Ohne Kenntnis der Doppelmoral – kein Verständnis der Kulturen

Silvester in Köln aus einer anderen Perspektive

Kehrt die Angst zurück? Es ist jetzt fast ein Jahr her, dass uns die Ereignisse an Silvester in Köln aufgeschreckt habe. Die Exzesse auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz zum Jahreswechsel in 2016 sorgten aber nicht nur in Deutschland für Aufregung, sondern wurden weltweit beachtet.

Veröffentlicht am Freitag, 30.12.2016, 16:11 von Tabea Schrader

Für die starke internationale Beachtung war es von großer Bedeutung, dass die Übergriffe an Silvester für die Opfer ganz offensichtlich überraschend kamen. Denn eigentlich waren alle in Feierlaune, weil es sich um das Neujahrsfest handelt. Bei Feiern in der Öffentlichkeit gehen auch einander fremde Menschen vielfach offen aufeinander zu und man kann lockerer, ausgelassener, „verrückter“ sein, als es die Regeln des normalen Alltags zulassen. Anders formuliert: Beim Feiern geht es weniger formal zu. Feiern ist tendenziell anarchisch. Hemmungen, Grenzen im Umgang miteinander werden „aufgeweicht“. Das hat Risiken, weil es auch zu hässlichen Entgleisungen und wenig kultivierten Verhaltensweisen führen kann. Aber gerade durch den weniger formellen und offeneren Umgang miteinander wird Gemeinschaft einfacher hergestellt und erlebbar: Freundschaften und Beziehungen werden oft geradezu gestiftet und besiegelt durch eine gemeinsam durchzechte Nacht. Feiern bedeutet somit auch, sich ein Stück weit gehen und fallen zu lassen, im Vertrauen darauf, dass man sich in der Gemeinschaft aufgehoben und sicher fühlen kann. Die Stadt Köln hat in ihrer Karnevals- und Feiertradition ein besonderes Können entwickelt, um solchefriedlichen gemeinschaftlichen Erfahrungen herzustellen.

Passend zum Thema

Auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln setzte sich Silvester jedoch ein ganz anderes, fremdes Verständnis von Feiern durch – eines bei dem Frauen hemmungslos sexuell attackiert werden. Vor allem aus Nordafrika war in der Vergangenheit von derartigen Verhaltensweisen berichtet worden – insbesondere von Ereignissen auf dem Tahirplatz in Kairo, bei denen Frauen vergewaltigt und verprügelt wurden. In Köln waren die Täter zudem auf Handys und Geldbörsen aus.

Natürlich sind sexuelle Übergriffe und Diebstahl weder durch die ägyptische Gesetzgebung noch durch die Religion des Islam gedeckt – ganz im Gegenteil. In Kulturenetablieren sich jedoch immer auch Räume für eine Doppelmoral. So sind z.B. die Sauf- und Sexeskapaden deutscher Touristengruppen auf Mallorca weder durch moralische noch durch kirchlich-christliche Auffassungen gedeckt. Sie werden aber dennoch hierzulande geduldet, auch wenn sie nicht offiziell gut geheißen werden. Den Berichten zufolge, wurden auch in Ägypten die Attacken auf Frauen am Tahirplatz offiziell nicht gutgeheißen – aber wirklich hart und konsequent verfolgt wurden die Übergriffe auch nicht. Dies wären klare Hinweise auf eine Doppelmoral.

In den Hemmungslosigkeiten beim Feiern zeigen sich so betrachtet „exzessive“ Formen des Verhaltens; es sind Verhaltensweisen, die in einer Kultur angelegt und die durch ihre Moralvorstellungen im normalen Alltag gezügelt werden – die aber im Rahmen einer Doppelmoral beim Feiern Aktionsspielräume erhalten. Gerade in den Hemmungslosigkeiten des Feierns würden demnach die erschreckend großen kulturellen Unterschiede zwischen den jungen Männern aus Nordafrika und den anderen Feiernden deutlich werden. In der Geschichte des Maghreb, in der marokkanischen Geschichte gibt es eine lange Tradition, in der Städte als berechtigte Beute kriegerischer Stämme betrachtet werden. Junge Männer werden heute von dort zu uns geschickt, um hier in kurzer Zeit möglichst viel Beute für die Familie zuhause zu machen. Es gefällt einem nicht so zu denken, und es muss auch nicht so bleiben; aber es hilft vielleicht zu verstehen und danach zu handeln, wenn wir uns in Deutschland auch in einmal in einer solchen Perspektive betrachten.

Es sind diese erst einmal unüberbrückbaren kulturellen Gegensätze, die in Köln spürbar wurden und die die befragten US-Amerikaner und Australier an nicht überwundene kulturelle Spannungen in ihren eigenen Ländern erinnerten. Sie berichten davon wie in ihren eigenen Ländern unterschiedliche Kulturen praktisch nebeneinander leben, ohne dass die bestehenden Differenzen überbrückt werden. Und weil diese Differenzen und Konflikte im Alltag dadurch ungelöst erscheinen, führt dies aus ihrer Sicht zu gefühlter Angst und Unsicherheit im eigenen Land. Sie berichten davon, dass diese Angst auch dann latent vorhanden ist, wenn im gelebten Alltag ansonsten praktisch keine konkreten Bedrohungen vorliegen.

Nebeneinander ohne Austausch macht Angst – wir brauchen Auseinandersetzung

Nimmt man diese Erfahrungen der befragten Amerikaner und Australier ernst, besteht gerade im Nebeneinander von Kulturen ohne Austausch eine Gefahr. Zurzeit werden die Unterschiede in Deutschland jedoch entweder eher „ignoriert“ oder aber „dramatisiert und ausgegrenzt“; über die notwendige Auseinandersetzung und den notwendigen Austausch der Kulturen wird nicht debattiert – auch wenn die Flüchtlingskrise in aller Munde ist. So werden in der Willkommenskultur die Unterschiede und Spannungen eher ignoriert und weichgezeichnet – soweit, dass die Polizei in Köln die Herkunft der Täter sogar kaschieren wollte. Die Gegner der Willkommenskultur wiederum wollen die Zuwanderer und Flüchtlinge am liebsten „draußen“ halten. Die, die „drin“ sind, sollen sich dann in mustergültige Deutsche umwandeln. In der Aussage „Deutschland wird Deutschland bleiben“ können sich positive und ablehnende Stimmen zur Flüchtlingskrise paradoxerweise wieder treffen.

Zieht man jedoch die Aussagen der Menschen aus Shanghai, Sidney und New York heran, wird es ganz anders kommen: Deutschland wird sich verändern! Denn selbst wenn sich die diskutierte Obergrenze von 200.000 Migranten pro Jahr durchsetzen sollte,erscheint die Zahl am Ende zu groß, um ein Nebeneinander der Kulturen zu verhindern. Wenn wir fremde Menschen in so großer Zahl aufnehmen, werden wir sie durch unsere Kultur in ihren Lebensformen massiv beeinflussen. Sie werden aber auch unser Zusammenleben durch ihre Ideen, Gedanken und Sitten mitgestalten und damit verändern – auch dann wenn sie unsere Lebensformen respektieren wollen.

Es wäre psychologisch naiv zu glauben, dass so viele Menschen aus anderen Kulturen zu uns kommen und sich in kürzester Zeit in Deutsche verwandeln wollen und können. Sie sind auch nicht alle gleich. Es wird Zeit, dass wir uns mit den „Neuen“, ihren verschiedenen Kulturen und ihrer Doppelmoral auseinandersetzen, uns mit ihnen streiten und von ihnen lernen – dann kann es für alle ein Gewinn werden. Es wird aber auch Verluste geben – das heißt, Formen des Zusammenlebens, die verloren gehen. Ein Nebeneinander ohne Kenntnis und Austausch birgt dagegen viele Gefahren. Das bedeutet auch für uns Deutsche die Bereitschaft zur Veränderung. Das heißt, wir müssen in Deutschland wirklich mehr als nur ein freundliches Gesicht machen, wenn wir so viele Menschen in Deutschland aufnehmen. Es bedeutet auch Kampf und Auseinandersetzung aber auch positive Einflüsse und Veränderung. Dies sind die Lehren, die uns vor allem die Australier und Amerikaner in der Studie weitergegeben haben. rheingold-salon.de

7 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Sonntag, 1. Januar 2017, 10:11 um 10:11 - Reply

    Im Zürcher Hauptbahnhof ist die Stimmung zum Jahreswechsel nicht durchwegs feierlich gewesen. Laut der Zürcher Kantonspolizei herrschte eine aggressive Stimmung, und es kam zu Schlägereien und Handgreiflichkeiten. Elf Männer wurden festgenommen.

    Viele Menschen, meist junge Männer aus afrikanischen Staaten oder dem Nahen Osten, hätten die Silvesternacht im Hauptbahnhof verbracht, schrieb die Polizei am Sonntag. Die Stimmung sei aggressiv gewesen, und Polizisten hätten wegen Schlägereien und Handgreiflichkeiten immer wieder einschreiten müssen.

    • Anonymous Sonntag, 1. Januar 2017, 19:06 um 19:06 - Reply

      In Insbruck auch und überall in Deutschland, Österreich, der Schweiz etc.

  2. Anonymous Sonntag, 1. Januar 2017, 10:04 um 10:04 - Reply

    Von wegen friedliches Silvester; nur durch die hohe Polizeipräsenz ist es diesmal nicht eskaliert!
    Raus mit dem Pack!

  3. Anonymous Samstag, 31. Dezember 2016, 12:48 um 12:48 - Reply

    Mit der oberen Hälfte des Textes kann ich ja ETWAS anfangen; bei der unteren Hälfte erscheint allerdings immer nur ein winterlicher Kuhfladen vor meinem inneren Auge.
    Muuuh

  4. Anonymous Freitag, 30. Dezember 2016, 19:10 um 19:10 - Reply

    Der Artikel von Focus „Feuerattacke auf Obdachlosen “ da wird einem Schlecht. Da werden Täter zu Opfern gemacht.

    • Anonymous Freitag, 30. Dezember 2016, 20:34 um 20:34 - Reply

      Ja, hier wird Scheiße als Rosinen verkauft!
      Das ist extremer Linkspopulismus!

  5. Anonymous Freitag, 30. Dezember 2016, 18:53 um 18:53 - Reply

    Die Bewaffnung allerseits in diesem Jahr sollte von diesen asozialen Asylanten nicht unterschätzt werden, sonst gibt es Tote!!

Ihre Meinung ist wichtig!