilder reichen für diese Rolle allerdings nicht aus. Das wird er auch noch zu spüren bekommen. Lausitzer Rundschau

Ein Amerikaner in Paris

Trubel, Truppen, Trump und Treueschwüre in Paris – Trauer in Nizza. Frankreich im Spannungsfeld zwischen seinem Nationalfeiertag, dem Besuch des US-Präsidenten und dem Gedenken an den schweren Anschlag von Nizza vor einem Jahr, das ist für den Regisseur der französischen Renaissance, Präsident Emmanuel Macron, eine Herausforderung. Soweit erkennbar, hat der drahtige Franzose sie zumindest formal bestanden. Er wollte Trump aus der internationalen Isolation helfen, um eine bessere Kommunikationsebene zu schaffen. Dazu musste er sich denn auch zeitweise auf das Niveau des Gastes begeben, der so weit wie kaum ein anderer Mensch von der französischen Lebenskultur entfernt ist. So machten denn Macron und seine Frau Brigitte gute Miene zum fragwürdigen Kompliment des Amerikaners, der mit einer ziemlich eindeutigen Handbewegung der 64-jährigen First Lady Frankreichs bestätigte, sie habe sich gut gehalten.

Salopp: „Du bist zwar eine alte Schabracke, aber Du siehst noch ganz akzeptabel aus.“ Der peinlich-amüsante Fauxpas hinderte die beiden Präsidenten nicht an operettenreifen Treueschwüren, wie „Nichts wird uns jemals trennen“ oder „Uns verbindet eine unzerbrechliche Freundschaft“. Da fehlte nur noch die Schlagerhymne von Heidi Brühl aus den 60er Jahren „Wir wollen niemals auseinandergehn“. Aber auch jenseits des Pathos gab es Einlassungen von Trump, die zumindest zeigen, dass ihn Themen wie das Klimaabkommen noch beschäftigen: Eine Beilegung des Streites fände er „wunderbar“ und wenn nicht, sei das – Pause – „auch o.k.“. Und Macron versuchte sich nach früherer scharfer Kritik am Ausstieg der USA als Diplomat: „Ich respektiere die Entscheidungen von Präsident Trump.“

Ihm bleibt schließlich nichts anderes übrig. Auch beim Austausch über freien Handel wurde Einigkeit auf kleinstem Niveau demonstriert, indem man die Selbstverständlichkeit der Ablehnung von Dumping zum gemeinsamen Anliegen machte. Sicher nicht verkehrt ist, dass sich die beiden Präsidenten Gedanken machen wollen über Syrien nach dem Ende des Bürgerkriegs. Zukunftsmusik. Aber da sind wohl auch noch andere Länder gefordert. Also mehr oder weniger Unverbindliches in einem um Freundschaft bemühten, entspannten Klima. Isoliert bleibt Trump dennoch, wenn er mit seinem Leitmotiv „Amerika zuerst“ und dummen bis riskanten Entscheidungen die Welt vor den Kopf stößt. Aber die aktuelle Variante des Musicals „Ein Amerikaner in Paris“ war zumindest amüsant. Fuldaer Zeitung

4 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Montag, 17. Juli 2017, 7:33 um 7:33 - Reply

    Macron ist ein ganz großer Schleimer und hängt sein Fähnchen nach dem Wind…. Trump ist nach wie vor, wie der Amerikaner sagt: a pain in the ass……

    P.S. mal abgesehen davon, obwohl man das natürlich garnicht kann: die Frisur von Herrn Trump ist der absolute Wahnsinn! Ich wusste vorher garnicht, dass es so etwas gibt….

  2. Anonymous Sonntag, 16. Juli 2017, 11:15 um 11:15 - Reply

    Was für ein Boulevardzeug: Die „Stadt der Liebe“ machte den ungehobelten US – Präsidenten nicht zu einem besseren Menschen.

  3. Anonymous Sonntag, 16. Juli 2017, 11:10 um 11:10 - Reply

    Trump zeigte sich zufrieden wie ein Kind , dass zum ersten Mal zu einem Geburtstag eingeladen wurde…….
    Ja, war das denn nicht so etwas wie eine Geburtstagsfeier?

  4. Anonymous Sonntag, 16. Juli 2017, 11:07 um 11:07 - Reply

    Und, was sagen die Französinnen und Franzosen zu Trumps Kompliment an Brigitte Macron? Und was sagen die Amerikanerinnen und Amerikaner?

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