Winterkorn bringt seine Villa in Sicherheit

Analyse zum Dieselbetrug

BILANZ: Ex-VW-Chef überträgt Münchner Wohnhaus auf eine GmbH und Co. KG: Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn hat das Eigentum an seiner Villa in München Bogenhausen, in der er mit Gattin Anita wohnt, an eine GmbH & Co KG übertragen. Zuvor waren Haus und Grundstück auf die Privatleute Anita und Martin Winterkorn eingetragen.

Veröffentlicht am Sonntag, 02.04.2017, 18:13 von BZ-Redaktion

Wie das Wirtschaftsmagazin BILANZ in seiner am Freitag der Welt beiliegenden Ausgabe berichtet, kann die Übertragung des Eigentums auf die ebenfalls den Winterkorns gehörende Gesellschaft helfen, zumindest den Anteil von Gattin Anita vor möglichen Schadenersatzansprüchen an Winterkorn zu sichern.

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Gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Volkswagenkonzerns ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und Betrug im Zusammenhang mit dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselmotoren. Wenn Winterkorn nachgewiesen wird, dass er mit Vorsatz gehandelt hat, greift seine Managerhaftpflichtversicherung nicht, er müsste mit seinem Privatvermögen, das BILANZ auf rund 150 Millionen Euro taxiert, für Schadenersatzansprüche des Konzerns haften. Die Villa in Bogenhausen hatten die Winterkorns 2009 für geschätzte 15 Millionen Euro von VW-Großaktionär Wolfgang Porsche erworben. Hier leben die Eheleute, seit Martin Winterkorn im September 2015 wegen des Dieselskandals vom Vorstandsvorsitz bei VW zurücktrat. Volker ter Haseborg – Redaktion BILANZ

Weitere Analyse zum Dieselbetrug: VW-Vorstand ist abgeschnitten von Informationen

Der Vorstand des Volkswagen-Konzerns ist bei der Aufklärung des Diesel-Skandals von Informationen externer Ermittler und Gutachter weitgehend abgeschnitten. Dies gilt nicht nur für die Nachforschungen der US-Kanzlei Jones Day, die ihre Erkenntnisse vor allem mit den US-Behörden geteilt hat, sondern auch für deutsche Sonderermittler. Der Aufsichtsrat hatte im vergangenen Jahr die Kanzlei Gleiss Lutz beauftragt, Haftungsfragen der Führungsriege zu klären. In eine über 100 Seiten starke Analyse der Juristen flossen nach Informationen des Wirtschaftsmagazins ‚Capital‘ auch umfangreiche Erkenntnisse von Jones Day ein. Diese teilt der Aufsichtsrat allerdings nicht mit dem Vorstand.

Dieses Herrschaftswissen ist eine schwere Belastungsprobe für die Zusammenarbeit der Führungsgremien, die mit der Neuaufstellung von Volkswagen ohnehin vor einer Mammutaufgabe stehen. Denn die Zusammenfassung von Gleiss Lutz ist bisher wohl die einzige umfassende Grundlage in dem komplexen Verfahren. Dem Vorstand um Konzernchef Matthias Müller wurde der Zugang zu dem Bericht jedoch verwehrt – unter Verweis auf laufende Verfahren und ein Einspruchsrecht des US-Justizministeriums.

Besonders pikant ist der Vorgang, weil auch im Aufsichtsrat mehrere Vertreter sitzen, deren Rolle in dem ganzen Skandal um manipulierte Dieselmotoren und Schadstoffwerte höchst umstritten ist. Dies gilt insbesondere für Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, Betriebsratschef Bernd Osterloh und auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Der ehemalige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch behauptet, er habe neben Ex-Chef Martin Winterkorn auch einige Kontrolleure wie Weil, Osterloh, den früheren IG-Metall-Chef Berthold Huber und seinen Cousin Wolfgang Porsche etliche Monate vor Bekanntwerden des Skandals über die Manipulationen informiert. VW und die Beschuldigten weisen die Behauptung als unglaubwürdig zurück und stützen sich auf die „eingehende und detaillierte“ Prüfung von Jones Day.

Den möglichen Haftungsfragen geht die renommierte Kanzlei Gleiss Lutz mit einem Großaufgebot an Experten nach: Unter der Leitung des Stuttgarter Juristen Michael Arnold eruieren 16 weitere Kollegen den Fall. Die Berater kommentieren ihr Mandat nicht. VW bestätigt, dass die Kanzlei ihre Einschätzungen dokumentiert hat. Jenny von Zepelin, Redaktion ‚Capital‘

VW fast wieder Tritt

Beim Wolfsburger Autobauer stellte sich angesichts der Vorlagen der Bilanzdaten die Frage: schwarzer Tag oder schwarze Zahlen? Nach dem Skandal-getriebenen Verlust in Höhe von 1,6 Milliarden Euro 2015 hat der immer noch größte Autobauer der Welt wieder Tritt gefasst. Das hätte sich auch in den Manager-Gehältern widerspiegeln können, doch dieser Versuchung erlag VW nicht. Noch bevor die neu beschlossene Obergrenze für die Managergehälter in Kraft tritt, fallen die Vorstandsgehälter schmaler aus als noch zu Winterkorns Zeiten. Die betonte Zurückhaltung ist ein richtiges Zeichen und ein wichtiger Schritt, um Ruhe zu erzeugen. Und die ist bitter nötig: Die Rechtsstreitigkeiten rund um den Abgasskandal sind nicht ausgestanden, der größte Konzernumbau der Geschichte in vollem Gange, und die Umstellung auf Elektromobilität wird noch enorme Anstrengungen erfordern. Das sollten sich auch Betriebsratschef Bernd Osterloh und Markenchef Herbert Diess zu Herzen nehmen. Deren Dauerfehde belastet die Belegschaft mehr als jeder Streit um Managergehälter. Maximilian Plück – Rheinische Post

Piëch zieht sich offenbar komplett zurück

Ferdinand Piëch will sich offenbar komplett aus dem Volkswagen-Konzern zurückziehen. Nachdem er vor zwei Jahren mit einem Misstrauensvotum gegen den damaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn gescheitert war, hatte der Österreicher den Vorsitz im Aufsichtsrat sowie alle anderen Ämter niedergelegt. Nun will er Medienberichten zu Folge offenbar auch seine Anteile verkaufen. Zuletzt hatte der einstige VW-Patriarch von sich reden gemacht, als er im vergangenen Monat behauptete, Winterkorn habe früher als immer behauptet von der Abgasaffäre um manipulierte Software gewusst.

Piëch hält knapp 14,7 Prozent der Aktien der Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE, die größter VW-Anteilseigner ist. Der 79 Jahre alte Enkel von Firmengründer Ferdinand Porsche soll bereits mit der Familie über den Verkauf verhandeln. Der Wert soll sich auf etwa eine Milliarde Euro belaufen. Auto-Medienportal.net

3 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Montag, 3. April 2017, 14:25 um 14:25 - Reply

    Am besten lässt er seine VWVilla ausgraben, verladen und auf eine einsame Insel transportieren.

    • Anonymous Freitag, 7. April 2017, 18:22 um 18:22 - Reply

      Kann er bestimmmt steuerlich absetzen, die Transportkosten. Hat dann auch bestimmt Platz um etwas Familiennachzug zu beherbergen.

  2. Anonymous Sonntag, 2. April 2017, 21:02 um 21:02 - Reply

    Selbstverständlich weisen die Beschuldigten die BEHAUPTUNG als unglaubwürdig zurück. In der Gehaltsklasse braucht man ja auch nicht mehr zu tun.
    aber GEZ- Verweigerer sollen in den Knast, und laut Lammert auch GEDANKENVERBRECHER.
    Wo sind denn die Grünen, denen müssten vor Entsetzen doch eigentlich die Haare zu Berge stehen, nicht wegen dem Betrug, sondern wegen der Vergiftung der Luft.

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