Aigner: Fast 90 Prozent der Flüchtlinge fehlt Qualifikation für deutschen Arbeitsmarkt

Nahles muss Bedingungen für Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose verbessern

Es wird in vielen Fällen Jahre dauern, bis die sprachlichen Voraussetzungen und weitere Bedingungen für den Eintritt in den anspruchsvollen deutschen Arbeitsmarkt erfüllt sind.

Veröffentlicht am Montag, 11.01.2016, 12:33 von Tabea Schrader

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat eine düstere Prognose der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen gestellt. „Inzwischen wissen wir, dass fast 90 Prozent der Flüchtlinge keine ausreichende Qualifikation mitbringen, um direkt in den deutschen Arbeitsmarkt integriert zu werden“, sagte Aigner der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Samstagausgabe). Die Integration gelinge aber nur über Arbeit und nicht von heute auf morgen.“

Es wird in vielen Fällen Jahre dauern, bis die sprachlichen Voraussetzungen und weitere Bedingungen für den Eintritt in den anspruchsvollen deutschen Arbeitsmarkt erfüllt sind“, sagte die CSU-Politikerin voraus. Hier sei auch die Wirtschaft gefordert, die die Koalition in Berlin deshalb nicht mit mehr Bürokratie und weniger Flexibilität belasten dürfe. Deshalb sei es an der Zeit, die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag zu überprüfen. „Die Verabredung zu den Werk- und Zeitverträgen stammen aus einer Zeit, in der die neuen Herausforderungen nicht absehbar waren“, erklärte Aigner Rheinische Post

Arbeitsmarkt: Nahles muss Bedingungen für Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose verbessern

Zu den aktuellen Arbeitsmarktzahlen und zum Jahresrückblick 2015 erklärt Brigitte Pothmer, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik: Konjunktur und Flüchtlingszuzug haben die Nachfrage nach Arbeitskräften befördert. Doch die ungelösten strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt sorgen im Jahresrückblick für eine ernüchternde Bilanz: Die Voraussetzungen für eine gelungene Arbeitsmarktintegration sind gegenwärtig weder für Flüchtlinge noch für Langzeitarbeitslose gegeben. Durch Schönrechnerei versucht Arbeitsministerin Nahles zu kaschieren, dass sie für 2016 nicht genug Geld für die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt hat.

Die Flüchtlinge sind eine große Chance für unser Land. Die Bundesregierung ist jedoch gerade dabei diese Chance zu verspielen. Wenn die Integration gelingen soll, dann ist es höchste Zeit, die Bedingungen für Flüchtlinge am Arbeitsmarkt zu verbessern. Auf die Liste der guten Vorsätze für Arbeitsministerin Nahles gehört es deshalb jetzt, die Vorrangprüfung abzuschaffen, endlich eine sichere Bleibeperspektive während der Berufsausbildung und anschließender Beschäftigung zu ermöglichen, und in die Qualifizierung der Flüchtlinge zu investieren, anstatt sie in Ein-Euro-Jobs zu parken.

Um sozialen Sprengstoff zu vermeiden, dürfen Anstrengungen für Flüchtlinge nicht zulasten einheimischer Arbeitsloser und insbesondere von Langzeitarbeitslosen gehen. Denn die Statistik beweist: Vor allem Langzeitarbeitslose profitieren kaum von der guten Lage am Arbeitsmarkt. Noch immer gibt es über eine Million Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind. Auch für sie muss Nahles endlich neue Konzepte entwickeln und darf nicht länger alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen. Bündnis 90/Die Grünen

IG-BCE-Chef Vassiliadis: Flüchtlingshilfe nicht zu Lasten der Arbeitnehmer

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), fordert in der Flüchtlingsproblematik eine klare Haltung der Politik. „Die Menschen wollen Antworten auf konkrete Frage, etwa beim Wohnungsbau, statt zu erleben, dass alle möglichen Vorkommnisse parteipolitisch missbraucht werden“, sagte Vassiliadis dem „Tagesspiegel“ (Montagsausgabe).

Die Bürgerinnen und Bürger hätten das Bedürfnis „nach mehr Leadership und einem besseren Management in Politik und Verwaltung“. Und die Gewerkschaften verlangten „politische Klarheit, dass die Unterstützung von Flüchtlingen nicht wieder zu Lasten unserer Mitglieder geht. Deshalb war es wichtig, dass die absurde Idee vom Tisch ist, den Mindestlohn aufzuweichen“, sagte Vassiliadis dem „Tagesspiegel“.

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