Wagenknecht sieht positive Signale von Trump

Fuest: Dialog mit Trump suchen

Die Fraktionschefin der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, hat sich positiv zu außenpolitischen Ankündigungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump geäußert: „Von Trump gibt es sehr unterschiedliche Signale, auch ein paar positive, zumindest außenpolitisch“, sagte Wagenknecht der Tageszeitung „neues deutschland“. Die Linkspolitikerin verwies auf Trumps Ankündigung, das Verhältnis zu Russland zu verbessern. „Das wäre ein wichtiger Schritt zu einer stabileren und friedlicheren Welt“, so Wagenknecht.

Veröffentlicht am Dienstag, 24.01.2017, 9:25 von Gudrun Wittholz

America first“ ist mit Blick auf die wertvollsten Unternehmen schon lange Realität. Das hat verschiedene Gründe: die Größe des Binnenmarktes, den Dollar als Leitwährung und in den vergangenen Jahren den enormen Aufstieg der Technologiekonzerne in der Gunst der Investoren. Dies sorgt dafür, dass inzwischen unter den zehn an der Börse schwersten Unternehmen kein Nichtamerikaner zu finden ist. Nicht einmal die Schweizer Roche und Nestlé. Allein der Börsenwert von Apple ist seit Jahresmitte um mehr als 100 Mrd. Dollar auf 625 Mrd. Dollar geklettert.

Allein das Spitzentrio aus Apple, Alphabet (Google) und Microsoft bringt mit 1,6 Bill. Euro mehr auf die Waage als die 30 Dax-Emittenten mit zusammen knapp 1,1 Bill. Euro. Deutsche Konzerne rangieren weltweit unter „ferner liefen“: SAP, die dieses Jahr Bayer den Rang als Nummer 1 in Deutschland abgelaufen hat, steht global an 60. Stelle mit einem Marktwert von 102 Mrd. Euro. Im Euroraum sind allein der Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev (169 Mrd. Euro) und der französische Ölmulti Total mit 123 Mrd. Euro schwerer. Siemens belegt weltweit gerade Platz 72, während Erzrivale General Electric an 10. Stelle steht. Unter die Top 100 schaffen es diesmal immerhin noch Bayer, BASF und Daimler. Wertvollstes nicht amerikanisches Unternehmen ist Shell, der Ölkonzern belegt mit einer Marktkapitalisierung von 226 Mrd. Dollar Platz 15.

Vor acht Jahren sah auch dieses Ranking ganz anders aus: In Zeiten des Rohstoffbooms lagen ExxonMobil und Petrochina vorne, gefolgt von Gazprom, Petrobras und China Mobile. Damals hatte hierzulande Eon die Nase vorne, die mit der Energiewende Gewicht verlor. Amerikaner profitieren von Preismacht, Einkaufsstärke und Größenvorteilen. Das schwache Abschneiden Europas liegt strukturell am eher traditionellen Branchenmix, den Auswirkungen der europäischen Schulden- und Wirtschaftskrise und am gesunkenen Euro-Kurs. Der Kontinent ist politisch uneins, driftet wirtschaftlich immer weiter auseinander und kämpft nach wie vor mit der Staatsschuldenkrise sowie den Problemen der Finanzinstitute. Die restrukturierten US-Großbanken haben dagegen längst zu alter Stärke zurückgefunden. Neue Grenzziehungen, Protektionismus, Abschottung und Nationalismus bergen für Deutschlands Konzerne große Risiken. Sie sind anders als US-Schwergewichte auf Export und Globalisierung angewiesen. Die Wahl von Donald Trump verstärkt den negativen Trend noch. Walther Becker – Börsen-Zeitung

BVDW zur Amtseinführung von Donald Trump: „Stunde der wirtschaftlichen Vernunft“

Auch nach seinem Wahlsieg hat der gewählte amerikanische Präsident Donald Trump, der heute um 18 Uhr (MEZ) in Washington vereidigt wird, mit umstrittenen Aussagen auf sich aufmerksam gemacht. Für den wirtschaftlichen Austausch zwischen der EU und den USA sind Drohungen mit willkürlichen Strafzöllen kontraproduktiv und gefährden das gegenseitige Vertrauen. Gleiches gilt für bestehende internationale Handelsabkommen der WTO, die auch dann verbindlich bleiben, wenn nationale Regierungen wechseln.

Die wichtigen Wirtschaftsräume der EU und der USA sind auch über die Digitale Wirtschaft hinaus eng verzahnt, denn sie teilen bislang die gleichen Werte: offene Gesellschaften, in denen das Handeln staatlicher Akteure der Kontrolle durch den Rechtsstaat unterliegt. Willkürliche Drohungen mit Strafzöllen oder der Aufkündigung bewährter Handelsbeziehungen sind mit diesen Grundsätzen nicht zu vereinbaren. Sie gefährden vielmehr das gegenseitige Vertrauen, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Dies gefährdet die Unternehmen und die ökonomische Stabilität in der EU und den USA gleichermaßen und kann auch nicht im wohlverstandenen Interesse der neuen US-Regierung sein.

Dazu Matthias Wahl, Präsident des BVDW: „Für die neue US-Administration schlägt jetzt die Stunde der wirtschaftlichen Vernunft. Die Wirtschaft in der EU wie in den USA braucht keine Drohungen, sondern Verlässlichkeit und Rechtssicherheit. Alle Unternehmen im transatlantischen Wirtschaftraum profitieren von freiem Handel nach international akzeptierten Regeln. Diese in Frage zu stellen wäre grob fahrlässig und ist sicher nicht im Interesse der USA.“ Dies sei auch im globalen Maßstab von entscheidender Bedeutung: „Nur gemeinsam können EU und USA die Standards im globalen Wettbewerb setzen und damit das Potenzial nutzen, das ein offener Wirtschaftsraum unseren Unternehmen bietet.“ Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V.

Wettbewerbsexperte Haucap fürchtet „Handelskrieg“

Der Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie, Justus Haucap, fürchtet, dass es wegen Trumps Politik zum Handelskrieg kommt. „Ja, das ist zu befürchten“, sagte der frühere Chef der Monopolkommission der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Dabei gelte: „Handelskriege zahlen sich in aller Regel nicht aus. Leidtragende sind immer die Verbraucher.“ Strafzölle der USA würden besonders die deutschen Autobauer treffen: „Relativ zu den gesamten Absatzzahlen würde es wohl Porsche am härtesten treffen, gefolgt von BMW und Mercedes. Andererseits wird wohl VW am meisten Probleme haben, bei Zöllen Preiserhöhungen im US-Markt durchzusetzen.“ Zugleich warnte Haucap die Europäer vor Vergeltungsmaßnahmen. „Strafzölle als Vergeltungsmaßnahmen treffen immer auch die europäischen Verbraucher. Von einem Strafzoll auf amerikanische Autos und Autoteile halte ich wenig.“ Besser wäre es, unabhängig von einem Handelsstreit, eine vernünftige Besteuerung amerikanischer Unternehmen wie Apple, Google, Starbucks in Deutschland durchzusetzen. Rheinische Post

Fuest: Dialog mit Trump suchen

Der ifo-Präsident Clemens Fuest hat die Deutschen und die Europäer zum Gespräch mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump aufgerufen. „Wir sollten den Dialog mit Trump suchen, um die weitere Entwicklung seiner wirtschaftspolitischen Pläne positiv zu beeinflussen“, sagte er am Montag in München.

„Trump hat klare Ziele: mehr Industriearbeitsplätze in den USA, weniger Importe, höhere Beiträge der Europäer zur NATO. Aber er hat kein überzeugendes Konzept, um diese Ziele zu erreichen. Es besteht die Gefahr, dass seine Politik die angekündigten Ziele nicht erreicht und er dann Sündenböcke sucht. Das könnte die deutsche Wirtschaft mit ihren hohen Exportüberschüssen sein“, warnte Fuest. Im Moment sei es zu früh für Reaktionen der deutschen oder europäischen Wirtschaftspolitik auf einzelne Ankündigungen von Trump. ifo und CESifo online

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6 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Angela Sonntag, 29. Januar 2017, 7:19 um 7:19 - Reply

    Ich halte Frau Wagenknecht für eine extrem gebildete und kluge Frau! – Leider gehört sie der falschen Partei an!- Schade, so eine feine und kultivierte Frau. Ganz gleich wie sie von unserer „Presse“ oder von ihrer eigenen Partei niedergemacht wurde, sie hat stets Haltung gezeigt! Nun, wer weiss, vielleicht wechselt sie ja noch die Partei….

  2. Anonymous Freitag, 27. Januar 2017, 7:05 um 7:05 - Reply

    Leider gehört Sie zur falschen Partei^^

    • Anonymous Dienstag, 31. Januar 2017, 16:52 um 16:52 - Reply

      Für die gibt es keine passende Partei. Die ist so herausragend, die verliert automatisch an Kapazität wenn sie sich einer Partei unterordnet. Die sollte alleine stehen können. Wenn ich Queen wäre würde ich sie zum Ritter schlagen.

  3. Anonymous Mittwoch, 25. Januar 2017, 0:34 um 0:34 - Reply

    Die milliardenschweren US-Technologiekonzerne sollten in Europa endlich Steuern zahlen. Bisher tun sie es nicht.
    Das verdanken wir Vollidioten wie Jean-Claude Juncker und Martin Schulz.
    Mit den bisherigen EU-Politikern ändert sich daran nichts.
    Man hoffe auf Madame LePen, Geert Wilders und die AfD.
    Die Steuervermeidung der US.-Konzerne wäre ein schönes Wahlkampfthema für die AfD und ein Stolperstein für SPD-Schulz. Ran an den Speck!!!

  4. Anonymous Dienstag, 24. Januar 2017, 11:34 um 11:34 - Reply

    Sahra Wagenknechts geistiger Horizont reicht nun mal weiter als bis zur eigenen Nasenspitze. Leider gehört sie da zu einer Minderheit unter den deutschen Politikern.

    • Anonymous Dienstag, 24. Januar 2017, 11:38 um 11:38 - Reply

      Und sie verfügt über ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Verantwortungsbewusstsein. Die lässt sich nicht so gehen wie viele Andere.

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