Zentralrat der Muslime: Petry hatte in der AfD nie das Sagen

Mazyek: AfD saugt NPD komplett auf

Der Zentralrat der Muslime sieht nach dem Verzicht von Parteichefin Frauke Petry auf eine AfD-Spitzenkandidatur den Weg frei für noch radikalere und islamfeindlichere Kräfte in der Partei. Zentralratsvorsitzender Ayman Mazyek sagte im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Frau Petry hatte in dieser Partei nie die Hosen an.“ Während Petry immerhin noch zum kritischen Dialog beispielsweise mit dem Zentralrat der Muslime bereit gewesen sei, hätten sich dem andere Kräfte aus der Parteiführung komplett verweigert. Mazyek sagte: „Die AfD ist auf dem Weg, die NPD komplett aufzusaugen.“ Neue Osnabrücker Zeitung

Veröffentlicht am Donnerstag, 20.04.2017, 12:25 von Gudrun Wittholz

Als Parteigründer Bernd Lucke im Sommer 2015 auf dem Essener Parteitag in einer überaus aggressiven Atmosphäre abgewählt wurde, hatten ihn seine eigenen Sünden eingeholt: Obwohl das AfD-Hauptthema ursprünglich der Euro war, scheute der Wirtschaftsprofessor nicht davor zurück, am rechten Rand um Stimmen zu werben und Tabubrüche einzusetzen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die damit losgetretene rechte Welle spülte ihn selbst davon. Auch die Kontrarevolution frisst ihre Kinder. Und nun wird Frauke Petry das nächste Opfer dieser Dynamik? So möchte sie es wohl gerne wahrgenommen wissen. Aber an dieser Darstellung wäre alles falsch. Die heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der AfD haben so gut wie keinen inhaltlichen Hintergrund. Dass sich Frau Petry als Vertreterin eines realpolitischen Flügels gegen Rechtsaußen-Fundis inszenieren will, ist lächerlich. Auch sie hat skrupellos mit völkisch-nationalistischem Vokabular provoziert und wollte dann, wenn über die Medien die erhofften Empörungsreaktionen gekommen waren, alles nicht so gemeint haben.

Im internen Streit geht es ausschließlich um die Macht und um persönliche Abneigungen. Und der angekündigte Verzicht auf die Spitzenkandidatur ist auch kein Abschied. Sie hat lediglich für etwas mehr Chaos vor dem Parteitag in Köln gesorgt. Da hat es offenbar Absprachen ihrer Gegner gegeben, um sie auszubremsen. Nun gibt sie vor, Sachfragen von Personalfragen trennen zu wollen: ein taktischer Schachzug, kein Rückzug. Um es klar zu sagen: Eine konservative Partei rechts von einer in die Mitte gerückten CDU ist legitim, doch ihr Spitzenpersonal agiert abstoßend. Westfalenpost

Ein Schachzug, kein Rückzug

Dem monatelangen Streit folgte drei Tage vor dem Parteitag in Köln und wenige Monate vor der Bundestagswahl der politische Offenbarungseid. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die AfD eben keine Alternative für Deutschland ist und letztlich nicht über stabile Strukturen verfügt, dann haben Frauke Petry und die verbleibenden AfD-Verantwortlichen das letzte Argument geliefert.

Diese zerstrittene Partei ist gerade dabei, sich selbst zu zerlegen. Nun gibt es nicht nur in der AfD Personalquerelen, Machtgier und Intrigen. Aber bei der noch jungen Partei ist es besonders schlimm. Petrys Rückzug könnte die AfD gravierend ins Wanken bringen. Es geht nicht einfach nur um den Verzicht einer schwangeren Vorsitzenden auf die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl. Es geht darum, dass es so kurz vor wichtigen Wahlen offenbar keinen Plan gab und in so kurzer Zeit nicht geben kann, wofür die AfD eigentlich steht und wohin die Partei will.

Weil der AfD eine gemeinsame Strategie fehlt, sie sich zuletzt nur mit sich selbst beschäftigt hat und die Umfragewerte seit Herbst 2015 bis heute von etwa 20 auf 8 Prozent in den Keller gerauscht sind, hat die Politikerin die Brocken hingeschmissen. Ein Grund ist auch der Streit im Zusammenhang mit dem laufenden Parteiausschlussverfahren von Björn Höcke. Dieser hatte sich mit seiner Holocaust-Rede selbst ins rechte Abseits gestellt. Dennoch hat er viele Fürsprecher innerhalb der AfD, was zu denken gibt.

Ein bisschen neigt man dazu, sogar etwas Verständnis für Petrys Rückzug aufzubringen. Denn zuletzt stand sie innerhalb der AfD eher für einen realpolitischen Weg – oder hat sich zumindest so dargestellt. Bei Parteivize Alexander Gauland, der Björn Höcke gerne weiter unter den Seinen sieht, ist das nicht der Fall. Er vertritt den radikalen Flügel, viele sagen den rechtsradikalen Teil.

Man muss Frauke Petry nicht mögen, erst Recht nicht ihre politischen Überzeugungen teilen. Aber dennoch war sie so etwas wie das Gesicht dieser Partei. Ob Gauland oder Co-Chef Meuthen das jemals werden können, darf stark bezweifelt werden.

Mit ihrem Rückzug vor dem Parteitag am Samstag ist Petry dem großen Knall aus dem Weg gegangen. Ihr drohte der Machtverlust. Vermutlich wäre sie nur mit einem sehr bescheidenden Ergebnis ins Spitzenteam gewählt worden.

Petry hat, wie es Wolfgang Kubicki (FDP) zu sagen pflegt, den Kampf gegen die Rechtsradikalen verloren und den beschleunigten Niedergang der AfD eingeläutet. Im Wahlkampf muss man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Aber: Der Rückzug Petrys wird für die Partei ganz gewiss nicht ohne Folgen bleiben. Ob er der Anfang vom Ende einer Partei ist, wird die Zukunft zeigen. Westfalen-Blatt

7 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Freitag, 21. April 2017, 10:47 um 10:47 - Reply

    Ja, Frau Petry war mal gesprächsbereit, aber Sie Herr Mazyek waren respektlos und dominanzbereit. Deshalb musste das Gespräch abgebrochen werden.

  2. Anonymous Donnerstag, 20. April 2017, 15:03 um 15:03 - Reply

    Was Alexander Gauland betrifft, ist das nicht ganz richtig formuliert. Er sieht Björn Höcke zwar gern unter den Seinen, aber er sieht die Seinen auch gerne unter sich.

  3. Anonymous Donnerstag, 20. April 2017, 14:58 um 14:58 - Reply

    Nein, man muss Frauke Petry nicht mögen, aber man darf und ich tue es.

    • Anonymous Donnerstag, 20. April 2017, 15:07 um 15:07 - Reply

      Und man darf ihre politischen Überzeugungen teilen.
      Es sei denn, man ist mit einen muslimischem Mann verheiratet, dann vielleicht nicht, wenn der Gebieter es nicht gerne sieht.

  4. Anonymous Donnerstag, 20. April 2017, 14:51 um 14:51 - Reply

    Mazyek hatte seine Chance zum Dialog. Die hat er sich selbst versaut.

  5. Anonymous Donnerstag, 20. April 2017, 14:44 um 14:44 - Reply

    Jetzt fehlt dann noch der Typ vom Zentralrat der Juden.

  6. Anonymous Donnerstag, 20. April 2017, 14:41 um 14:41 - Reply

    Mazyek, der AfD Beobachter. Er hat wohl Schiss vor den Männern der AfD. Da kann man nicht so leicht von oben runter debattieren, weil das ja welche mit Hosen an sind, die etwas zu sagen und zu bestimmen haben. Ist ja bekannt dass im Islam die Frauen eher später und anders berechtigt sind als gleich. außerdem was beschwert er sich, er spricht doch bestimmt sowieso lieber mit Hosenträgern.
    Er soll lieber mal erklären. warum so viele Muslime dem Alkohol zusprechen, und warum Männer ihre Frauen züchtigen dürfen.
    Aber tatsächlich, ich habe Frauke Petry auch noch nie in Hosen gesehen. Wüsste allerdings nicht, was das mit Politik zu tun hat, was jemand an hat. Es sei denn, man ist sexistisch eingestellt, und benutzt dieses „Hosen anhaben“ als Umschreibung dafür.
    Wie kommt er denn darauf, dass die AfD dabei ist, die NPD komplett aufzusaugen? Woher weiß er denn das? Was hat er denn da beobachtet? Hat das etwas damit zu tun, dass De Maizière Schritte eingeleitet hat, der NPD hintenrum den Geldhahn zu zu drehen, vielleicht auch in der Hoffnung, die NPDler würden zur AfD überlaufen, was dann auch ein Grund wäre, der AfD den Geldhahn ebenfalls zu zu drehen?
    Erst kommt Özoguz mit ihrem Dummgeschwätz,von wegen „man darf nicht immer wieder so tun, als kämen diese Menschen von einem anderen Stern“, und dann drei Tage später meldet sich Mazyek mit Spezialkommentaren.

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