Winterkorns Luxusrente ist eine Schande für Volkswagen

Utopie für Normalsterbliche

Millionenrente für Ex-VW-Chef Winterkorn als Dank für systematischen Betrug, Rekordverluste und massiven Stellenabbau. Die VW-Manager kassierten bereits 2015 insgesamt 35 Millionen Euro „erfolgsabhängige Vergütung“ und kämpften auch im letzten Jahr unbeirrt für ihre Bonuszahlungen. Doch wofür genau möchten die Manager bei VW eigentlich belohnt werden?

Veröffentlicht am Donnerstag, 05.01.2017, 17:27 von Uta Schmid

Der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn bekommt einem Medienbericht zufolge seit dem 1. Januar 2017 eine Betriebsrente von über 3000 Euro pro Tag bzw. 1,1 Millionen Euro pro Jahr sowie einen Dienstwagen. Dazu erklärt Bernd Riexinger, Vorsitzender der Partei DIE LINKE:

Die Luxusrente für Volkswagen-Chef Martin Winterkorn zeigt die dreiste Selbstbedienungsmentalität in den Chefetagen, denen das Schicksal des Unternehmens, der Beschäftigten und der Kunden gleichgültig ist. Gerade angesichts der wachsenden Altersarmut ist das an Dreistigkeit kaum zu überbieten.

Systematischer Abgas-Betrug, Rekordverluste und massiver Stellenabbau zahlen sich aus, zumindest wenn man Topmanager bei VW ist oder war. Winterkorn hat bereits als Volkswagen-Chef mehr verdient als alle anderen Chefs von Dax-Unternehmen, bei den Bonuszahlungen kräftig abgesahnt und lässt sich seinen „Ruhestand“ mit einer Betriebsrente von über 3000 Euro pro Tag versüßen, nachdem er VW in Schutt und Asche hinterlassen hat.

Die VW-Manager kassierten bereits 2015 insgesamt 35 Millionen Euro „erfolgsabhängige Vergütung“ und kämpften auch im letzten Jahr unbeirrt für ihre Bonuszahlungen. Doch wofür genau möchten die Manager bei VW eigentlich belohnt werden?

Die niedersächsische Landesregierung hat mit ihrem Vetorecht weder die massive Arbeitsplatzvernichtung noch die Bonuszahlungen und Luxusrenten für die Topmanager gestoppt. Sie scheint damit überfordert zu sein, sich für die Interessen der Beschäftigten und die Zukunft des Unternehmens zu engagieren. Stattdessen schaut die rot-grüne Koalition weiterhin untätig zu, wie VW nicht aus der Dauerkrise herauskommt und belohnt die Verantwortlichen auch noch großzügig.

DIE LINKE fordert eine gesetzliche Beschränkung von Managergehältern auf das 20-fache der untersten Lohngruppe des jeweiligen Unternehmens. Partei Die Linke im Bundestag

Zur Diskussion um die VW-Betriebsrente für den ehemaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn erklärt AfD-Vorstandsmitglied Paul Hampel:

„Während tausende Mitarbeiter des VW-Konzerns um ihre berufliche Zukunft bangen müssen, kassiert Ex-Boss Martin Winterkorn 3100 Euro betriebliche Rente – pro Tag. Das ist skandalös.

Ein Argument für die völlig entkoppelten Vergütungen für Konzernvorstände ist das hohe Maß an Verantwortung, dass ein Mensch in einer solchen Position trägt. Verantwortung heißt aber auch, die Verantwortung für Negatives zu übernehmen. Winterkorn hatte die Gesamtverantwortung für den VW-Konzern inne. Da spielt es eigentlich keine Rolle, ob er von Manipulationen gewusst hat oder nicht. Doch anstatt durch den Aufsichtsrat in irgendeiner Form zur Verantwortung gezogen zu werden, kann er nun ein Leben als fürstlich honorierter Privatier genießen.

Erschwerend kommt im Fall VW hinzu, dass hier das Land Niedersachsen als Großaktionär beteiligt ist und damit letztlich die Bürger des Landes anteilig für Winterkorns Millionenrente aufkommen.

Der ganze Vorgang ist zutiefst unanständig, unmoralisch und auch wirklich ungerecht. Aufsichtsräte und Vorstände, die sich gegenseitig den Rücken freihalten und sich die Millionen zuschieben, sorgen dafür, dass das Vertrauen in eine funktionierende Marktwirtschaft schwindet. Mit Verantwortung für Unternehmen, Mitarbeiter und auch die Gesellschaft, im Sinne des ehrbaren Kaufmanns, hat das alles nichts mehr zu tun. Dieses asoziale Geschäftsgebaren ist eine Schande für VW.“ Alternative für Deutschland

Normalsterbliche müssen zwei Leben lang arbeiten um so viel Geld im Monat zu bekommen wie Martin Winterkorn an einem Tag.

Lebensleistungsrente ist kein Mittel gegen Altersarmut

Das politische Ziel: Wer sein Leben lang gearbeitet hat, soll als Rentner mehr als nur die Grundsicherung in der Tasche haben. Das will die große Koalition mit der sogenannten Lebensleistungsrente erreichen. Dass diese aber nicht zur Bekämpfung der Altersarmut taugt und sogar die Akzeptanz der gesetzlichen Rente untergraben würde, zeigt eine Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsinsituts (HWWI).

Die Ergebnisse der HWWI-Studie lassen sich mit einem Wort zusammenfassen: „niederschmetternd“. Keines der mit der Lebensleistungsrente verfolgten Ziele kann wirkungsvoll und zielgenau erreicht werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des HWWI stellen fest:

  1. Die Lebensleistungsrente verfehlt ihr Ziel, Altersarmut zu vermeiden.
  2. Die Lebensleistungsrente begünstigt die Falschen.
  3. Die Lebensleistungsrente birgt die Gefahr von Fehlanreizen.
  4. Die Lebensleistungsrente untergräbt die Akzeptanz der gesetzlichen Rente.
  5. Die Lebensleistungsrente ist teuer; das Geld für die Lebensleistungsrente kann andernorts effektiver eingesetzt werden.

Gründe für Altersarmut sind ein weit unterdurchschnittliches Einkommen während der Erwerbsphase, eine geringe Zahl an Versicherungsjahren in der gesetzlichen Rentenversicherung, lang andauernde Teilzeitbeschäftigung, lange Zeit an Selbstständigkeit ohne Absicherung in einem berufsständischen Versorgungswerk, fehlende private oder betriebliche Altersvorsorge. In keinem dieser Fälle hilft die Lebensleistungsrente. Ohnehin ist heute Armut im Alter im Vergleich zur Gesamtbevölkerung nicht besonders hoch.

Studienleiterin Dr. Christina Boll: „Das künftige Ausmaß der Altersarmut wird davon abhängen, inwieweit es gelingt, das Renteneintrittssalter an die steigende Lebenserwartung anzupassen und möglichst kontinuierlich gute Einkommen aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung zu erzielen, sowie zusätzlich privat und betrieblich für das Alter vorzusorgen. Die Lebensleistungsrente wäre ein stumpfes Schwert zur Vermeidung von Altersarmut.“

Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM, fordert die Politik daher auf, den Arbeitsmarkt zu stärken und die Rentenkassen zu stabilisieren: „Freibeträge für Leistungen aus privater Altersvorsorge würden viel zielgenauer die Lebensleistung honorieren, als eine sogenannte Lebensleistungsrente. Diese wäre nur ein weiteres teures Wahlgeschenk, das nicht bei denen landet, die auf Hilfe angewiesen sind.“ Florian von Hennet – Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

5 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Montag, 9. Januar 2017, 2:48 um 2:48 - Reply

    Nein, wir werden nur älter, wenn wir bis ins hohe Alter gebraucht, wertgeschätzt und mit sozialer Teilhabe gesegnet sind. Auf diese Weise kann auch ein Brachialraucher wie Helmut Schmidt 96 Jahre alt werden.
    Hätte man ihn mit 58 Jahren oder jünger ausgegrenzt, hätte er soziale oder finanzielle Not gelitten, wäre schon Jahrzehnte früher Schluß gewesen.
    Gehen Sie über die Friedhöfe und schauen Sie die Sterbedaten an. Achten Sie besonders auf die „Arbeiterviertel“. Da ist kein Unterschied zwischen Christen und Muslimen. Industriearbeiter werden selten 70 Jahre alt. Seit Bismarcks Zeiten ist ihre Lebenserwartung nicht signifikant gestiegen.
    Merke: Soziale Not übertrifft Nichtrauchen, Joggen und gesunde Ernährung. Oder: Armut tötet!

  2. Anonymous Montag, 9. Januar 2017, 2:34 um 2:34 - Reply

    Die Geschäftsführung bei VW ist doppelt unmoralisch, weil das Land Niedersachsen Hauptaktionär ist.
    Ändern läßt sich an der Winterkorn-Rekordrente mit Sicherkeit nichts mehr.
    Die Fehler wurden bei der Vertragsgestaltung gemacht. Auch die von der Linken erträumte Enteignung würde nichts ändern. Vertrag ist nun mal Vertrag. Winterkorn könnte die Luxusrente einklagen und würde sie trotzdem bekommen.
    Aber ein Verkauf der Staatsbeteiligung könnte etwas ändern.Gut geführte Privatfirmen gestalten ihre Verträge deutlich geschickter.
    An der Lage des Fußvolks und an der Unmoral wird sich definitiv nichts ändern. Das wußten nicht nur Altbundespräsident Johannes Rau, sondern sogar schon der alte Goethe.
    J.Rau: Wir sind auf dem Weg in eine Gesellschaft, die
    den Preis von allem und den Wert von gar nichts
    kennt.
    J.W.Goethe: Ach, am Gelde hängt, nach dem Gelde drängt doch alles ….

  3. Anonymous Donnerstag, 5. Januar 2017, 19:37 um 19:37 - Reply

    Armer reicher Mann
    hat so viel Geld
    und fängt doch so wenig wertvolles damit an

  4. Anonymous Donnerstag, 5. Januar 2017, 19:28 um 19:28 - Reply

    Von was für einer steigenden Lebenserwartung ist denn hier die Rede?
    Wer sagt denn dass die Lebenserwartung steigt?
    Worauf begründet sich diese Behauptung?
    Die Menschheit macht sich zunehmend kränker und zerstöhrt die eigenen Lebensbedingungen.
    Dieses Abstraktum von der steigenden Lebenserwartung
    entspricht nicht den Gegebenheiten der Realität.

    • Anonymous Donnerstag, 5. Januar 2017, 19:34 um 19:34 - Reply

      Seit jahrzehnten lassen Schlaumeier aus dem Wirtschafts- und Versicherungssektor wie auswendig gelernt den Spruch los: Wir werden alle immer älter, deshalb….

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