Taktischer Rückzug: Frauke Petrys Verzicht auf eine AfD-Spitzenkandidatur

Vakuum Frauke Petry

Dass sie angezählt ist, wird Frauke Petry nicht verborgen geblieben sein. Sie selbst hat dazu maßgeblich beigetragen. Man hüte sich deshalb davor, sie jetzt zum bürgerlichen Gesicht einer Partei hochzujazzen, die nach der Lucke-Ära nie bürgerlich war und sein wollte. Vielleicht ist Petrys Verzicht der erste Schritt zur Spaltung der Partei. Möglicherweise hält er die AfD mühsam zusammen. Doch egal wie: Wer will, wer kann so einer Partei politische Verantwortung übertragen? Stuttgarter Nachrichten

Veröffentlicht am Donnerstag, 20.04.2017, 14:44 von Gudrun Wittholz

Petry, stets kühl kalkulierende Strategin, hat sich verrechnet, wenn sie hoffte, eine Wende einleiten zu können, – von der Radikalopposition zu einer „bürgerlichen Volkspartei“. Unstrittig ist ihr unbändiger Wille zur Macht. Den nehmen ihr viele übel, erst Recht Männer wie Björn Höcke und Alexander Gauland. Sie warfen ihr vor, die Partei zu spalten und taten sich zusammen, um eine alleinige Spitzenkandidatur Petrys verhindern. Das ist ihnen gelungen. Der Streit in der AfD ist damit aber nicht beigelegt. Noch wird Petry kämpfen, auch auf dem Parteitag in Köln. Es ist möglich, dass sie hoch pokert, in der Hoffnung, doch noch gebeten zu werden. Es ist auch möglich, dass ihr politisches Ende bevorsteht und die Partei dann noch weiter nach rechts abdriftet. Mitteldeutsche Zeitung

Manchmal ist Rückzug die beste Verteidigung. Drei Tage vor dem Bundesparteitag in Köln erklärte AfD-Chefin Frauke Petry überraschend, dass sie nicht als Spitzenkandidatin zur Verfügung steht. Nicht allein und nicht in einem Team. Gleichzeitig beharrt sie auf ihrem Antrag, dass die Partei sich entscheiden soll zwischen Fundamentalopposition mit Rechtsauslage à la Björn Höcke und einem bürgerlichen Auftreten mit einem zumindest äußerlichen Sicherheitsabstand zu rechts-nationalistischen Positionen. Petry kann nun ruhig abwarten, ob die Partei ihr oder dem Höcke/Gauland-Lager folgt und dann Konsequenzen ziehen: Entweder wieder auf Platz eins zurückkehren oder aus der AfD austreten. Auf Platz eins der sächsischen Landesliste steht die Tür zum Bundestag für sie offen. Lausitzer Rundschau

War es das? Scheitert nach Bernd Lucke auch Frauke Petry als AfD-Vorsitzende am Widerstand einer immer weiter nach rechts abdriftenden Partei? Es sieht ganz danach aus, denn das von ihr drei Tage vor dem AfD-Bundesparteitag in Köln geäußerte Bekenntnis, sie wolle gar nicht Spitzenkandidatin werden, weder alleine noch in einem Team, nimmt ihr niemand ab. Diese Erklärung ist das Eingeständnis ihres politischen Scheiterns. Zu eindeutig waren ihre Ambitionen, sich als diejenige feiern zu lassen, die die so junge Partei im Herbst triumphal in den Bundestag führt. Entsprechend wollte Petry die AfD auf Linie bringen; auf ihre, wie sie es sieht, realpolitische Linie. Mittelfristig koalitionsfähig sollte die Partei werden, zu einer bürgerlichen Volkspartei wollte sie die AfD entwickeln, nicht zu einem maximal provozierenden Haufen rechter Nationalisten mit fundamentaloppositioneller Strategie. Dass ihr dies nicht gelingen würde, hat Petry knallhart erlebt. Allen voran der mächtige Parteivize Alexander Gauland stellte sie immer wieder öffentlich bloß. Innerhalb der Partei wuchsen die Anfeindungen gegen sie. Ihre Tränen Ende März auf dem Parteitag der sächsischen AfD waren ein deutlicher Hinweis darauf, dass Petry am Limit ist. Nun hat sie demissioniert. Hans-Ulrich Brandt – Weser-Kurier

Statt Partei, Piraten oder die „Partei Rechtsstaatlicher Offensive“, besser bekannt als „Schill-Partei“: Sie alle hatten eins gemeinsam – sie wollten anders als die anderen Parteien sein. Mit diesem Anspruch ist vor vier Jahren auch die AfD angetreten. Der Name „Alternative für Deutschland“ sagt dies schon. Jetzt geht es der AfD wie den anderen Anti-Parteien vorher: Sie sind normaler, als sie es sein wollten und passen sich dem Politikbetrieb an. Eine Spitzenkandidatur für den Bundestag – noch dazu mit Aussicht auf den Fraktionsvorsitz – ist ein lukratives Ziel. Und dann entsteht nunmal ein unschöner Kampf. Dass sie von dem Gerangel entnervt ist, hat AfD-Chefin Frauke Petry in den vergangenen Wochen mehrmals deutlich gezeigt. Jetzt macht sie Platz. Wer den einnimmt, ist offen. Und das ist nicht das einzige Vakuum in der AfD: Auch inhaltlich hat sich die „Alternative“ noch nicht festgelegt. Anfangs hat die Partei der Kampf gegen die Euro-Rettung und dann gegen die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin geeint und gestärkt. Doch Petry räumt selber ein, dass noch nicht entschieden ist, wofür die AfD in den vielen anderen Politikfeldern steht. Genauso wenig ist klar, ob die Partei koalitionsfähig wird und willens zur Übernahme von Verantwortung ist – oder ob sie nach Rechtsaußen abdriftet. Schill- und Statt Partei sind in Vergessenheit geraten, die Piraten auf dem Weg dahin. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass ihnen – mit Ausnahme einzelner Themenfelder – ein gemeinsames Wertekonstrukt fehlte. Ob die AfD eines findet beziehungsweise auf welches sie sich festlegt, das wird darüber entscheiden, ob sie dem Weg der anderen Antiparteien folgt oder nicht. Mario Thurnes – Allgemeine Zeitung Mainz

3 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Donnerstag, 20. April 2017, 22:53 um 22:53 - Reply

    Frauke Petry ist hochschwanger und somit sicherlich nur eingeschränkt belastbar; volles Verständnis!
    Merkel hat keine Kinder und veruntreut Deutschland entsprechend losgelöst; an Muselmanen?!!!
    Merkel ist geistesgestört oder profund gegen Deutsche!

  2. Winhold K. Donnerstag, 20. April 2017, 17:41 um 17:41 - Reply

    Frau Petry ist gut, da kann mir einer erzählen, was er will.
    Leider ist sie überfordert durch Heirat und fünftes Kind.
    Sie benötigt eine Auszeit. Und dann wieder volle Pulle!
    Damit Deutschland b l a u wird.

  3. Anonymous Donnerstag, 20. April 2017, 15:24 um 15:24 - Reply

    Vielleicht ist das Taktik. Vielleicht möchte man es ihr auch nur andichten und stellt taktische Fähigkeiten mal eben dafür schnell ins Negative; aber Taktik ist eine Kunst, und keine einfache.
    Wenn es Taktik ist, dann würde das bedeuten, dass sie etwas davon versteht. Bei mir kann sie dadurch in der Achtung nur steigen.

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