Frankreich Aufschlussreiches Duell – Seltsame Konstellation

Duell Macron gegen Le Pen

Präsidentschaftswahl in Frankreich: Als Debatte wurde das Aufeinandertreffen von Marine Le Pen und Emmanuel Macron angekündigt, es endete in einem ohrenbetäubenden Spektakel. Phasenweise war nichts mehr zu verstehen, weil beide gleichzeitig aufeinander einredeten. Den aggressiven Ton setzte Marine Le Pen von Beginn an.

Veröffentlicht am Freitag, 05.05.2017, 9:52 von Gudrun Wittholz

Die Vertreterin des Front National war rein auf Krawall gebürstet. Zu ihren eigenen inhaltlichen Vorschlägen mochte sie auch auf Nachfrage der Moderatoren wenig sagen. Ihr ging es nur darum, ihren Gegner anzupöbeln. Die Fakten brachte sie dabei mehrmals durcheinander. Macron bemühte sich, sachlich zu bleiben, wirkte aber, weil er vieles richtigstellen wollte, mitunter wie ein Lehrer. Le Pen übernahm die Rolle der Rotzgöre, die ob ihres schulischen Versagens nur mit frechen Sprüchen antworten konnte. Was blieb ihr mangels Argumenten auch anderes übrig. Umfragen zufolge sah die Mehrheit der Fernsehzuschauer Macron als Sieger. Kommentatoren fielen einhellig über Le Pens „nicht präsidentschaftswürdiges Auftreten“ her. Dazu ist anzumerken, dass andererseits ja trotzdem rund ein Drittel der Franzosen genau dieses Auftretten gut fanden. In den sozialen Netzwerken stimmten viele nachträglich dem früheren Präsidenten Jacques Chirac zu. Er hatte sich 2002 geweigert, ein TV-Duell mit Jean-Marie Le Pen zu bestreiten. Sein Argument: „Mit der extremen Rechten kann man nicht debattieren.“ Die Debatte 2017 gab ihm recht. Es war das unwürdige Finale eines brutalen Wahlkampfs. Christine Strasser  Mittelbayerische Zeitung

Das ist schon eine seltsame Konstellation: Halb Europa jubelt einem politischen Aufsteiger zu, von dem ganz Europa nicht weiß, was er will. Jedenfalls nicht genau. Sozialliberale nennen ihn sozialliberal, Liberale liberal, und wer sich modern vorkommt, nennt ihn Modernisierer. Es soll sogar Linke geben, die bei ihm linke Elemente aufgespürt haben. Und alle seufzen erleichtert: Wenn Emmanuel Macron Präsident wird in Frankreich, dann hat auch Europa gesiegt. Die Begeisterung ist einerseits verständlich, denn natürlich ist alles besser als eine reaktionäre Nationalistin, die nicht nur der EU, sondern dem europäischen Gedanken insgesamt irreparablen Schaden zufügen könnte. Aber andererseits sollte im parteiübergreifenden Jubel die Frage nicht untergehen, für welches Europa Macron, der „Europäer“, steht. Frankfurter Rundschau

Wer sich um die politische Kultur in Deutschland Sorgen macht, dem ist dringend zu empfehlen, sich das TV-Duell zwischen den beiden französischen Präsidentschaftskandidaten noch einmal anzuschauen. Zweieinhalb Stunden haben sich Marine Le Pen und Emmanuel Macron am Mittwoch Abend gegenseitig beschimpft, beleidigt und mit Unterstellungen überhäuft.

Selbst wenn man noch nie oder zumindest schon lange nicht mehr in Frankreich war, gibt einem diese Schlammschlacht zur besten Sendezeit schnell eine Ahnung davon, wie zerrissen das Land sein muss. Und wie schwer es der nächste Staatspräsident haben wird. Es steht viel auf dem Spiel. Sehr viel sogar. Frankreich muss sich neu erfinden und noch ist ungewiss, in welche Richtung diese Neuerfindung zielen wird. Europa und die Europäische Union aber werden die Konsequenzen zu spüren bekommen – so oder so.

Man muss sich das klarmachen: Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen hat das politische System in Trümmer gelegt. Weder die Sozialisten noch die Konservativen schafften es in die Stichwahl. Hierzulande ging das fast unter, weil Macron vor Le Pen lag. Sein Vorsprung betrug nur wenige Prozentpunkte – trotzdem war der Jubel groß. Nicht selten begleitet von der im Brustton der Überzeugung vorgetragenen Ansicht, dass Macron jetzt ja gar nicht mehr verlieren könne.

Offenkundig haben viele – übrigens auch erschreckend viele Journalisten – wenig aus der jüngeren Vergangenheit gelernt. Nach Trump und Brexit sollte eigentlich klar sein: Keine Wahl ist entschieden, bevor die Wahllokale geschlossen sind. Es ist aber leider überhaupt nicht klar. Was wiederum eine ungeheure Respektlosigkeit gegenüber dem Souverän – hier dem französischen Volk – offenbart.

Freilich muss, wer weiter auf die Europäische Union setzt und – allen Problemen zum Trotz – an ihre Zukunft glaubt, auch sagen dürfen, dass er Macron die Daumen drückt. Die Glückwunschadressen zahlloser EU-Granden allerdings, darunter deutsche Spitzenpolitiker wie Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU), waren nicht nur voreilig, sondern geradezu schädlich. So hatte Marine Le Pen in den vergangenen zwei Wochen leichtes Spiel, ihre Vorwürfe gegenüber »den Eliten« in Paris, Brüssel und anderswo zu bekräftigen. Sie machte reichlich Gebrauch davon. Auch im TV-Duell diffamierte sie Macron permanent mit dem Vorwurf, bloß ein Vasall von Kanzlerin Angela Merkel zu sein.

Und gravierender noch: Glauben die französischen Wähler tatsächlich, dass die Sache entschieden ist, könnten sie womöglich bei der Stichwahl zu Hause bleiben. Man kann nur hoffen, dass das nicht geschieht, denn die Folgen könnten verhängnisvoll sein. Noch hat Frankreich die Wahl. Westfalen-Blatt

Also Entwarnung an der Seine? Noch nicht. Auch wenn Beobachter und Demoskopen Macron nicht nur als deutlichen Gewinner sehen, sondern ihn auch für Sonntag einen Sieg prophezeien. Erst einmal hat der Wähler das Wort, und der hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder als schwer berechenbar erwiesen. Es heißt also: Daumen drücken. Denn sollte es in Frankreich ein böses Erwachen geben, sind die Folgen auch für Deutschland und ganz Europa dramatisch. Straubinger Tagblatt

Es mag ja sein, dass die Politik in Deutschland zuweilen etwas langweilig daherkommt. So waren beim jüngsten TV-Duell zwischen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihrem CDU-Herausforderer Armin Laschet nicht wirklich fundamentale inhaltliche Unterschiede auszumachen. Auch der Ton zwischen den beiden war zeitweise allenfalls forsch, kaum einmal aggressiv – und schon gar nicht hasserfüllt.

Wie wohltuend ein solch zivilisierter Umgang ist, zeigt der Präsidentschafts-Wahlkampf in Frankreich. Was sich der Liberale Emmanuel Macron und die Rechtsextreme Marine Le Pen im Fernsehen leisteten, war abstoßend. Vor allem die Chefin des Front National überkübelte ihren Rivalen mit Vorwürfen, ersetzte Fakten durch Behauptungen, schürte Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile gegen die Deutschen.

Macron keilte zurück, nannte die extremistische Frontfrau „Parasit“. Einmal mehr machte der Auftritt deutlich, was Europa nach einem Wahlsieg Le Pens drohen würde. Für das Zusammenleben wäre eine rechtsextreme französische Präsidentin schlichtweg eine Katastrophe. Die letzten Umfragen machen indes Hoffnung, dass es soweit nicht kommt. Lutz Heuken – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

4 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Sonntag, 7. Mai 2017, 1:33 um 1:33 - Reply

    Laut Fettsack Gabriel sind Le Pen-Wähler Ratten.

  2. Pfleiderer, Willi Freitag, 5. Mai 2017, 21:06 um 21:06 - Reply

    Ein Bankmensch als Staatspräsident? Der wird immer
    ein Herz für die Reichen haben. Nicht empfehlenswert!

  3. Anonymous Freitag, 5. Mai 2017, 19:17 um 19:17 - Reply

    Vive la France
    vive la dame
    vive la vie
    Vive Marine

  4. Anonymous Freitag, 5. Mai 2017, 16:13 um 16:13 - Reply

    Macron, ein Sozialist der aus Angst vor le pen von EU-Fanatikern zum linksliberalen Pro-EU Präsidentschaftskandidaten gepusht wurde.
    Lächerlich und substanzlos!

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