Volkswagen: Das tiefe Misstrauen bleibt

Festnahme eines VW-Managers in USA

Volkswagen kommt einfach nicht aus der Defensive. Seit Tagen wird spekuliert, dass der Konzern aus Wolfsburg kurz vor der Einigung mit dem US-Justizministerium stehe und die Folgen der Dieselaffäre zumindest in den Staaten durch die Zahlung einer Milliarden-Buße abräumen könnte. Da wird völlig überraschend ein VW-Manager, der offenbar mit der Software-Manipulation zu tun hatte, festgenommen. Die USA wollen dem größten deutschen Autobauer offenbar signalisieren, dass er sich nicht so einfach davonstehlen kann.

Veröffentlicht am Dienstag, 10.01.2017, 8:58 von Gudrun Wittholz

Auf der Automesse in Detroit hatte Markenchef Diess noch darum geworben, dass die Amerikaner ihre „Liebe zu Volkswagen“ neu entfachen. Das Misstrauen aber sitzt tief. Auf ein Schuldbekenntnis, dass VW die US-Behörden hinter die Fichte geführt hat, warten die Amerikaner bislang vergeblich. Aber auch in Deutschland gibt es Unmut, dass vom Abgasskandal betroffene Kunden hierzulande schlechter entschädigt werden als in den USA. Die 3100 Euro Betriebsrente pro Tag für Ex-VW-Boss Winterkorn wühlen die Gemüter erst recht neu auf. Gelingt dem Konzern nicht rasch ein Befreiungsschlag, könnte es brenzlig werden für die Wolfsburger. Frank Meßing – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Volkswagen steckt zwar noch mitten in der Aufarbeitung der Dieselabgas-Manipulationsaffäre, doch geht die VW-Vorzugsaktie seit einigen Wochen ab wie Schmidts Katze. Am Montag gewann das Papier zeitweise fast 5% auf über 145 Euro an Wert. Seit Anfang Dezember beträgt das Kursplus satte 20%.

Getragen wird die Aktie von der Erwartung der Anleger, dass der Wolfsburger Autokonzern die größten bilanziellen Risiken von Dieselgate bald abgearbeitet hat. Nach den über 17 Mrd. Dollar teuren Vergleichen mit den US-Umweltbehörden und der umgerechnet 1,5 Mrd. Euro umfassenden Entschädigung in Kanada steht VW angeblich kurz davor, sich mit dem US-Justizministerium zu einigen. Spekuliert wird über eine Strafzahlung von über 3 Mrd. Dollar.

Trotz dieses weiteren dicken Brockens zählt an der Börse vor allem, dass VW den Deal noch vor dem Amtsantritt des künftigen US-Präsidenten Donald Trump unter Dach und Fach bringt. Packt der Konzern dies vor dem 20. Januar aber nicht, droht ihm unter dem neuen Herrn im Weißen Haus ein langwieriges Verfahren, welches noch viel teurer ausfallen könnte. Insofern macht die sich abzeichnende Lösung Hoffnung, dass für VW in den USA bald das Gröbste überstanden ist. Zum Auftakt der Automesse in Detroit ist das für Volkswagen eine gute Nachricht. Allerdings zeichnet sich immer mehr ab, dass der Konzern die bisher bezifferbaren Belastungen mit den für Dieselgate gebildeten Rückstellungen (18,2 Mrd. Euro) nicht abdecken kann. Die Wahrscheinlichkeit ist daher groß, dass VW im neuen Jahr nachlegen muss.

Das würde die Profitabilität des Konzerns zusätzlich schmälern. Trotz guter Absatzzahlen steht die Marge wegen des Betrugsfalls weiter unter Druck. Zugleich muss das Unternehmen hohe Investitionen fürs Elektroauto und das autonome Fahren stemmen, um auf diesen Zukunftsfeldern mit den Wettbewerbern BMW und Daimler Schritt zu halten. Für Konzernchef Matthias Müller ist das ein Balanceakt, schließlich will er mit einer Umstrukturierung VW kosteneffizienter gestalten.

Angesichts der vielen Baustellen ist es bemerkenswert, dass VW ausgerechnet jetzt Toyota von Platz 1 des weltgrößten Autoherstellers verdrängt. Doch für die Anleger ist das nur eine Randnotiz. Für sie zählt, dass VW beim Thema Dieselgate rasch vorankommt. Gemessen am Kurs von 170 Euro im September 2015 – kurz bevor die Manipulation an die Öffentlichkeit kam – muss VW noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Stefan Kroneck – Börsen-Zeitung

VW-Manager wegen Dieselskandal in den USA festgenommen – corporate

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  1. Anonymous Dienstag, 10. Januar 2017, 14:43 um 14:43 - Reply

    Ach ne, die stecken noch mitten in der Aufarbeitung der Dieselabgas-Manipulationsaffäre.
    Und wir stecken allle in den Abgasen. Wie wird denn das aufgearbeitet?
    Von wegen Affäre.
    Dreck muss ma einatmen, währen immer noch von den Herren in Anzügen gesprochen wird, und ihrer Affäre.

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