Hochgejubelter Schulz: Hype kommt vor dem Fall

Streit in der SPD

Längst hat sich auch bei den Sozialdemokraten die Erkenntnis breit gemacht, dass es ein kardinaler Fehler war, den Kandidaten derart hochzujubeln. Hype kommt eben vor dem Fall. Steinbrücks Diagnose ist da richtig. Parteichef Martin Schulz jedenfalls kann einem fast leidtun. Die Quadratur des Kreises wird auch ihm nicht gelingen. Die SPD – deren historisches Bewusstsein die Partei fast allein zusammenhält – für die Zukunft einer sich rasch wandelnden Gesellschaft zu öffnen, ist schwer und vor allem ein langfristiges Unterfangen, zumindest nichts, was in Monaten gelingen wird. Straubinger Tagblatt

Veröffentlicht am Montag, 29.05.2017, 8:47 von Gudrun Wittholz

Die politischen Verdienste der SPD für dieses Land sind unbestritten, ihre Politiker haben über Jahrzehnte Historisches geleistet. Doch leider scheinen 150 Jahre Parteigeschichte nicht gereicht zu haben, um endlich zu begreifen, wie Wahlkampf geht. Die jüngste Volte des Ex-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ist ein erneuter, schlagender Beweis für dieses SPD-Defizit. Steinbrücks Interview-Angriffe in „Bild am Sonntag“ und der FAS haben nur ein Ziel: sein eigenes Ego und den Erfolg seiner Bühnentournee mit dem Satiriker Florian Schroeder zu stärken. Der ehemalige Finanzminister kennt seine Partei nur zu gut: Ein kleiner, gemeiner Haken auf Martin Schulz und schon keulen Stegner & Co. zurück. Am Freitag kannte noch keiner das neue Kabarett-Duo Steinbrück/Schroeder, jetzt werden die Säle garantiert gefüllt sein. Das Ende vom Lied: Die SPD präsentiert sich der amüsierten Öffentlichkeit wieder einmal als heillos zerstrittener Haufen. Ein Bärendienst für Martin Schulz und seine Kampagne. Ein kurzer Blick auf die Taktik des politischen Gegners könnte der SPD helfen. Auch wenn’s schwer fällt: Einfach mal die Klappe halten! Südwest Presse

Merkel/Union: Aus Mangel an Alternativen

Wer aus Mangel an Beweisen freigesprochen wird, ist noch lange nicht unschuldig. Es ist nur so, dass ihm seine Schuld nicht nachgewiesen werden kann. Es ist also ein Freispruch mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor. Aber was bedeutet es, wenn jemand Kanzler, oder genauer, Kanzlerin wird, weil es keine Alternative gibt? Nichts wirklich Gutes jedenfalls. Sicher: Bis zum September kann noch vieles passieren. Die Frage aber muss erlaubt sein, was genau passieren muss, damit Angela Merkel um einen erneuten Wahlsieg fürchten müsste. Die SPD hatte mit der Kür von Martin Schulz ganz offensichtlich einen Coup gelandet, der den Menschen, vor allem offenbar den lange wenig begeisterten SPD-Sympathisanten, einen Grund gab, ihr Kreuz doch in Zukunft wieder bei den Genossen zu machen – oder sogar in die Partei einzutreten. Drei Landtagswahlen später ist es aber so, dass nicht einmal im sozialdemokratischen Kernland Nordrhein-Westfalen die einst beliebte Landeschefin Hannelore Kraft im Amt bleiben konnte. Die CDU ist die Partei der Stunde für die meisten Wähler.

Und das liegt einzig an ihrer Vorsitzenden. Angela Merkel ist die Handraute der Stabilität, der Hosenanzug der Zuverlässigkeit: Man will ihr einfach vertrauen. Und dieses Vertrauen ist ja auch nicht unberechtigt. Deutschland geht es gut, wirtschaftlich ohnehin, die Stürme der vergangenen Jahre haben dem Land keinen nachhaltigen Schaden zugefügt. Merkels Regierungen geben den Deutschen, was sie offenbar am liebsten wollen: ihre Ruhe. Diese Ruhe ist aber eine trügerische. Die Welt ist nicht ruhiger und schon gar nicht sicherer geworden. Wir haben in diesem Land nur das Glück, von den meisten Verwerfungen weitgehend verschont worden zu sein. Die Flüchtlingssituation ist wieder vor die Tore der EU, zumindest aber weit weg von Deutschland verdrängt worden. Die Euro-Krise ist erst einmal wieder ein griechisches Problem in der Wahrnehmung der meisten. Einzig die Angst vor Terror nagt an uns. Die soziale Gerechtigkeit, die die SPD auf die politische Agenda gehoben hat, steht dahinter zurück. Wahlkampf? Fehlanzeige.

Polarisierte politische Debatten gibt es nicht, schlicht weil die Union weiß, dass ein Nicht-Wahlkampf am ehesten die eigenen Leute an die Urnen treibt. Asymmetrische Destabilisierung heißt die Taktik, und sie hat Merkel schon zwei Mal die Kanzlerschaft gerettet, während sie die politische Landschaft in eine Ödnis verwandelt hat, an deren Rändern die AfD Fuß fassen konnte, wenn auch nicht in dem Maße, wie von den Rechtspopulisten erhofft. Die SPD müht sich an der großen CDU-Vorsitzenden ab, verschleißt dabei einen durchaus geeigneten Kanzlerkandidaten nach dem anderen und stürzt von einer Sinnkrise in die nächste. Willkommen im Schlafwagen auf der Reise ins Merkel-Land. Nächster Halt: 2017 bis 2021. Der wahre Verlierer der Merkel-Jahre aber ist die CDU selbst. Sie hat sich auf Gedeih (und noch nicht auf Verderb) Angela Merkel unterworfen. Widerstand zwecklos.

Merkel hat die Union – ja, auch die CSU – geprägt, ihr ein Gesicht gegeben. Aber wer kommt danach? Und was, wenn Merkel eines Tages nicht mehr zieht? Und muss die SPD selbst mit einem anfänglichen Sympathieträger wie Martin Schulz erst auf ein Scheitern Merkels warten, um eine Chance zu bekommen? Aus Mangel an Alternativen: Das klingt wie eine Verurteilung. Das ist es aber nicht wirklich. Es gäbe Schlimmeres als eine weitere Legislatur unter der Kanzlerin. Das Schlimme ist eher, dass es nichts Besseres zu geben scheint. Christian Kucznierz – Mittelbayerische Zeitung

5 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Montag, 19. Juni 2017, 8:19 um 8:19 - Reply

    Schulz wird es definitiv n i c h t.

  2. Optimist Freitag, 16. Juni 2017, 16:18 um 16:18 - Reply

    Wir brauchen nicht Schulz, wir brauchen Frau Dr. Weidel.

  3. Pusteblume Sonntag, 4. Juni 2017, 9:13 um 9:13 - Reply

    Chulz ehrt, dass er mit dem Alkohol aufgehört hat. Mit
    seiner Geldgeilheit kann er allerdings keine Ehre einlegen
    und mit seiner roten Haltung schon gar nicht. Unter einem
    Bundeskanzler stelle ich mir einen Mann wie Prof. Meuthen
    vor.

  4. Anonymous Mittwoch, 31. Mai 2017, 11:10 um 11:10 - Reply

    Tja, wenn so ein Rohrkrepierer wie Schulz als Heiland angepriesen wird darf man sich nicht über die nachlassende Euphorie beschweren.
    Nur weil ein Hundehäufchen als edle Praline offeriert wird, wird daraus noch lange kein Champagner-Trüffel, das merkt man spätestens beim abbeissen.

  5. Anonymous Montag, 29. Mai 2017, 14:09 um 14:09 - Reply

    Schulz steht für nichts ausser sich selbst; Merkels oberstes Ziel ist die Umvolkung Deutschlands!
    Es ist zum kotzen!

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