Bundestagswahl: CDU und AfD dickste Freunde

Bundestagswahl - Jungbrunnen für die Demokratie

So könnte die Wahl am 24. September eine Trendwende bedeuten: Die Strategie Merkels in der Vergangenheit, den politischen Gegner einzulullen und dessen Sympathisanten von der Wahl abzuhalten („asymmetrische Demobilisierung“), funktioniert nicht mehr. Der Union ist als Folge der Flüchtlingskrise mit der AfD ein Konkurrent im eigenen Lager erwachsen ist, der im bürgerlich-konservativen Lager sehr erfolgreich auf Stimmenfang geht und auch bisherige Nichtwähler mobilisiert, der aber auch der Linken gefährlich wird, weil er vor allem in den neuen Ländern die Protestwähler aller Couleur auf sich vereinigt. Ein Weckruf für alle etablierten Parteien: Weil die Wähler so mobil wie unberechenbar sind wie nie, müssen auch sie ihre Basis mobilisieren. Die Konkurrenz belebt das Geschäft. So steht schon vor der Wahl der eigentliche Gewinner fest – die Demokratie. Straubinger Tagblatt

Veröffentlicht am Dienstag, 29.08.2017, 7:44 von Domenikus Gadermann

Es ist eindeutig nicht das Jahr der Frauke Petry: Die ständigen Demontageversuche ihrer innerparteilichen Gegner, allen voran die des mächtigen Parteivize Alexander Gauland, haben der forschen AfD-Vorsitzenden nach und nach den Schneid abgekauft. Und auf dem Parteitag im April in Köln kam es gar zum Fiasko.

Weder schaffte es Petry, als Spitzenkandidatin ihrer Partei für den Einzug in den Deutschen Bundestag kämpfen zu dürfen, noch konnte sie sich mit ihrer realpolitischen Linie innerhalb der AfD gegen die immer einflussreicher werdende Fundamentalopposition ihrer so inhomogenen Partei durchsetzen. Petry galt danach als schwer angezählt und politisch vor dem Aus stehend. Und nun noch der baldige Entzug ihrer Immunität als Abgeordnete des sächsischen Landtags. Auch hier geht Petry, die eine erneute Intrige wittert, wie immer in die Offensive. „Lächerlich“ nennt sie die Meineid-Vorwürfe, gut sei die jetzige Entscheidung, denn dann könne ihre Unschuld schnell geklärt werden. Doch auch wenn es so käme – das Gesicht der AfD ist Petry längst nicht mehr. Statt blauer Kostüme trägt das neue Gesicht der Partei olivgrüne Tweedanzüge und heißt Alexander Gauland. Hans-Ulrich Brandt – Weser-Kurier

AfD-Politiker will Ton in Partei vorgeben und hält Berührungspunkte mit den Identitären für in Ordnung

Im Machtkampf in der Alternative für Deutschland (AfD) hat Alexander Gauland deutlich gemacht, dass er die Führungsrolle bei sich sieht. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der Spitzenkandidat, „wer sich durchsetzt, sind die beiden Spitzenkandidaten. Die hat die Partei auf einem Parteitag mit Mehrheit bestimmt.“ Zwar sei Frauke Petry als Vorsitzende „die wichtigste Figur“. Aber sie habe die Spitzenkandidatur nicht gewollt, weshalb er sie gemeinsam mit Alice Weidel übernommen habe. „Ich weiß die Gründe nicht, ich habe mit ihr darüber nicht gesprochen“, sagte Gauland über den Verzicht der Vorsitzenden. „Den Rest muss Frau Petry beantworten.“

Gauland äußerte sein Einverständnis, wenn sich Mitglieder der Partei zugleich in der rechtsextremen Identitären Bewegung oder bei Pegida engagieren. „Ich bin kein großer Freund von dieser Abgrenzeritis“, sagte er. „Wer unsere Ziele verfolgt, möge zu uns kommen.“ Die AfD wolle nicht Teil der Identitären Bewegung noch Teil von Pegida sein. „Aber umgekehrt, alle Menschen, die finden, die AfD sei eine gute Partei für sie, die sollen mit uns arbeiten, wobei wir natürlich demokratisch bestimmen müssen, wo der Weg der Partei hingeht“, erklärte der 76-Jährige. „Es kommt doch immer darauf an, ob die Partei mit diesen Gruppen zusammenarbeitet, oder gibt es einzelne, die sich persönlich auf beiden Seiten engagieren“, fügte Gauland hinzu. Offiziell schließt ein Abgrenzungsbeschluss des Bundesvorstands eine Zusammenarbeit der Partei mit solchen Gruppen aus.

Spitzenkandidat Gauland verteidigte auch sein Bestreben, Björn Höcke in der Partei zu halten. „Was er gesagt hat, da kann man über Formulierungen streiten, das will ich jetzt nicht tun, aber es ist in keiner Weise außerhalb der demokratischen Verfassungsordnung. Von daher, warum sollte ich in einer Partei nicht für Meinungsfreiheit eintreten? Und wenn ich das tue, trete ich natürlich auch für die von Björn Höcke ein.“ Das Ausschlussverfahren und der Streit über die Rede über das Holocaust-Mahnmal habe der Partei geschadet.

Trotz parteiinterner Meinungsverschiedenheiten sieht Gauland eine Zukunft für die AfD in Deutschland. „Ich glaube, dass wir dauerhaft im deutschen Parteienspektrum einen Platz haben, weil das Parteien unserer Art in fast allen Ländern Europas gelingt“, erklärte er. Gefährlich werden könne seiner Partei einzig eine Union, die sich wieder nach rechts bewege. „Natürlich, wenn die CDU zu einer vernünftigen Politik zurückkehren würde, würde ich das begrüßen“, sagte der frühere Christdemokrat.

ZITAT

„Nein, überhaupt nicht. (…) Das muss in einer Demokratie möglich sein, und übrigens auch in einer Familie. Meine Tochter und ich sehen uns häufig und mögen uns sehr.“

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ auf die Frage, ob es ihn schmerzt, dass seine Tochter Dorothea insbesondere das, was er zur Flüchtlingspolitik sagt, „schrecklich“ und „völlig falsch“ findet. Neue Osnabrücker Zeitung

4 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Waidmannsheil Samstag, 2. September 2017, 16:35 um 16:35 - Reply

    Lieber Jobst, lassen Sie Herrn Gauland doch die
    Krawatte mit den Jagdhunden. Diese hat bestimmt
    symbolischen Wert: Er will uns damit etwas sagen.
    Ich glaube nicht, dass der Mann machtgierig ist; er
    will echt etwas für unser Vaterland tun. Sonst würde
    er sich in seinem Alter nicht kräfte- und gesundheits-
    zehrenden Diskussionen aussetzen. Es ist kein
    Zuckerlecken, mit Grünen und Knallroten an einem
    Tisch zu sitzen.

  2. Anonymous Dienstag, 29. August 2017, 18:37 um 18:37 - Reply

    Merkel will die Umvolkung, daran gibt es keinen Zweifel!

  3. Anonymous Dienstag, 29. August 2017, 16:48 um 16:48 - Reply

    Wie kommt Gauland auf die Idee, Merkel könnte venünftig werden?

  4. Jobst Dienstag, 29. August 2017, 14:50 um 14:50 - Reply

    Gauland noch immer treuer Diener der CDU! Ich habe diesem Herrn NIE getraut! Ist in der CDU nichts geworden und ist dann zur AfD aufgebrochen. Machtgieriger alter Mann mit lächerlicher „Jagdhund-Krawatte“. So, mit Merkel kann er sich „etwas“ vorstellen“, wenn sie denn „vernünftig“, ist!
    Paktieren mit dieser Frau, mit dieser Partei, die Deutschland in den Abgrund reisst?!
    Herr Gauland, danke für Ihre Offenheit!

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