Krieg den Gotteskriegern – Verheerende Anschlagserie in Brüssel

Terroranschläge in Brüssel

Welche Motive hat der Hass? Mit welchen Mitteln, an welchem Ort, zu welcher Zeit wird der Terrorist seine Ziele zu erreichen versuchen? Vor allem: Welche Möglichkeiten gibt es, dem Hass die Gründe, dem Terroristen die Bereitschaft zu nehmen, Terrorist zu sein?

Veröffentlicht am Mittwoch, 23.03.2016, 10:14 von Gudrun Wittholz

Die Antworten auf diese Fragen hat einst der bis heute wohl klügste Polizist, den die Bundesrepublik je hatte, zur Grundlage des Kampfes gegen Terroristen erklärt. Horst Herold, als damaliger Chef des Bundeskriminalamts in den 70er Jahren oberster Verfolger der Terroristen der Rote-Arme-Fraktion, definierte als wichtigsten Fahndungsansatz: „Man musste sich gedanklich in die Gegner hineinarbeiten.“

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Das bedeutet, sich klarzumachen, dass die Terroristen des Islamistischen Staates keineswegs äußere Feinde sind, sondern Teile der Gesellschaften, die sie bekämpfen. Sie sind in Belgien, Frankreich, Großbritannien oder Deutschland geboren, zumeist zumindest aufgewachsen, ihren Hass haben sie nicht aus Syrien, Libanon oder Irak importiert, von dort beziehen sie allenfalls das ideologische Gepäck und die logistische Unterstützung, die sie zur Begründung und Begehung ihrer Verbrechen benötigen. Mitteldeutsche Zeitung

Der französische Präsident Hollande spricht von Kaltblütigkeit, mit der man dem Terror begegnen müsse. Kann man das? Kann man kaltblütig bleiben angesichts dieses menschenverachtenden Gewaltszenarios, das gestern Dutzende Menschen tötete und über hundert zum Teil schwer verletzte? Wenn Kaltblütigkeit nicht Vergeltung meinte, nicht kaltblütige Rache an den Terroristen, sondern überlegtes Handeln gegen Kriminelle, dann werden wir alle einen Weg finden müssen, der uns dieses Handeln möglich macht. Kaltblütig im menschenverachtenden Sinn sind Terroristen.

Sie nehmen unschuldige Menschen in Haft für ein Kriegsgeschehen, dessen sie anders nicht Herr werden. Menschen wie du und ich, die nur zufällig und ohne Schuld zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Sie wurden gestern von kaltblütigen Killern bestialisch ermordet oder schwer verletzt. Ihnen gilt unsere Trauer, ihren Angehörigen unser Mitgefühl. Kaltblütig treffen diese skrupellosen Verbrecher das aufgeklärte Leben in Europa mitten ins Herz. Gegen diesen Terror kann sich eine offene Gesellschaft – und sei sie noch so wehrhaft – nicht verteidigen. Nicht mal dem türkischen Halbdiktator-Präsidenten Erdogan gelingt dies. In Europas demokratisch verfassten, freiheitlichen Staaten ist ein lückenloser Schutz gegen diese feige Mörderbande nicht zu schaffen.

Das ist in Deutschland schon Ende der 70er Jahre im Kampf gegen den RAF-Terror kaum gelungen. In der Tat: Erstmals seit damals gibt es wieder Anlass zur Furcht in großen Menschenmassen an zentralen Orten. Jeder für sich prüft seit gestern wieder genauer, beobachtet misstrauischer und handelt defensiver in der Öffentlichkeit. Das ist ja das Ziel des Terrors, dass er die Angst wachsen lässt und die Freiheit des Lebens zerstört. Diese Freiheit ist aber der Markenkern unseres Europas. Wenn wir ihn beschädigen lassen, lassen wir die Europäische Einigung, unsere Kultur, unsere Lebensqualität beschädigen.

Das ist das Herz Europas. Nicht weniger steht hier auf dem Spiel. Wir werden nun in den nächsten Tagen untersuchen, prüfen, ermitteln. Wir werden finden, dass es Fehler gab, ohne die man die Anschläge hätte verhindern können. Wir werden Fragen haben und wir werden das Versagen Einzelner oder einer Struktur ermitteln und Schlussfolgerungen ziehen. Wir werden uns mit der Frage beschäftigen, wie wir uns in Deutschland gegen solche näher gekommenen Gefahren schützen. Wir werden Schuldige und Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit finden. Aber die wichtigste Frage, die Europa beantworten muss: Lassen wir uns mitten ins Herz treffen? Töten die Mörder von Brüssel auch unser aufgeklärtes freies Leben? Wir würden gut daran tun, die Antwort mit kühlem Kopf zu geben – aber nicht kaltblütig. Thomas Seim Neue Westfälische

Mitten ins Herz

Wieder blutüberströmte Menschen auf den Straßen, wieder Dutzende Tote, wieder Terror in Europa. Die Paris-Attentate vom 13. November 2015 sind noch in frischer Erinnerung, da brennt sich der 22. März 2016 als neues Datum des Terrors in unsere Köpfe. Der Krieg geht weiter. Dieses Mal treffen die mutmaßlich islamistischen Terroristen – zufällig oder geplant – das politische Zentrum Europas. Die Hauptstadt der Europäischen Union: Brüssel. Eine Bombe detoniert nur 300 Meter entfernt von der EU-Kommission.

Was nun? Zunächst: Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer. Solidaritätsbekundungen. Belgiens König zeigt sich schockiert. Der deutsche Bundespräsident spricht von „schrecklichen Verbrechen“. Die Welt trauert. Staatschefs aus aller Welt drücken ihre Anteilnahme aus. Die Bundeskanzlerin mahnt die konsequente Verteidigung unserer Werte an. Facebook-Profile in den Nationalfarben Belgiens, der Eiffelturm illuminiert in Schwarz-Gelb-Rot, Karikaturen zeigen die berühmte belgische Brunnenfigur „Manneken Pis“ auf eine Kalaschnikow urinierend. Trauer und Wut finden ihren Ausdruck. Die Islam-Verbände sagen, was sie nach islamistisch motiviertem Terror immer sagen: Hier wird ihre Religion missbraucht. Alles richtig. Aber irgendwie auch alles seltsam routiniert. Ratlos. Ohnmächtig.

Die Gefahr besteht, dass die Trauerrhetorik und die Solidaritätsadressen zum Ritual des Terrors verkümmern und wir die Analyse vergessen, wie freiheitlich organisierte Staaten sich wirksam gegen Menschen zur Wehr setzen, die den Tod nicht scheuen. Es kann nur eine logische Antwort geben. Sie klingt banal: Die Terroristen müssen daran gehindert werden zu töten. Wie kann es sein, dass sich der als Logistiker der Paris-Attentate bekannt gewordene Saleh Abdeslam monatelang in Brüssel verstecken konnte? Wieso wissen EU- und US-Sicherheitsbehörden so wenig über die Informations-und Kommunikationsstruktur der Terrorzellen? Dass eine Vergeltung für die Verhaftung Abdeslams bevorstehen würde, ahnten sie. Aber niemand in der hochgerüsteten IT-Sicherheitsbürokratie der westlichen Regierungen hatte Zugang zu Gesprächen und Vorbereitungen, kannte Namen oder Adressen von potenziellen Attentätern. Nichts? Wirklich gar nichts?

Dann sollten wir nacharbeiten. Nicht nur die Angehörigen der Opfer, alle Bürger haben ein Anrecht darauf, dass die Behörden ihre Fahndungssysteme und Datenbanken mindestens so gut vernetzen, wie es die Terroristen längst tun. Wenn die Anschläge der „westlichen Welt“ galten, wie es jeder Politiker nun wieder betont, dann sollte „der Westen“ auch koordiniert und grenzüberschreitend reagieren. Die Staaten müssen über hierarchische Eitelkeiten und nationale Interessen hinweg eine Struktur aufbauen, mit der Anti-Terror-Experten effizient und erfolgreich arbeiten können. Die islamistische Zelle im Brüsseler Stadtteil Molenbeek konnte über Jahre ungehindert gedeihen. Das müsste die Politik doch aufwecken. Natürlich, freie Gesellschaften sind immer verwundbar. Wir werden mit der Terrorangst leben und zugleich den Weg der Offenheit, des Pluralismus, der rechtsstaatlichen Zuversicht weitergehen müssen.

Aber haben wir schon alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um dem organisierten islamistischen Terrorismus das Handwerk zu legen? Wo ist die globale Initiative der Weltfinanzmärkte, um die Konten des IS einzufrieren? Ist der Westen entschlossen genug in Syrien, im Iran, in Teilen Afrikas, wo Terror geboren wird? Wo ist das Bündnis gegen den Waffenhandel?

Es stimmt, dass die Terroristen gestern Europa ins Chaos gestürzt und unsere Freiheit eingeschränkt haben. Flüge wurden abgesagt, Zugverbindungen gekappt, Grenzen geschlossen. Aber, und das wäre die richtige, weil für die Terroristen schmerzhafte Antwort: Diese Anschläge im Herzen Europas lassen Europa zusammenrücken. Der Kampf gegen die Mörder des IS wird gemeinsam geführt. Europa nimmt die Kriegserklärung an. Michael Bröcker Rheinische Post

4 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Mittwoch, 23. März 2016, 18:34 um 18:34 - Reply

    Merkel hat mit Sicherheit hunderte von denen nach Europa gelassen weil niemand kontrolliert wurde.Wir dürfen es ausbaden.Danke Staatsfeind Nummer1

    • Dragus Donnerstag, 24. März 2016, 16:49 um 16:49 - Reply

      Nicht hunderte, sondern zehntausende. Schon während des Syrien Krieges ging das BKA davon aus, das dort mindestens 1000 Islamisten aus Deutschland mit kämpfen. Die ersten Jahre des Krieges durften diese völlig unbehelligt nach Deutschland zurück reisen. Erst später, unter dem Druck des Völkermordes an den Jesiden und als die etablierten Medien sich auf rafften, Details zur Schrekcensherrschaft der IS zu posten, auch die USA begann, gegen den IS zu kämpfen, begann man aktiver zu werden.

      Schätzen wir mal grob ab. 75% der Syrier sind arabische Sunniten. Setzen wir sehr niedrig an, das nur 20% der sunnitischen Araber den IS unterstützen, dann wären ca 15% der Flüchtlinge Sympathisanten des IS. Wäre jeder zehnte davon Gewaltbereit, wären das 1,5% der syrischen Flüchtlinge. Und weil man die zweitstärkste Opposition nicht vergessen sollte, die Al-Kaida nahe Al-Nusra, kommen noch mal so viele Al-Kaida Extremisten dazu. In Zahlen wären das dann:
      Von 1,2 mio. Flüchtlingen, sagen wir 600.000 Syrer. Weiß keiner genau, hielt Merkel nicht für nötig, Kontrollen, Pässe und so ein blödsinn . . . das macht dann ca. 180.000 Sympathisanten islamisch fundamentalistischer Bewegungen mit ca. 18.000 kampferfahrenen Extremisten.

      Und da ging ich nur von 1% gewaltbereiter aus unter den sunnitischen Arabern aus, viel zu wenig für einen Bürgerkrieg über so lange Zeit.

      Sobald der IS und die Al-Kaida sich in Deutschland richtig vernetzt haben und die Terroranschläge im Monatstakt erfolgen, wird sich Deutschland verändern.

  2. Anonymous Mittwoch, 23. März 2016, 17:25 um 17:25 - Reply

    Deutschland ist jetzt bestimmt die neue Außenstelle des IS.Die eröffen bestimmt bald Trainingslager die vom Staat finanziert werden.:-)

  3. Dragus Mittwoch, 23. März 2016, 13:15 um 13:15 - Reply

    Wenn man sich in IS oder Al-Kaida Terroristen hinein arbeiten will, sollte man öfter in islamischen Kulturzentren beten gehen und sich mit fundamentalistisch islamischen Imamen darüber unterhalten, woher das Böse in der Welt kommt und wie man als aufrechter Muslim gegen das Böse kämpfen kann.

    Weg von den banalen Wahrheiten, das religiöser Fanatismus und Hass auf die westliche Gesellschaft von Kindheit an vermittelt werden muss um bei jungen Männern entsprechendes Verhalten hervor zu bringen, fragt sich natürlich, warum die Politik das Errichten islamistischer Islamzentren und Koranschulen in Europa nicht verbietet. So lange man religiösen Fanatikern erlaubt, ihre Indoktrination im Mantel der Religionsfreiheit zu treiben und so tut, als gehörte religiöser Fanatismus nicht zu der sie hervorbringenden Religion, geht das Morden munter weiter. In Zukunft halt auch in Europa. Man hat genug Muslime einreisen lassen und nichts dagegen getan, das sie hier ihre Lehren verbreiten können.

    Was die Frage an geht, ob man den Islamismus nicht ausreichen in Syrien und anderswo bekämpft oder z.Bsp. keine Waffen mehr liefert etc. Das wohl ne Scherzfrage?

    Der islamischen Welt steht noch vieles bevor und es wird einem um so besser gehen, je besser man sich von den islamischen Ländern ab schottet. Die meisten nichtislamischen Länder haben das längst begriffen und machen eine entsprechende Einwanderungs/Sicherheitspolitik. Westeuropa möchte es eben auf die Harte Tour lernen. Auch o.k. Es gibt genug Islamisten, es ihm bei zu bringen. Was internationale Waffenkontrolle an geht usw. Da glauben wohl noch Journalisten an den Weihnachtsmann.

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