Klarer Wahlsieg für CDU im Saarland – Schulz-Blase platzt beim ersten Praxistest

Erste Veilchen des Wahljahres

Ernüchterung statt Schulzzug- zum Ausgang der Landtagswahlen im Saarland: Die Schulzomanie reicht nicht bis ins Saarland, jedenfalls nicht, was das Wahlergebnis vom Sonntag angeht. Die klare Botschaft lautet: Die Wähler wollen die Fortsetzung der Großen Koalition.

Veröffentlicht am Montag, 27.03.2017, 9:13 von Magnus Hoffestett

Die Warnungen der an der Saar beliebten Ministerpräsidentin verfingen: Wer Annette Kramp-Karrenbauer weiter auf dem Regierungssessel sehen wollte, musste ihrer Partei die Stimme geben. Die damit gleichzeitig verbundene Warnung vor einer rot-roten Konstellation mag in dem wertkonservativen Land ebenfalls eine Rolle gespielt haben.

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Nun werden die einen schnell von der Spezifik der Landtagswahl im Allgemeinen und der saarländischen im Besonderen reden, um voreiligen Schlüssen auf die Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sowie auf die bevorstehende Bundestagswahl vorzubeugen. Und die anderen werden die Gelegenheit ergreifen, um den Siegeszug der SPD insgesamt in Frage zu stellen. Daran, ob Letzteres sich bestätigt, wird sich zumindest zeigen, wie groß die bundespolitische Bedeutung der Saar-Wahl tatsächlich ist.

Eine Zeitenwende für das Regieren im Westen geht von diesem Wochenende nicht aus. Die Große Koalition wird ihre Arbeit fortsetzen. Auch die SPD-Spitzenkandidatin wird damit leben können. Und selbst wenn die LINKE angesichts der nun verronnenen Regierungs- und Koalitionschance ihren erneut achtbaren Erfolg als Niederlage empfindet – wer weiß, welche Wählerenttäuschung der LINKEN erspart bleibt. Das Saarland ist ein armes Land, und zu verteilen gibt es nichts. neues deutschland

Der große Polit-Star Martin Schulz läuft seit gestern mit einem dicken blauen Auge herum. Im übertragenen Sinne natürlich. Zwar sagt er, das sei nur eine Landtagswahl gewesen, nicht die Bundestagswahl, doch hat er sich dafür viel zu sehr engagiert im Saarland, dem Geburtsland seines Vaters. Und er hat auch viel zu große Erwartungen geweckt, bis hin zu einem rot-roten Regierungswechsel, den er übrigens ausdrücklich befürwortet hatte. Dabei ist die Tatsache, dass der nun nicht kommt, aus SPD-Sicht das einzig Gute an diesem Ergebnis. Dies erspart der Bundes-SPD nämlich eine Debatte darüber, ob mit den Linken, wenn schon nicht im Saarland dann wenigstens in Berlin, Staat zu machen wäre. Was nur schwer zu bejahen ist. Die von der CSU schon vorbereitete neue Rote-Socken-Kampagne kann in den Schubladen bleiben. Ansonsten aber ist das Wahlergebnis für die Sozialdemokraten ein schwerer Rückschlag, auch für Schulz persönlich. Es ist wie eine Reifenpanne beim Start des Rennens. Die Luft ist erstmal raus.

Das mit Geld und Wirtschaftskraft nicht gerade üppig ausgestattete Saarland entgeht dem Schicksal als Experimentierfeld linker Träume. Das dürfte mit wahlentscheidend gewesen sein und der Union den letzten Schub gegeben haben. Die bewährte CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer kann mit einer Großen Koalition weiterregieren. Es ist auch ihr ganz persönlicher Wahlsieg. Angela Merkel kann vorerst aufatmen. Aber nur vorerst. Bei den ungleich wichtigeren Vor-Bundestagswahl-Tests im Mai in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen herrschen ganz andere Bedingungen. Die Kanzlerin und CDU-Chefin ist mit diesem Erfolg im Mini-Land noch lange nicht durch. Intern schwelt die Kritik an ihr weiter und kann schnell zum Brand werden. Ein dickes Veilchen haben auch die Grünen von den Wählern mitbekommen, im Land ihrer Parteichefin Simone Peter. Zwar sind sie dort schon länger schwach, doch ist das Ergebnis für sie in der jetzigen Lage bundesweit ein sehr unwillkommenes Signal. Es zeigt: Die Partei ist ganz offenbar nicht so aufgestellt, dass sie Wähler des linken Lagers im Fall einer echten Schlacht um die Mehrheit auf sich ziehen und die eigenen halten könnte. Im Bund dürfte das durchaus ähnlich aussehen. Für FDP und AfD ist das Ergebnis neutral. Die FDP war ohnehin nicht im Parlament, und die Rechtspopulisten sind im Saarland ein besonders zerstrittener, sehr dubioser Haufen. Dass sie trotzdem in den Landtag kommen, zeigt freilich, dass ihren Wählern wirklich komplett egal ist, wen sie da wählen. Das ließ ein wenig Frösteln an diesem warmen Frühlingssonntag. Lausitzer Rundschau

Saarland wählt: Wichtiger Stimmungstest

18 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Donnerstag, 30. März 2017, 13:19 um 13:19 - Reply

    Wie hoch ist denn der Prozentsatz der Briefwahlbeteiligung gewesen? Habe von alten Leuten gehört, die Besuch bekommen, von einem netten engagierten Politiker, der sehr behilflich ist.

  2. Anonymous Mittwoch, 29. März 2017, 15:11 um 15:11 - Reply

    Die Presse der AfD Saar ist der Meinung, dass die CDU ihren Wahlsieg der AfD Saar zu verdanken hat.
    Warum?

    • Anonymous Mittwoch, 29. März 2017, 15:13 um 15:13 - Reply

      Na, vielleicht haben sie die Schriftführer und Zähler durcheinander gebracht.

    • Anonymous Mittwoch, 29. März 2017, 15:16 um 15:16 - Reply

      Weil die AfD Wähler sonst SPD, Linke und Grüne gewählt hätten?

      • Anonymous Donnerstag, 30. März 2017, 13:21 um 13:21 - Reply

        Dann wären die AfD-Wähler vorher eher linksgrün eingestellt gewesen, anstatt rechts?

  3. Anonymous Dienstag, 28. März 2017, 13:04 um 13:04 - Reply

    Also Praxistest.
    Schulz mit saarländischen Wurzeln tritt plötzlich auf den Plan, gerade zum passenden Zeitpunkt vor den Landtagswahlen, wird hochgefeiert zum Messias, erzählt von seinen guten menschlichen Kontakten zur Nachbarschaft (à la, kucht doch mal, ich bin einer von euch) und dann probiert man mal, wie das bei der Bevölkerung ankommt. – im kleinen Saarland mit ausgeprägter Nachbarschaftsstruktur –

    • Anonymous Dienstag, 28. März 2017, 13:08 um 13:08 - Reply

      Dann hadda aach noch son flachen Hinnakopp, wie enn Baby, dass zu vill off emm Buggel leien geloss ginn iss.
      Kindchenschema giffd dadd genannd. Soll die Laid vazükken.

  4. Anonymous Dienstag, 28. März 2017, 2:30 um 2:30 - Reply

    Ja, rotrot und rotrotgrün wurde verhindert. Aber ist denn schwarzrot gut. Wenn ja, müsste im Saarland ja alles bestens sein, denn es ist ja nichts neues.

  5. Anonymous Dienstag, 28. März 2017, 2:25 um 2:25 - Reply

    Will Frau Kramp-Karrenbauer über alle regieren oder für alle?

  6. Anonymous Dienstag, 28. März 2017, 2:22 um 2:22 - Reply

    Im Saarland ist schon einiges an Geld und Wirtschaftskraft.
    Kommt eben immer darauf an wie es verteilt wird.
    Wenn der Boss vom Jobcenter eine Prämie bekommt weil ein ALG II Empfänger in eine Maßnahme geschoben wird, ist einiges Geld verloren gegangen, das in eine sinnvolle Qualifizierung des Hilfebedürftigen hätte investiert werden können.

  7. Anonymous Dienstag, 28. März 2017, 2:16 um 2:16 - Reply

    Wieso kann den Merkel jetzt aufatmen?

  8. Anonymous Dienstag, 28. März 2017, 2:14 um 2:14 - Reply

    Man kann die Bevölkerung ja ruhig benutzen für den Praxistest.

  9. Anonymous Dienstag, 28. März 2017, 2:12 um 2:12 - Reply

    Jaja, und weiter geht es im Text. Alles wie gehabt.

  10. Anonymous Dienstag, 28. März 2017, 2:09 um 2:09 - Reply

    Ja, das brauchen wir jetzt noch, Annegret, die in die Fußstapfen der Merkel tappt.
    Kannst jetzt versuchen noch was gut zu machen oder dein Amt benutzen um zu üben eine Merkel 2 zu werden.

  11. Anonymous Dienstag, 28. März 2017, 1:49 um 1:49 - Reply

    Die Wähler wissen doch gar nichts von dem komplizierten Kuddelmuddel , das nach der Wahl abhalten wird um die Regierung zu bilden. Das glaubt man doch auch gar nicht, sonst währe die Werbung, die WahlKAMPF genannt wird nicht so wie sie ist. Ihr hängt Plakate auf. Kleine, mittlere, große, riesige, mit kurzen Sprüchen und euren Gesichtern drauf. Und in Interviews, da geht es um Redezeit. Und hinterher weiß man meistens nicht mehr als vorher. Ihr interessiert euch nicht dafür, wie es den Leuten geht. Nur vor der Wahl, damit ihr euer Kreuzchen bekommt, das euch finanzielle Mittel beschert. Ansonsten orientiert ihr euch an der Wirtschaft.

  12. Anonymous Montag, 27. März 2017, 20:55 um 20:55 - Reply

    Ihr mit euren Interpretationen.
    Es ist nicht so, dass die Wähler alles wollen, was da aufgrund des Wahlergebnisses, des bereinigten Wahlergebnisses, alles stattfinden wird. Erstens liegt das in der Zukunft und zweitens ist schon bekannt dass Politiker sich nicht an Versprechen halten, drittens wird es der Bevölkerung nicht transparent gemacht und nur sehr lückenhaft dargestellt, was die Politiker wirklich vorhaben.
    Die Wähler können nur einen Vertrauensvorschuss geben, was dann anschließend gemauschelt wird, hat nichts damit zu tun.

  13. Anonymous Montag, 27. März 2017, 18:48 um 18:48 - Reply

    Nein, die Wähler wollen nicht die Fortsetzung der großen Koalition. das ist eine Interpretation. Nur weil aus, dem Wähler nicht genau bekannten Gründen, bei diesem Wahlergebnis jetzt eine große Koalition gebildet werden MUSS, damit dies und das landtagsintern stattfinden kann,
    heißt das nicht, dass die Wähler das so wollen.
    Außerdem wollen ca. 30 % der Wähler gar keinen und keine, von denen die gewählt wurden.
    Es gab keine Ankreuzmöglichkeit für große Koalition.
    Die Wähler hatten nur die Möglichkeit bei eine Partei ihr Kreuz zu machen. Wer die große Koalition gewollt hätte und das durch Ankreuzen kund getan hätte, dessen Wahlzettel wäre als ungültig aussortiert worden.

    • Anonymous Donnerstag, 30. März 2017, 13:23 um 13:23 - Reply

      Welche Parteien bekommen den Bonus der ungültigen Stimmen?

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