Hillarys bester Helfer Barack Obama

Angry White Man

Für Barack Obama geht es um das politische Erbe, für Hillary Clinton um die Macht. Beide eint das Interesse, dem National-Chauvinisten Donald Trump den Weg ins Weiße Haus zu verbauen. Das macht aus den Gegnern der Vorwahlen von 2008 heute die besten Freunde.

Veröffentlicht am Dienstag, 14.06.2016, 11:36 von Tabea Schrader

Obama kann bei den Demokraten wie kein anderer die Koalition aus besser Gebildeten, Minderheiten, Frauen und jungen Wählern wieder zusammenbringen, die jetzt zwischen Clinton und Bernie Sanders aufgesplittert ist. Der Präsident genießt Respekt in beiden Lagern. Das erlaubt ihm, vor dem Parteitag in Philadelphia Brücken zu schlagen.

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Auch im Herbst könnte Obama zu Hillarys bestem Helfer werden. Mit Zustimmungswerten um die 50-Prozent-Marke bleibt er einer der populärsten Politiker in einem ansonsten tief gespaltenen Land. Ganz anders als Clinton und Trump, die in einem Unbeliebtheits-Wettbewerb stehen.

Die designierte Präsidentschaftskandidatin hofft, das positive Image des Amtsinhaber werde im Wahlkampf auf sie abfärben. Zunächst liegt es aber an dem unterlegenen Bernie Sanders, das Kriegsbeil zu begraben. Obama hat den Senator aus Vermont bei einem Empfang im Weißen Haus dazu motiviert. Die geplante Begegnung mit Clinton lässt hoffen.

Seine Drohung, die Krönungsfeier auf dem Parteitag Ende Juli zu vermasseln, hat der Linkspolitiker jedenfalls nicht wiederholt. Sie dürfte ohnehin eher Teil des Machtpokers gewesen sein, mit dem der unterlegene Kandidat versucht, Clinton Zugeständnisse abzuringen. Als Realpolitiker kommt Sanders an den Fakten nicht vorbei. Er versteht, dass seine Konkurrentin sich bei den Vorwahlen durchgesetzt hat. Hillary Clinton holte die Mehrheit der Delegierten, führt bei den Superdelegierten, siegte in der Mehrzahl der Bundesstaaten und hat auch bei den absolut abgegebenen Stimmen die Nase vorn.

Dass er sich der Ex-Außenministerin nicht gleich vor die Füße wirft, macht dennoch Sinn und kann der Siegerin sogar helfen. Indem er für Änderungen im Wahlprogramm und bei den Personalien kämpft, bewahrt er in den Augen seiner Anhänger seine Glaubwürdigkeit. Damit verbessern sich die Chancen, dass diese ihm folgen werden, wenn er am Ende Clinton unterstützt.

Alles andere wäre ein Desaster für die Demokraten, die schnell zur Einheit zurückfinden müssen, um Donald Trump im November zu schlagen. Zumal es töricht wäre, die Chancen des fleischgewordenen Mittelfingers der Wutbürger ein weiteres Mal zu unterschätzen. Sanders sollte sich daran erinnern, wie die Siegerin vor acht Jahren unter umgekehrten Vorzeichen ein Beispiel setzte. Ihr Verhältnis zu Obama zeigt, wie aus Rivalen von einst Verbündete werden können. Westfalen-Blatt

Clinton gegen den „Angry White Man“

Nach den amerikanischen Vorwahlen erklärt Jürgen Trittin, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss: Deutschland und Europa müssen sich mindestens auf einen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump einstellen. Trump walzt trotz seines Flirts mit dem Ku Klux Klan weiter in Richtung Nominierung. Und das republikanische Establishment steht hilflos daneben. Es gibt keinen Plan, wie der Kandidat der „angry white men“ zu stoppen und eine Niederlage im Herbst zu verhindern ist. Ted Cruz versucht sich nach Siegen in drei Staaten als Alternative zu Trump zu inszenieren. Dabei ist er nur ein Trump mit weniger Wählerstimmen. Und Rubios einzelner Sieg in Minnesota sieht erst recht nicht nach einer Alternative aus.

Bei den Demokraten hat Hillary Clinton die Erwartungen als Favoritin erfüllt. Doch das respektable Abschneiden von Bernie Sanders zeigt, dass es in den USA großes Unbehagen mit der extremen sozialen Ungleichheit gibt. Wenn Clinton am Ende gegen Trump gewinnen will, muss sie ernsthafter als bisher auf diese Wähler zugehen.

Ein Kandidat oder gar ein Präsident Trump wäre ein schwerer Rückschlag für die transatlantischen Beziehungen. Das würde die gute internationale Kooperation in Frage stellen, die in den letzten acht Jahren aufgebaut worden ist. Schlimmer noch, Trump könnte dazu führen, dass man sich in Europa nach George W. Bush zurücksehnt. Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag

Hillary Clinton wird ihre E-Mail-Affäre nicht los

Das Urteil ist eindeutig: Hillary Clinton hat einer internen Untersuchung des US-Außenministeriums zufolge gegen die Regeln verstoßen, als sie in ihrer Zeit als Außenministerin einen privaten E-Mail-Server genutzt hat.

Die wenigsten Wähler verstehen, worum es bei der E-Mail-Affäre Hillary Clintons in der Sache geht. Und noch weniger Amerikaner dürften ernsthaft um die Gefährdung von Staatsgeheimnissen durch den Gebrauch eines privaten Servers besorgt sein. Die Brisanz der Email-Affäre rührt von etwas anderem. Hillary und Bill Clinton hinterlassen bei vielen Bürgern seit ihrer Zeit im Weißen Haus den Eindruck, sie bräuchten sich nicht an Spielregeln zu halten, die für alle anderen gelten. Während jeder Beamte des Außenministeriums beim Gebrauch privater E-Mail für Dienstzwecke seinen Job los wäre, tut Hillary so, als sei dies eine Lappalie. Ihre Verteidigung klingt wie die eines erwischten Ladendiebs, der sich darauf hinausredet, nicht der einzige Langfinger zu sein.

Die andere Wahrnehmung hat mit dem Verhältnis Hillarys zur Wahrheit zu tun. Clinton dehnt ihre Worte wie ein Winkeladvokat, der seinen Vorteil im Weglassen, Kleingedruckten und Wortwörtlichen sucht. Genau deswegen trauen ihr viele nicht über den Weg, unabhängig von ihren politischen Überzeugungen. Die Kombination aus Anspruchsdenken und mangelnder Glaubwürdigkeit macht Hillary zur Zielscheibe des populistischen Ärgers. Ein Phänomen, das nicht nur auf die Republikaner begrenzt ist, sondern in Bernie Sanders eine Entsprechung auf der Linken gefunden hat.

Die E-Mail-Affäre hat das Potenzial, zum Mühlstein um den Hals einer Kandidatin zu werden, die das amerikanische Establishment in Reinkultur repräsentiert. Das gilt erst recht, wenn das FBI ein strafrechtliches Verfahren eröffnete. Mit Clintons haushohen Negativwerten tritt für die Demokraten eine Spitzenkandidatin an, die mehr als verwundbar ist. Dass sie dennoch Favoritin im Rennen um das Weiße Haus bleibt, liegt nur daran, dass Trump trotz seines Außenseiter-Appeals in Teilen der Wählerschaft insgesamt noch unbeliebter ist. Thomas Spang, Mittelbayerische Zeitung

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