Neue Wohnungsnot, außer für Flüchtlinge: Wohnraumbörse für anerkannte Asylbewerber gefördert

Wohnungsmieten steigen weiter

Es droht eine neue Wohnungsnot in den Städten – und das zeichnet sich seit Jahren ab. Dass die Zahl der Baugenehmigungen in NRW im ersten Halbjahr um ganze 17 Prozent sank, kommt nicht überraschend. Kaum ein Markt in Deutschland ist so stark reguliert wie der Wohnungsmarkt. Und kaum einem Markt ist dies so schlecht bekommen.

Veröffentlicht am Montag, 21.08.2017, 9:42 von Uta Schmid

Die Geschichte der Wohnungspolitik ist eine von Kürzungen und Streichungen, die meist zu Lasten von Investoren gingen: Eigenheimzulage, degressive Abschreibungen, dafür jede Menge Bestimmungen, die das Bauen unattraktiv machten. Trotz historisch niedriger Zinsen. Hinzu kamen falsche Prognosen.

Junge Familien wollen nicht im Grünen leben. Sondern da, wo es Arbeit und mehr Betreuungsangebote für die Kinder gibt: in den Städten. Nach Jahrzehnten verfehlter Politik aller Parteien wird es nicht leicht für die neue Landesregierung, eine Trendwende herbeizuführen. Schritte in die richtige Richtung sind der Abbau bürokratischer Hemmnisse und die Abschaffung der Mietpreisbremse. Reichen wird das noch nicht. Rheinische Post

 „Eigener Wohnraum ist wichtiger Schlüssel zur Integration – Freistaat fördert Online-Wohnraumbörsen der Kommunen“

‚Eine eigene Wohnung‘ ist ein wichtiger Schritt anerkannter Asylbewerber in die Selbständigkeit. Doch die Suche gestaltet sich oft mühsam. Der Freistaat Bayern greift nun eine erfolgreiche Idee des Landkreises Passau auf und fördert die Erstellung von Online-Wohnraumbörsen für Anerkannte. Bayerns Integrationsministerin Emilia Müller ist vom Nutzen dieser lokalen Vermittlungsplattformen überzeugt: „Trotz des teils angespannten Wohnungsmarkts in Bayern gibt es in den Kommunen häufig noch großes Wohnpotential. Viele Menschen wollen helfen und leerstehenden Wohnraum an Bleibeberechtigte vermieten. Mit unseren neuen Online-Wohnraumbörsen für Anerkannte unterstützen wir nun die Vermiet- und Mietwilligen dabei, besser zusammenzufinden. Denn eigenständiges Wohnen ist neben Sprache und Arbeit einer der wichtigsten Schlüssel zur Integration.“

Was im Landkreis Passau bereits gut klappt, soll nun bayernweit Schule machen. Mit der Online-Wohnraumbörse können Landkreise und kreisfreie Städte auf ihren Webseiten die Möglichkeit bieten, Mietangebote abzugeben. Diese werden dann über die örtlichen Helferstrukturen an wohnungssuchende Anerkannte weitergegeben. Im Landkreis Passau konnte so der Anteil anerkannter Asylbewerber in den Asylunterkünften spürbar reduziert werden. „Mein Ziel ist es, dass alle Anerkannten in Bayern selbstbestimmt in privaten Wohnungen leben. Dies gelingt uns gemeinsam mit den Kommunen bereits in rund zwei Dritteln der Fälle. Wir werden hier auch weiterhin mit den Kommunen an einem Strang ziehen. Deshalb bringen wir das Passauer Modell der Wohnungsbörse für Anerkannte als erfolgreiches Best-Practice-Beispiel mit einer Anschubfinanzierung in die Fläche“, erklärte die Ministerin.

Die staatliche Förderung für die Einrichtung einer solchen Online-Wohnraumbörse kann bis zu 10.000 Euro betragen. Nun sind alle interessierten Landkreise und kreisfreien Städte aufgerufen, sich bis zum 14. September beim Bayerischen Integrationsministerium zu melden. „Integration kann nur vor Ort gelingen und eigenständiges Wohnen hat daran einen großen Anteil. Doch Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb lassen wir unsere Kommunen hier nicht alleine“, so Müller abschließend. Bayerische Staatsregierung

Genehmigte Wohnungen im 1. Halbjahr 2017: – 7,3 % gegenüber Vorjahreszeitraum

Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Deutschland 7,3 % oder rund 13 400 weniger Baugenehmigungen von Wohnungen erteilt als in den ersten sechs Monaten 2016. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, wurde von Januar bis Juni 2017 der Bau von insgesamt 169 500 Wohnungen genehmigt.

Die Zahl der Baugenehmigungen von Neubauwohnungen in Wohngebäuden insgesamt hat im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,9 % beziehungsweise 7 500 Wohnungen abgenommen. Gegen den allgemeinen Trend lagen die Genehmigungen von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern leicht im Plus (+ 1,8 % beziehungsweise + 1 400 Wohnungen). Damit erreichte die Anzahl genehmigter Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit 82 100 Wohnungen den höchsten Wert in einem ersten Halbjahr seit zwanzig Jahren (1997: 117 400 Wohnungen). Die Baugenehmigungen von Wohnungen in Einfamilienhäusern (- 9,5 % beziehungsweise – 4 800 Wohnungen) und in Zweifamilienhäusern (- 2,2 % beziehungsweise – 200 Wohnungen) gingen dagegen zurück. Die Genehmigungen von Wohnungen in Wohnheimen sind ebenfalls gesunken (- 31,8 % beziehungsweise – 3 900 Wohnungen). Zu dieser Kategorie zählen unter anderem Flüchtlingsunterkünfte. Auch die Zahl der Wohnungen, die durch im ersten Halbjahr genehmigte Um- und Ausbaumaßnahmen an bestehenden Gebäuden entstehen sollen, ging zurück (- 22,2 % beziehungsweise – 5 700 Wohnungen).

Der umbaute Raum der genehmigten neuen Nichtwohngebäude verringerte sich von Januar bis Juni 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,5 Millionen Kubikmeter auf 101,6 Millionen Kubikmeter (- 2,4 %). Diese Entwicklung ist sowohl auf einen Rückgang der Genehmigungen bei den öffentlichen Bauherren (- 15,3 %) als auch bei den nichtöffentlichen Bauherren (- 1,0 %) zurückzuführen. Kerstin Kortmann – Statistisches Bundesamt

Wohnungsmieten steigen weiter

Die Neuvertragsmieten für Wohnungen sind deutschlandweit im 1. Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,4 Prozent gestiegen – auf 7,90 Euro pro Quadratmeter (nettokalt). Den größten Preisanstieg verzeichneten Großstädte über 500.000 Einwohner. Dort legten die Mieten aus Neu- und Wiedervermietung um 5,6 Prozent auf 10,39 Euro pro Quadratmeter zu. Das geht aus einer Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hervor.

Die Großstädte mit weniger als 500.000 Einwohnern verzeichneten ein Plus von 4 Prozent auf durchschnittlich 7,55 Euro pro Quadratmeter. Die städtischen Kreise – häufig Umlandkreise der Großstädte – entwickelten sich mit Mietensteigerungen von 3,7 Prozent auf 7,41 Euro pro Quadratmeter vergleichbar. In den ländlichen Kreisen legten die Mieten um 3,4 Prozent auf 6,03 Euro pro Quadratmeter zu.

Spitzenreiter bei den Neuvertragsmieten bleibt München. In der bayerischen Landeshauptstadt wurden Wohnungen im ersten Halbjahr 2017 durchschnittlich für 16,40 Euro pro Quadratmeter angeboten. Es folgen Frankfurt am Main (12,95 Euro), Stuttgart (12,44 Euro), Freiburg (11,82 Euro), Ingolstadt (11,21 Euro) und Hamburg (11,02 Euro). Wohnungssuchende abseits der Ballungsräume müssen dagegen weitaus weniger tief in die Tasche greifen. So wurden in den Landkreisen Lüchow-Dannenberg und Wunsiedel Wohnungen im Schnitt für unter 4,40 Euro pro Quadratmeter angeboten.

BBSR-Wohnungsmarktexperte Matthias Waltersbacher: „Die Schere bei den Wohnungsmieten geht deutschlandweit immer noch weiter auseinander. In den Ballungsräumen treiben die Nachfrage, der Wettbewerb um knappes Bauland und damit verbundene hohe Grundstückspreise weiter die Preise. Ganz anders dagegen in vielen ländlichen Gebieten: Dort bleiben die Mieten erschwinglich und werden auch weiterhin nur moderat steigen.“

Zur Methode: Die vom BBSR ausgewerteten Angebotsmieten basieren auf Inseraten aus Immobilienplattformen und Internet-Angeboten von Tageszeitungen für Erst- und Wiedervermietungen von Wohnungen. Bei den berechneten Mietwerten handelt es sich um Nettokaltmieten ohne Nebenkosten für nicht-möblierte Wohnungen zwischen 40 und 130 Quadratmeter. Mieten aus bestehenden Mietverträgen werden mit dieser Quelle nicht dargestellt. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

3 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Edgar Duin Donnerstag, 24. August 2017, 8:35 um 8:35 - Reply

    Es ist nicht zu fassen, dass die vernünftigen Menschen
    in unserem Vaterland diese Fehlentwicklungen nicht
    verhindern können. Zu den vernünftigen Menschen rechne
    ich alle Nicht-Grünen und Nicht-Linken.

  2. , Mittwoch, 23. August 2017, 6:53 um 6:53 - Reply

    Anmerkung: das ganze politische System einer Frau Merkel ist hochgradig kriminell!

  3. Anonymous Montag, 21. August 2017, 20:35 um 20:35 - Reply

    Die Asyl-Industrie floriert auf Kosten des deutschen Steuerzahlers!
    Das ist hochgradig kriminell!!

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