Merkel bleibt Kanzlerin – Lieber keine neue GroKo

Fast ein Drittel der Deutschen sind Stammwähler

Berliner Statistiker sagen mit Predictive Analytics voraus, welche Koalition uns regiert und wer Kanzler wird : Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl hat sich fast die Hälfte der Deutschen noch nicht auf eine Partei festgelegt. In einer repräsentativen N24-Emnid-Umfrage sagen 47 Prozent der Befragten, sie würden erst kurz vor der Wahl entscheiden, bei welcher Partei sie ihr Kreuz setzen werden. 31 Prozent der Deutschen geben an, sie würden als Stammwähler auch diesmal „ihrer“ Partei ihre Stimme geben. Weitere 8 Prozent bezeichnen sich als Wechselwähler, die sich aber für diese Wahl schon festgelegt hätten. Als „Wunschkoalition“ nennen 19 Prozent der Befragten ein Bündnis der Union mit der FDP. 15 Prozent der Deutschen präferieren eine Neuauflage der Großen Koalition, 14 Prozent bevorzugen Rot-Rot-Grün. Rot-Grün wünschen sich 12 Prozent der Wähler. Eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Bündnis 90/Die Grünen favorisieren nur 7 Prozent der Befragten. Quelle N24 / Emnid.

Veröffentlicht am Montag, 04.09.2017, 8:52 von Gudrun Wittholz

Ob jetzt die vielen Unentschlossenen wissen, wo sie am 24. September ihr Kreuzchen setzen? Wohl kaum. Denn Kanzlerin und Herausforderer trafen sich gestern Abend nicht zum Duell, sondern zu einer eher freundlichen Plauderei. Mal lächelte Merkel zustimmend, wenn Schulz was sagte. Und auch Schulz nickte nicht selten, wenn die Kanzlerin sprach. Als Merkel überraschend die Rente mit 70 rundherum ablehnte, applaudierte er spontan. Das war Große Koalition zum Anfassen.

Dennoch war der Abend keine verlorene Zeit. Es war gut, dass eingangs lange über Flüchtlinge und Integration gesprochen wurde. Bei der heiklen Frage des Familiennachzuges wollte jedoch niemand konkret sein. Beide wissen, dass man mit diesem Thema in diesen Tagen nicht punkten kann. Gerade Merkel weiß nur zu gut, dass ihr hier Seehofer im Nacken sitzt.

Bei der Beurteilung Erdogans musste Schulz kurz schnauben; als Kanzler werde er die Beitrittsverhandlungen sofort abbrechen. Doch er musste schnell einlenken, als die Kanzlerin erwähnte, dass sie darüber eben mit dem Außenminister (SPD) gesprochen habe. Wie wollte Schulz da widersprechen?

Allein bei der Maut gab’s ein wenig Emotion: Als Schulz sie an ihren Wortbruch vom letzten Wahlkampf erinnerte, wich sie kleinlich aus. Im Gegenzug versprach der Sozialdemokrat sogleich, dass es mit ihm als Kanzler keine Maut geben werde… – Wir werden es erleben.

Über dem Abend schwebte das Dilemma der Sozialdemokraten: Die lange Zeit der Kompromisse in der Großen Koalition hat ihre Konturen verwischt. Schulz tat sein Bestes, um eigene Positionen zu verdeutlichen. Etwa beim Schlusswort, wo er gefühlsbetont an „mehr Gerechtigkeit“ appellierte. Merkel ließ ihn sogleich mit Hinweis auf die Linken abblitzen. So blieb’s am Ende beim 0:0.

Schon deswegen sollten die Sozialdemokraten nach der Wahl keinen Gedanken mehr an einer weiteren Großen Koalition verschwenden. Im Klartext: Wenn Schulz nicht Kanzler wird, muss er mit seiner Partei in die Opposition gehen, wo sich die SPD erholen kann, wenn sie es klug anstellt.

Doch so weit ist es natürlich noch nicht. Knapp drei Wochen lang wird nun um jede Stimme gekämpft. Alles ist möglich, wie die letzten Wahlen gezeigt haben. Letztlich wird es vom Abschneiden der anderen Parteien abhängen, welche Koalition unser Land gestalten will. Es geht somit nicht allein um Merkel und Schulz allein, auch wenn nur sie gestern im Fernsehstudio standen. Manfred Lachniet – Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

Bundestagswahl-Prognose: Jamaika, Schwarz-Gelb oder doch wieder GroKo?

Auch nach der Bundestagswahl heißt die Bundeskanzlerin Angela Merkel – und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 100 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch weiterhin von einer Großen Koalition regiert werden, liegt bei rund 72 Prozent. Das sagen die Predictive Analytics-Experten von INWT Statistics (www.inwt-statistics.de) voraus. Das Berliner Unternehmen hat im März ein viel beachtetes statistisches Modell vorgestellt (u.a. Süddeutsche Zeitung, Bild, Welt, Focus und der RBB berichteten), mit dem es die Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 prognostiziert. Das Modell ist angelehnt an den bekannten US-Statistiker Nate Silver und verbindet die aktuellen und historischen Umfrageergebnisse der führenden Meinungsforschungsinstitute, retrospektive Unsicherheitsintervalle sowie Erfahrungswerte, Trends und einen statistischen Fehlerausgleich. Die Statistiker erheben den Anspruch, dank mathematischer Berechnungen mit ihrer Prognose genauer zu sein als die Wahlumfragen der Meinungsforscher. Die Prognosen zur Bundestagswahl werden laufend aktualisiert und stehen online zur Verfügung (http://ots.de/cuUkc).

Statistische Berechnung sagte bereits im März: Der Schulz-Effekt verpufft

Schon im März – noch mitten im Schulz-Hype – prognostizierten die Berliner Datenspezialisten, dass Martin Schulz keine großen Chancen auf die Kanzlerschaft hat, es für Rot-Rot-Grün vermutlich nicht reicht und dass die AfD mit einem Ergebnis unter 10 Prozent in den Bundestag einzieht (s. Meldung vom 30.03.2017). Diese Prognosen scheinen sich nun einen Monat vor der Wahl zu bewahrheiten. Die SPD nähert sich wieder ihrem früheren Niveau an, der Schulz-Effekt ist verpufft und alle Zeichen deuten auf den Status quo hin: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin und Deutschland wird von der sogenannten GroKo aus Union und SPD regiert.

Statistisches Modell gibt nun realistisches Bild für mögliche Regierungskoalitionen

Kurz vor der Wahl haben die Statistiker ihr Prognosemodell erweitert. Damit können sie nun auch Wahrscheinlichkeiten dafür angeben, welche Koalition Deutschland nach der Bundestagswahl regieren wird – und unter welchem Kanzler. Während das von Dr. Marcus Groß, Senior Data Analyst bei INWT Statistics, entwickelte Modell bereits zeigen konnte, ob eine bestimmte Koalition rechnerisch eine Mehrheit im Bundestag hätte, fließen jetzt auch die Präferenzen der Parteien hinsichtlich ihrer bevorzugten Koalitionspartner ein. Die Daten-Profis kombinieren dazu die prognostizierten Wahl-Ergebnisse mit einer Expertenumfrage unter Politikberatern des renommierten Verbands de’ge’pol zu den Chancen für die einzelnen Koalitionsmöglichkeiten. Damit erweitern die Statistikexperten ihre Wahlprognose um ein realistisches Bild einer möglichen Regierungsbildung. Die Ergebnisse sind online einsehbar (http://ots.de/Rkt9x).

Zeit für ein Gedankenspiel: Was passiert, wenn die SPD die GroKo verweigert

Eine weitere Variante des neuen Koalitions-Features wurde durch die aktuelle politische Diskussion ausgelöst. Die Berliner Statistiker berechnen die Wahrscheinlichkeit für mögliche Regierungsbildungen in Hinblick auf die Frage: „Was wäre, wenn die SPD eine Koalition mit der CDU/CSU verweigern sollte?“ Die Berliner Predictive Analytics-Experten sind es aus ihrer täglichen Arbeit gewohnt, zahlreiche Szenarien mit zum Teil sehr unterschiedlichen Ausgängen zu modellieren und Wahrscheinlichkeiten dafür präzise zu berechnen. „Als Sigmar Gabriel erklärte, es sei gut, die Große Koalition zu beenden, haben wir beschlossen, unser Prognosemodell zu erweitern“, sagt Dr. Sebastian Warnholz, Senior Data Analyst von INWT Statistics. „Wenn Parteigrößen wie Gabriel eine erneute Koalition mit der CDU/CSU ausschließen, dann könnte das für die SPD eine ernst zu nehmende Option sein. Diesem Szenario wollten wir auf den Grund gehen“, erläutert Warnholz.

Drohen Neuwahlen wenn die SPD die GroKo verweigert? Deutschland in ca. 4 Prozent der Fälle ohne Mehrheitsregierung

Falls die SPD sich einer Großen Koalition verweigern sollte, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie sich in der Opposition wiederfindet. Voraussichtlich regiert dann eine Jamaika-Koalition: Mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent kommt eine Koalition von CDU/CSU, FDP und Grünen zustande, gefolgt von Schwarz-Grün mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 21 Prozent und Schwarz-Gelb mit rund 15 Prozent. Die SPD selbst hätte außerhalb der Großen Koalition nur eine sehr geringe Chance auf eine Regierungsbeteiligung: Für Rot-Rot-Grün oder eine Ampel-Koalition stehen die Chancen bei unter 1 Prozent. In rund 4 Prozent der Fälle käme gar keine Mehrheitsregierung zustande – dann wäre nur eine Minderheitsregierung möglich oder es gäbe Neuwahlen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Angela Merkel im Rahmen einer Mehrheitsregierung Bundeskanzlerin bleibt, leicht auf rund 96 Prozent.

Welche Partei wird drittstärkste Fraktion im Bundestag?

Obwohl die Prognosen der Bundestagswahl-Ergebnisse von INWT Statistics in der Vergangenheit besser abgeschnitten haben als die Umfragen der Meinungsforschungsinstitute, kann auch INWT Statistics nicht genau vorhersagen, welche Partei die drittstärkste Fraktion im Bundestag stellen wird. Die AfD, FDP, Grüne und Linke liegen laut des statistischen Prognosemodells alle bei 7 bis 9 Prozent der Stimmen. „Unter Berücksichtigung der von uns modellierten Unsicherheitsintervalle gibt es praktisch keinen Unterschied zwischen den Stimmanteilen der kleineren Parteien. Welche Partei drittstärkste Fraktion wird, ist daher noch völlig offen“, sagt Verena Pflieger, Data Analyst bei INWT Statistics.

Statistische Vorhersagen: Das Geschäft mit der Unsicherheit

Die Methode, mit der INWT Statistics die Bundestagswahl-Ergebnisse 2017 prognostiziert, basiert auf vier Schritten. Zuerst werden die historischen Umfragewerte der Wahlforscher mit den tatsächlichen Wahl-Ergebnissen der vergangenen Bundestagswahlen verglichen und somit für jedes Umfrageinstitut eine Vorhersagegenauigkeit bestimmt. Im zweiten Schritt fassen die Statistikexperten die aktuellen Umfrageergebnisse zur Bundestagswahl 2017 zu einem Gesamt-Trend zusammen. Die Ergebnisse der einzelnen Umfrageinstitute gehen dabei gewichtet entsprechend der Vorhersagegenauigkeit des jeweiligen Instituts ein. Außerdem wird die potentielle Parteienvorliebe eines Instituts berücksichtigt. Auf Basis der historischen Wahlergebnisse der früheren Bundestagswahlen ermittelt INWT Statistics ein Unsicherheitsintervall für das Ergebnis der jeweiligen Partei. Schlussendlich werden 100.000 Wahlausgänge simuliert, um die Wahrscheinlichkeiten für mögliche Zusammensetzungen des Bundestags zu bestimmen. Die konkreten Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Koalitionen ergeben sich auf Basis der so simulierten Wahlausgänge und der durch die Politik-Experten verifizierten Koalitionspräferenzen. Verena Pflieger – INWT Statistics GmbH

4 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Jobst Montag, 4. September 2017, 23:46 um 23:46 - Reply

    Nun, die Wahl zwischen zwei tauben und verlogenen Nüssen! – Schlimmste Finger! Geht garnicht! – Blau ist unsere Farbe!

  2. Jobst Montag, 4. September 2017, 23:37 um 23:37 - Reply

    Joa, das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera….
    Ich wähle hoffnungsfrohes „Blau“; was wählst Du?!

  3. Weidel-Fan Montag, 4. September 2017, 20:43 um 20:43 - Reply

    War nix. Blau ist besser.

  4. Anonymous Montag, 4. September 2017, 9:50 um 9:50 - Reply

    Statistische vorhersagen, ich lach mich schlapp!!!!
    Und das Duell im Fernsehen. Und die zufällig ausgewählten Testzuschauer, die dann befragt wurden. Zufällig ausgesucht! Von wegen, es wurde inseriert, ich habe die Anzeige in den Kleinanzeigen entdeckt. Die waren so zufällig in der Befragung vie Herr von Guttenberg anschließend zufällig bei Anne Will gesessen hat und seinen Senf dazu gegeben hat.

Ihre Meinung ist wichtig!