Entzaubert: AfD-Parteichefin Frauke Petry und ihrer Partei

Lucke lacht sich schlapp

Götterdämmerung bei der AfD: Noch im September sonnten sich die Rechtspopulisten im Umfragehoch von 16 Prozent. Ein halbes Jahr später ist der Traum, sich als neue Volkspartei zu etablieren, zerplatzt. Heillos zerstritten und in den Umfragewerten halbiert geht die Alternative für Deutschland in ihren Parteitag. Die Gründe für den Absturz sind hausgemacht.

Veröffentlicht am Freitag, 21.04.2017, 11:11 von Gudrun Wittholz

Der schmutzige Machtkampf an der AfD-Spitze und die unendliche Diskussion über extreme Rechte in der Partei beschädigen das Image schwer. Frauke Petry hat es nicht geschafft, den Thüringer Rechtsausleger Björn Höcke aus der Partei zu werfen. Statt einen Schlussstrich zu ziehen, erweckt die Partei den Eindruck, dass sie mit Höckes Positionen kokettiert. So aber verschreckt man Protestwähler, die mit dem äußersten rechten Rand nichts zu tun haben wollen.

Passend zum Thema

Beschleunigt wird der Schrumpfkurs, weil der AfD ihr wichtigstes Wahlkampfthema abhandengekommen ist: die Flüchtlingskrise. Nachdem der Zustrom abgeebbt ist, beherrscht die Zuwanderung nicht mehr die öffentliche Diskussion. Seitdem gelingen der AfD auch keine publikumswirksamen Coups mehr mit üblen Parolen – wie Schüssen auf Flüchtlinge. Petry stand vor ihrem Verzicht auf die Spitzenkandidatur mit leeren Händen da. Sie hätte den Delegierten in Köln erklären müssen, warum der Partei im Superwahljahr die Luft auf der Zielgeraden ausgeht. Gleichzeitig hätte sie verhindern müssen, dass ihr der ganze Laden um die Ohren fliegt. Mit ihrem Rückzug kam Petry nun einer drohenden Revolte des Flügels um Höcke und Alexander Gauland zuvor. Die Taktik der Kanzlerin, die AfD ins Leere laufen zu lassen, scheint aufzugehen. Angela Merkel hat kühl abgewartet, bis sich die Rechtspopulisten selbst zerlegen. Statt Polemik präsentierte die CDU-Chefin Lösungen und beschleunigte so die Entzauberung der AfD als Ein-Themen-Partei.

Sogar der Luftraum über dem Kölner Versammlungsort der Alternative für Deutschland wird gesperrt. Massive Gegendemonstrationen wurden für das Wochenende angekündigt, denen ein Großaufgebot von Sicherheitskräften gegenüberstehen wird. Doch das sind nur die äußeren – hoffentlich friedlichen – Begleitumstände eines Parteitages, der es in sich haben dürfte. Die einst als Protestpartei gegen die Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung vom Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke gegründete Partei hat sich längst radikalisiert. Sie ist zur Speerspitze einer Anti-Bewegung geworden, die sich gegen das politische Establishment, gegen die Bundesregierung, gegen die im Bundestag vertretenen Parteien, gegen die herrschende Politik, gegen „die“ Medien richtet. Dabei ist die Alternativ-Partei in sich zutiefst zerstritten, personell, inhaltlich und strategisch. Die AfD steht in Köln am Scheideweg: Entweder nationalkonservativ-völkische Fundamentalopposition oder bürgerlich-radikale Realpolitik.

Die Ankündigung der Parteivorsitzenden Frauke Petry, das bekannteste Gesicht der AfD in der Öffentlichkeit und in den Talkshows, nicht als Spitzenkandidatin für den Bundestag antreten zu wollen, hat den ungelösten Konflikt nur noch befeuert. Die Frau aus Sachsen steht für die mildere, bürgerliche, realpolitische Variante der Alternativ-Partei. Sie möchte, wenn es irgendwo geht, die strategische Möglichkeit des Mitregierens offen halten. Deshalb verlangt sie den klaren Bruch mit Antisemitismus und Rassismus. Doch möglicherweise trifft Petry damit nicht mehr die Stimmung der Mehrheit ihrer sehr heterogenen Partei. Es könnte ihr so gehen, wie dem Zauberlehrling in Johann Wolfgang Goethes Ballade. Die rechtsextremen, nationalistischen Geister, die sie rief, wird sie nicht mehr los. Ausgerechnet die ehrgeizige Frauke Petry, die vor knapp zwei Jahren Parteigründer Lucke auf dem Parteitag in Essen eine bittere Niederlage bereitete und ihn vom Vorsitz verdrängte, könnte nun dessen Schicksal erleiden. Ausgerechnet die AfD, die sich als ernsthafter Gegenentwurf zu den etablierten Parteien präsentierte, wird von heftigen Grabenkämpfen, Intrigen und Diffamierungen geschüttelt.

Das Lager der Nationalkonservativen, die auf totale Konfrontation setzen, scheint die Oberhand zu haben. Deren intellektuelles Aushängeschild Alexander Gauland – früheres CDU-Mitglied, Ex-Staatssekretär in Hessen und Zeitungs-Herausgeber in Brandenburg – will vor allem deshalb in den Bundestag, um sich an seiner einstigen Partei, der CDU und der Kanzlerin zu rächen. Über den höchst umstrittenen Rechtsausleger Björn Höcke – früherer Geschichtslehrer und heute Thüringer Landtagsmitglied mit dem Hang, den Holocaust zu relativieren – hält Gauland schützend seine väterliche Hand. Höcke macht die AfD für einstige Anhänger der rechtsextremen NPD attraktiv. Es könnte sein, dass die Alternativen deren Klientel aufsaugen. Allerdings wird die Protestpartei mit diesem Schwenk für unzufriedene bürgerliche Wähler immer weniger zu einer Alternative.

Der Marsch nach ganz Rechts stößt viele ab. Die immer offener zu Tage tretende Zerrissenheit der AfD tut ein übriges, um sie zu entzaubern. Allerdings ist die Hoffnung, die AfD werde sich schon von selbst „erledigen“, zu kurz gedacht. Die demokratischen Parteien müssen die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger endlich ernst nehmen. Oder, um es mit Martin Luther zu sagen, sie müssen dem Volk aufs Maul schauen – ohne ihm nach dem Mund zu reden.Mittelbayerische Zeitung

2 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Montag, 24. April 2017, 16:06 um 16:06 - Reply

    Typisch AFD – wenn alles schiefläuft sind es immer die anderen, Lügenpresse, Wahlfälschungen und und und. Da fällt keiner mehr drauf rein !! Die AFD hat mehr denn je am Wochenende gezeigt das diese ex CDU (Gauland und Co), SPD, FDPler und der ganze Rotz von der DVU und der NPD ein Auffangbecken für gescheiterte und machthunrige Politiker sind die sich genauso wie alle anderen Parteien um Machtpositionen streiten und nur das eine im SInn haben. Alternative für Deutschland..?? Das ich nicht lache. Die einzige Alternative ist wahrscheinlich nur die NICHT wählen zu gehen aber die AFD ist nur eine weitere Partei die ein Stückchen vom großen Kuchen abhaben wollen und darüberhinaus nicht in der Lage ist einen Parteitag abzuhalten geschweige ein Land zu regieren (das ist ja lächerlich). Ich wünsche mir sogar das die AFD in den Bundestag als Oposition einzieht, es wird ein Genuss sein zu sehen das die AFD im politischen Alltag zerlegt wird weil sie absolut keine Ahnung haben und auch nicht die Fähigkeiten besitzen Oposition überhaupt zu machen…ach ja 51% der Griff nach ganz oben..das hat wirklich rein garnichts mit der Realität zutun – solchen Personen vertraue ich doch nicht unser Deutschland an das ist ja lächerlich.

  2. Anonymous Freitag, 21. April 2017, 16:07 um 16:07 - Reply

    Das ist ja nur Mist, was ihr da schreibt.
    der AfD sei ihr wichtigstes Wahlkampfthema abhanden gekommen,… die Zuwanderung beherrsche nicht mehr die öffentliche Diskussion, ….die CDU-Chefin hätte Lösungen präsentiert und so die Entzauberung der AfD als Ein-Themen-Partei beschleunigt, ….. ??Was für Lösungen? Bezahlte Demonstranten? Wahlfälschung an der Saar? Der NPD den Geldhahn zudrehen, damit die zur AfD überlaufen um sie als zu RECHTS für „anständige“ bürgerliche Wähler unattraktiv zu machen?
    —–Eigentlich ist der Artikel keinen Kommentar wert——

Ihre Meinung ist wichtig!