Der Trump-Clan – Russlands langer Schatten

Trump in der Glaubwürdigkeitsfalle

Aus der Glaubwürdigkeitsfalle wird sich der US-Präsident kaum mehr befreien können. Dabei gibt es durch Trumps Treffen mit Putin etwas Hoffnung für bessere Beziehungen zwischen Amerikanern und Russen; beide haben immerhin für Teile Syriens eine Waffenruhe vereinbart. Aber schon die Eingeständnisse des Trump-Sohnes lassen den Neustart deutlich verblassen.

Veröffentlicht am Freitag, 14.07.2017, 10:05 von Magnus Hoffestett

Es gab eine Zeit in den USA, zu der wäre jeder Wahlkämpfer oder Wahlkampfhelfer mit solchen E-Mails schnurstracks zum FBI gegangen und hätte gesagt, offenbar wollen sich da ausländische Stellen in den Wahlkampf einmischen. So hat es zum Beispiel im Jahr 2000 der demokratische Präsidentschaftskandidat Al Gore gemacht, als seinem Team vertrauliche Informationen über den Republikaner George W. Bush zugespielt wurden. Diese Zeiten sind vorbei. Trumps Wahlkampfhelfer waren weder kompetent, noch waren in ihrem Wertekanon Wahrhaftigkeit und Ethos enthalten – sonst hätten sie sich auch nicht bei dem Populisten verdingt. Damir Fras – Berliner Zeitung

Keine Ehre, eine Schande

Erstmals gibt es einen konkreten Hinweis auf eine Absprache zwischen dem Team Trump und Russland. Das schürt Zweifel an der Legitimität von Trumps Präsidentschaft und hemmt seine Regierungsfähigkeit.

Seit seinem Amtsantritt schwebt der Schatten Russlands über der Präsidentschaft von Donald Trump. Hat der alte und wieder erstandene Kontrahent auf der Weltbühne die amerikanische Wahl beeinflusst und Trump zu seinem unerwarteten und knappen Sieg verholfen? Gab es im Wahlkampf sogar eine Koordination zwischen Russland und dem Team Trump?

Trump weiß, dass es um die Legitimität seiner Präsidentschaft und um seine Regierungsfähigkeit geht. Deshalb schlägt er seit Monaten um sich. Er hat die Vorwürfe geleugnet oder heruntergespielt, Kritiker attackiert, Blendgranaten geworfen und versucht, die Aufklärung zu hintertreiben. Zuletzt inszenierte er sogar ein Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin, als sei nichts gewesen. Das hat selbst viele seiner Parteigänger noch misstrauischer gemacht. Wenige Tage nach der merkwürdigen Begegnung in Hamburg wächst sich die schwelende Russland-Affäre nun offenbar zu einem Skandal aus. Nach Recherchen der New York Times gibt es erstmals einen konkreten Hinweis auf eine Wahlkampf-Absprache zwischen dem Team Trump und einer Mittelsfrau der russischen Regierung.

Die Enthüllung belastet vor allem den ältesten Sohn des Präsidenten, Donald Trump Jr.; aber auch der umtriebige Schwiegersohn Jared Kushner soll dabeigewesen sein.
Die Rückversicherung des Präsidenten war bisher, dass die meisten Wähler ihm die Treue gehalten haben. Auch deshalb, weil viele ihre Informationen direkt von ihm oder von gleichgesinnten Medien beziehen. Sie halten die Russland-Affäre und andere Probleme des Präsidenten für Intrigen der verhassten Eliten, liberalen Medien und politischen Gegner. Darin setzt sich auch das Narrativ von Trumps Wahlkampf fort, wonach er für die Zukurzgekommenen und Betrogenen einsteht.

Doch Trump hat die Loyalität des republikanischen Lagers nicht gepachtet. Der jüngsten Enthüllung werden weitere folgen. Sie dominieren die öffentliche Debatte und können zu weiteren Absetzbewegungen gegen den Präsidenten führen – an der Parteibasis ebenso wie unter Kongresspolitikern und Mitarbeitern, die mit Blick auf die eigene Zukunft nicht mehr mit Trump assoziiert werden wollen. Inhaltlich geht ohnehin schon seit Langem nichts mehr weiter, das Weiße Haus kämpft vor allem Abwehrschlachten in eigener Sache. Vizepräsident Mike Pence soll sich bereits organisatorisch und finanziell auf einen eigenen Wahlkampf vorbereiten. Auch er scheint nicht mehr daran zu glauben, dass sein Chef dem Schatten Russlands noch entkommen kann. Floo Weißmann – Tiroler Tageszeitung

Obwohl außer den vier Teilnehmern und zwei Übersetzern niemand weiß, was hinter verschlossenen Türen genau vor sich ging, gilt eines als sicher. Das erste Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin macht Geschichte. Und das nicht nur, weil es mehr als doppelt so lange dauerte wie ursprünglich geplant. Entweder markiert es den Beginn eines unheiligen Pakts, der den Westen spaltet, die multilaterale Nachkriegsordnung infrage stellt und demokratische Prinzipien unterminiert. Oder das Ende eines kurzen Flirts, der mit der Einmischung Russlands zugunsten Donald Trumps begann, aber nicht für eine nachhaltige Partnerschaft reichte. Vielleicht auch irgendwas dazwischen. Der angestrebte Waffenstillstand in Syrien ist wegen der Beteiligung Jordaniens das einzige Ergebnis, das sich unabhängig bestätigen lässt.

Ansonsten liegt die Definitionsgewalt über dem, was bei dem Privatissime passierte, allein bei dem ehemaligen KGB-Chef und seinem langjährigen Außenminister Sergej Lawrow sowie dem Novizen im Weißen Haus und Amerikas Chefdiplomaten Rex Tillerson. Es spricht Bände, dass Trump weder seinen Nationalen Sicherheitsberater H.R. McMaster noch seine Russland-Beraterin Fiona Hill bei dem vertraulichen Gespräch unter acht Augen dabei haben wollte. Beide gelten nämlich als ausgewiesene Kritiker des Kreml. Im Unterschied zu Tillerson, dem Putin persönlich schon den russischen Freundschaftsorden angeheftet hatte. Vor dem Hintergrund der mit „hoher Gewissheit“ von den US-Geheimdiensten festgestellten Einmischung Moskaus in die Präsidentschaftswahlen und den strafrechtlichen Ermittlungen wegen möglicher Verschwörung mit den Russen gibt es jeden Grund, das Schlimmste zu befürchten. Den Verlautbarungen über die Begegnung muss jedenfalls mit allergrößter Skepsis begegnet werden.

Wladimir Putin steht schon jetzt als großer Gewinner des Treffens fest. Trump beförderte ihn aus dem Rang des Präsidenten einer Regionalmacht zu einem ebenbürtigen Spieler auf der globalen Bühne. Und er betreibt schon jetzt Moskaus Geschäft, das die Europäische Union spalten und die NATO schwächen will. Dieses Treffen in Hamburg war keine Ehre, sondern eher eine Schande für einen US-Präsidenten, der sich damit endgültig als Führer der freien Welt verabschiedete. Der kumpelhafte Schlag auf Putins Schulter lässt befürchten, dass Trump nicht erst jetzt einen neuen Freund gefunden hat. Thomas Spang – Weser-Kurier

6 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Sonntag, 16. Juli 2017, 10:21 um 10:21 - Reply

    Die Amerikanerinnen sprechen in Talkrunden über die das verhalten von Trump gegenüber der Französischen Präsidentengattin. die sind eine first lady gewohnt, und viele finden es nice, was da gelaufen ist. Und es gibt Umfragen, wer von beiden chicker gekleidetet ist. Melania oder Brigitte.

  2. Anonymous Sonntag, 16. Juli 2017, 10:01 um 10:01 - Reply

    Der kupelhafte Schlag auf Putins Schulter…….
    Mal richtig hinsehen. Die betatschen sich alle. Kuckt mal, was Junker sich abhält!

  3. Anonymous Sonntag, 16. Juli 2017, 9:55 um 9:55 - Reply

    Und Trump wäre schon wieder sexistisch gewesen. Er hätte der Gattin des französischen Präsidenten ein Kompliment wegen ihrer Schönheit gemacht.
    Jetzt mal ehrlich Leute, Sie ist eine Schönheit, und das im Alter von 64 Jahren. Zugegeben, Angela Merkel wird solche Komplimente nicht bekommen können, bei der kann man nur die Jäckchen zählen. Und wenn sich Staatsoberhäupter, und andere Politiker zur Begrüßung und zum Abschied Küsschen geben und sich tätscheln und hätscheln, finde ich das hundert mal peinlicher.

  4. Anonymous Freitag, 14. Juli 2017, 13:43 um 13:43 - Reply

    Herr Spang, was war da eine Schande für EINEN US-Präsidenten ? Ich dachte, dieser EINE US-Präsident wäre selbst die Schande.
    Sind sie auch der Meinung, der Waffenstillstand in Syrien sei eine Schande?

  5. Anonymous Freitag, 14. Juli 2017, 13:36 um 13:36 - Reply

    Was, Trump beförderte Putin aus dem Rang des Präsidenten einer Regionalmacht…….
    Warum schreibt ihr nicht gleich: Aus dem Rang eines Lokalpolitikers?

  6. Anonymous Freitag, 14. Juli 2017, 13:32 um 13:32 - Reply

    Wieso ANGESTEBTER Waffenstillstand?

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