Steigende Konzentration der Asylbewerber in einigen EU-Ländern

Starke Abhängigkeit von Transfers

Die Flüchtlinge, die derzeit verstärkt in die Europäische Union kommen, sind sehr ungleich auf die einzelnen Mitgliedsstaaten verteilt. Die Mehrzahl der Staaten nimmt weniger Asylbewerber auf, als nach Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft angemessen wäre.

Veröffentlicht am Freitag, 25.09.2015, 10:08 von Tabea Schrader

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, befürwortet den Entschluss der Bundesregierung, die Erstaufnahme und Verteilung von Flüchtlingen stärker zu unterstützen. „Ich wünsche mir, dass Bund und Länder jetzt versuchen umzusetzen, was da auf uns zukommt“ sagte er am Mittwoch im Interview mit dem Fernsehsender phoenix. Gleichzeitig kritisierte Mazyek die Haltung der Europäischen Union: „Da treten Einige aus unserer Solidargemeinschaft aus und das tut Europa nicht gut. Das ist etwas, was uns zurückwirft in Zeiten, die wir eigentlich nicht mehr haben wollen.“

Mazyek fordert mehr europäische Solidarität mit Flüchtlingen

Im Hinblick auf die ankommenden Flüchtlingsströme betonte er, wie wichtig die Integration der Schutzsuchenden sei. Es gehe nicht um Religionszugehörigkeit, sondern in erster Linie darum, humanitäre Hilfe zu leisten und das Potential zu erkennen, das in der Zuwanderung liege. „Wir müssen den Flüchtlingen klarmachen: Ihr seid für uns wertvoll, als Bürger, als Teil dieser Gesellschaft.“ Das bedeute vor allem, in größerem Umfang zu denken, beispielsweise die Bemühungen im Bereich des Spracherwerbs auszuweiten. Bei hunderttausenden Flüchtlingen müsse man gegebenenfalls mit Hotspots und softwareunterstütztem Sprachunterricht arbeiten, „in Zelten, wo drei-, vierhundert Leute gleichzeitig unterrichtet werden, dass sie erstmal einen Grundkurs haben und sich verständigen können.“ Die muslimischen Gemeinden, die den Flüchtlingen sowohl kulturell als auch sprachlich relativ nahe stünden, sollten dabei als „Brückenschläger“ fungieren, so Mazyek weiter.

In Bezug auf die aufgetretenen Unruhen betonte er, dass die Menschen nicht her kämen, um ihre Konflikte weiter auszutragen. „Sie sind ja gerade vor diesen geflüchtet.“ Diejenigen, die ihre Auseinandersetzungen dennoch weiter forcierten, würden damit ihr Recht als Schutzsuchende verlieren. „In dem Moment wo sie sich gegen die Gesellschaft, gegen die Gemeinden usw. stellen, haben sie dieses Recht natürlich verwirkt. Das müssen wir auch ganz deutlich machen.“ phoenix-Kommunikation

DIW-Studie untersucht die Verteilung der Flüchtlinge nach Einwohnerzahl und Wirtschaftsleistung – Integration in den Arbeitsmarkt eine große Herausforderung

Die Flüchtlinge, die derzeit verstärkt in die Europäische Union kommen, sind sehr ungleich auf die einzelnen Mitgliedsstaaten verteilt. Die Mehrzahl der Staaten nimmt weniger Asylbewerber auf, als nach Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft angemessen wäre. In der ersten Jahreshälfte hat Deutschland – gemessen an seiner Einwohnerzahl – fast dreimal so viele und – gemessen an seiner Wirtschaftskraft – fast doppelt so viele Asylsuchende aufgenommen, wie es bei einer gleichmäßigen Verteilung auf alle EU-Staaten der Fall gewesen wäre. Die Integration der anerkannten Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt gestaltet sich allerdings schwierig. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). „Es ist dringend erforderlich, dass sich die EU-Staaten auf eine gleichmäßigere und somit gerechtere Verteilung der Flüchtlinge einigen“, sagt DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Aufgrund der restriktiven Asylpolitik einiger Staaten dürfte die regionale Konzentration der Flüchtlinge weiter zunehmen.

Ungleiche Verteilung der Asylsuchenden nach Einwohnerzahl …

Brenke hat die Entwicklung der Asylsuche in der EU anhand von Daten des statistischen Amtes der EU (Eurostat), des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Bundesagentur für Arbeit untersucht. Betrachtet man die jüngste, etwa 2010 einsetzende Wanderungswelle und insbesondere das erste Halbjahr 2015, dann haben bezogen auf die Einwohnerzahl vor allem Deutschland, Österreich, Schweden und Ungarn – wenn man einmal von der akuten Situation dort absieht – sehr viel mehr Asylbewerber als bei einer Gleichverteilung aufgenommen. Dagegen nahmen fast alle osteuropäischen und die meisten südeuropäischen Staaten (Italien, Spanien, Portugal) relativ wenig Asylsuchende auf. Das gilt auch für einige große Länder wie Frankreich oder das Vereinigte Königreich. In Dänemark und den Niederlanden sind die Asylbewerberzahlen infolge einer restriktiven Asylpolitik im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen.

… und nach Wirtschaftskraft

Misst man die Verteilung der Asylsuchenden an der Wirtschaftsleistung – dem Bruttoinlandsprodukt – der einzelnen Länder, ergibt sich ein ähnliches Bild. Auch in dieser Hinsicht nehmen die großen Staaten Frankreich, Italien und Spanien und fast alle osteuropäischen Länder relativ wenige Flüchtlinge auf. Auf Deutschland, Schweden, Österreich und Zypern entfielen dagegen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres doppelt so viele Asylbewerber, wie es bei einer gleichmäßigen Verteilung nach Wirtschaftskraft hätte sein müssen. Noch höhere Werte weisen Malta und Ungarn aus. Feststellen lässt sich zudem, dass Netzwerkeffekte wirksam sind: Asylsuchende einer bestimmten Nationalität wandern bevorzugt dorthin, wo Landsleute vor ihnen schon hingegangen sind.

Starke Abhängigkeit von Transfers

Die anerkannten Flüchtlinge haben erhebliche Probleme bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Bei den Personen aus den wichtigsten Flüchtlingsstaaten hat zwar die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zugenommen, die Zahl der Arbeitslosen – ausgehend von einem niedrigen Niveau – aber noch mehr. So gibt es unter den in Deutschland lebenden anerkannten Flüchtlingen aus Syrien inzwischen mehr Arbeitslose als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Nur wenig besser ist diese Relation bei den Flüchtlingen aus dem Irak, Afghanistan, Somalia und Eritrea. Eine stark wachsende Zahl von Flüchtlingen bezieht Hartz IV. „Man kann aber davon ausgehen, dass umso weniger anerkannte Asylbewerber arbeitslos sein werden, je besser sie sich an die Verhältnisse in Deutschland angepasst haben, insbesondere die deutsche Sprache gut erlernt haben“, sagt Brenke. Deshalb sei es wichtig, sie beim schnellen Erlernen der deutschen Sprache besser zu unterstützen, denn unzureichende Sprachkenntnisse seien eine große Hürde bei der erfolgreichen Jobsuche. DIW Sylvie Ahrens-Urbanek Renate Bogdanovic Sebastian Kollmann Pressereferentin Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) Monika Wimmer diw.de

1 Meinung bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Samstag, 11. März 2017, 21:31 um 21:31 - Reply

    Wen meint der Pascha denn mit wir?
    Wir, das sind doch alle, oder?
    Wieso mein er denn, dass er für alle sprechen kann?
    Ja er hat Wünsche. Er sollte mal abspecken und ein paar unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen.

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