Man darf den Islamischen Staat nicht unterschätzen

Bodentruppen zwingend notwendig

Mit den Türken gegen den IS Grausam ist der Mord an Moaz al-Kasasbeh, dem jordanischen Kampfpiloten. Abscheulich ist die kalte Professionalität, mit der diese Hinrichtung inszeniert wurde. Das von der Terrororganisation Islamischer Staat veröffentlichte Video, so es sich als authentisch erweist, soll uns schockieren mit seiner an einen Musikclip erinnernden Machart, mit harten Schnitten, der […]

Veröffentlicht am Donnerstag, 05.02.2015, 10:01 von BZ-Redaktion

Mit den Türken gegen den IS

ISIS Turkei

Grausam ist der Mord an Moaz al-Kasasbeh, dem jordanischen Kampfpiloten. Abscheulich ist die kalte Professionalität, mit der diese Hinrichtung inszeniert wurde. Das von der Terrororganisation Islamischer Staat veröffentlichte Video, so es sich als authentisch erweist, soll uns schockieren mit seiner an einen Musikclip erinnernden Machart, mit harten Schnitten, der Demonstration übermächtiger Gewalt. Und es soll jene, die Sympathien hegen, locken, mit dem Versprechen auf Macht über andere, auf Ordnung im Durcheinander des Lebens.

Nahost-Experten warnen, den Islamischen Staat nicht zu unterschätzen. Seine technischen und finanziellen Möglichkeiten sind im Nahen Osten so viel größer als all das, was die Vorläuferorganisation „al-Kaida im Irak“ angerichtet hat. Der IS schafft, nach allem was wir aus dem Nordirak und dem Nordosten Syriens hören, staatliche Strukturen. Es gibt eine funktionierende Verwaltung, eine ausgefeilte Propagandamaschinerie – siehe das Mordvideo. Den Strategen des IS geht es nicht darum, ein wenig Terror zu verbreiten und dann in die Berge zu verschwinden, so wie Osama bin Laden das tat. Sie sind dort, um zu bleiben. Sie wollen die alten Grenzen abschaffen, um ihren Gottesstaat zu etablieren.

Militärisch ist dem IS ohne den Einsatz von Bodentruppen kaum beizukommen. Man kann aber den Nachschub an Mensch und Material zu unterbinden versuchen. Dass die Bundesregierung schon den Versuch der Ausreise eines Islamisten unter Strafe stellen will, ist ein später Anfang. Wichtiger noch scheint es, die Türkei im Krieg gegen die Islamisten zu stützen. Denn türkische Geheimdienste klagen seit Langem, dass sie nicht von westlichen Diensten rechtzeitig über gewaltbereite Islamisten informiert werden, die via Istanbul in den Dschihad reisen wollen.

Man muss kein Freund von Recep Tayyip Erdogan sein oder den EU-Beitritt des schwierigen Partners fordern, um zu verstehen, dass nur eine enge Kooperation zwischen der Türkei und den Nato-Partnern im Kampf gegen den IS helfen kann.

Schwäbische Zeitung
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