Schlecker vor Gericht: Schenkungen bei Insolvenz strafbar

Schlecker-Pleite

Wie konnte es zur Pleite des Drogerie-Imperiums kommen und wie beurteilen Beteiligte und ehemalige Beschäftigte den Fall Schlecker heute? Die 11. Große Wirtschaftsstrafkammer hat in dem Strafverfahren im Zusammenhang mit der Insolvenz einer Drogeriemarkt-Kette das Hauptverfahren eröffnet und die Anklage der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den früheren Inhaber des Unternehmens, dessen Ehefrau, seine beiden Kinder und zwei Wirtschaftsprüfer jeweils in vollem Umfang zur Hauptverhandlung zugelassen.

Veröffentlicht am Montag, 06.03.2017, 9:47 von Gudrun Wittholz

Der Unternehmer, der einen einzelkaufmännischen Betrieb führt, haftet im Falle einer Insolvenz nicht nur mit dem Firmen- sondern mit seinem gesamten Privatvermögen. Die Unternehmensinsolvenz führt damit in den meisten Fällen unweigerlich zum persönlichen Ruin. Am Beispiel der Drogeriekette Schlecker zeigt sich das gesamte Ausmaß der möglichen Haftungstatbestände: Um nach einer Firmenpleite weiterhin privat den Lebensunterhalt sichern zu können, wird häufig versucht, Vermögen im Vorfeld einer Insolvenz rechtzeitig beiseite zu schaffen, um in der schlechten Zeit auf Reserven zurückgreifen zu können.

Schenkungen an Familienmitglieder im Vorfeld der Insolvenz strafbar

So wird Anton Schlecker in veröffentlichten Pressemitteilungen vorgeworfen, insgesamt rund 20 Mio. € beiseite geschafft zu haben. Insbesondere soll er auffällig viele Schenkungen an andere Familienmitglieder gemacht haben. Unter den Voraussetzungen des § 283 StGB (Bankrott) ist dieses Verhalten – das Beiseiteschaffen, um der Insolvenzmasse Vermögen zu entziehen – strafbar.

Der kuriose Fall Schlecker: Auch Familienmitglieder und Berater betroffen

Die Besonderheit im Fall Schlecker ist, dass die Vorwürfe nicht nur gegen den Unternehmer Anton Schlecker gerichtet werden: Auch der Familie und eingebundenen Beratern wird vorgeworfen, den Unternehmer bei der strafbaren Vermögensübertragung unterstützt zu haben (Beihilfe zum Bankrott). Neben der Strafbarkeit birgt jede Vermögensübertragung im Vorfeld einer Insolvenz das zusätzliche Risiko, dass der Insolvenzverwalter später die übertragenen Vermögensgegenstände bzw. Werte im Wege der Anfechtung erfolgreich herausverlangt. Das betrifft im Fall Anton Schlecker nahezu die gesamte Familie.

Aufgrund der zahlreichen strafrechtlichen und haftungsrechtlichen Risiken, die bei wirtschaftlichen Krisen auch eines einzelkaufmännischen Betriebes zu berücksichtigen sind, ist sowohl eine strafrechtliche als auch eine insolvenzrechtliche Beratung möglichst frühzeitig angezeigt. Andernfalls ist es nicht ausgeschlossen, dass die Insolvenz des Unternehmens zur Vermögenslosigkeit der gesamten Familie führt. www.gks-rechtsanwaelte.de – Johannes Koepsell  Fachanwalt für Insolvenzrecht

Als Europas einst größte Drogeriemarkt-Kette Schlecker im Januar 2012 Insolvenz anmeldete, kostete das 25.000 Mitarbeitern und vor allem Mitarbeiterinnen den Job. Es war eine der spektakulärsten Pleiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Rund eine Milliarde Euro betrug die Forderung der Gläubiger. „Es ist nichts mehr da“, erklärte die Tochter von Anton Schlecker damals öffentlich. Doch daran hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihre Zweifel. Erhebliche Vermögensteile seien vorher innerhalb der Familie zur Seite geschafft worden. Vorsätzlicher Bankrott, falsche Versicherung an Eides statt, gemeinschaftliche Untreue in besonders schwerem Fall und Insolvenzverschleppung – so die Vorwürfe, die ab 6. März in einem Mammutprozess vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt werden. Wie groß sind die Chancen, die Vorwürfe auch beweisen zu können? ARD Das Erste

Der Fall Schlecker „Der Schlecker-Prozess: Aufstieg und Fall eines Drogerie-Imperiums“

Ab dem 6. März muss sich Anton Schlecker vor Gericht verantworten. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Wie konnte es zur Pleite des Drogerie-Imperiums kommen und wie beurteilen Beteiligte und ehemalige Beschäftigte den Fall Schlecker heute?

Als Europas einst größte Drogeriemarkt-Kette Schlecker im Januar 2012 Insolvenz anmeldete, kostete das 25.000 Angestellte, überwiegend Frauen, den Arbeitsplatz. Rund eine Milliarde Euro betrug die Forderung der Gläubiger. „Es ist nichts mehr da“, erklärte die Tochter von Anton Schlecker damals öffentlich. Doch daran hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihre Zweifel. In einem Mammutprozess werden ab 6. März 2017 die Vorwürfe gegen Anton Schlecker und seine Familie verhandelt. Wie groß sind die Chancen, die Vorwürfe auch beweisen zu können?

„Es war ein rabenschwarzer Tag“, erinnert sich die ehemalige Betriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann. Von der Insolvenz des Unternehmens erfuhr sie auf einer Zugfahrt. Rund 25.000 Mitarbeiter, mehrheitlich Frauen, verloren durch den Konkurs des Schlecker-Konzerns ihren Arbeitsplatz. „Ich erwarte auf jeden Fall, dass es eine Aufklärung gibt. Vielleicht hilft es den betroffenen Kolleginnen, nach fünf Jahren die Wahrheit zu erfahren“, sagt Christel Hoffmann. Einige der sogenannten Schlecker-Frauen haben sich mit den Drogeriefilialen „Drehpunkt“ selbstständig gemacht. Ihre Zeit bei Schlecker behalten sie in guter Erinnerung. Gerne hätten sie weiter für das Unternehmen gearbeitet. Wie geht es den ehemaligen Beschäftigten als Unternehmerinnen und was erwarten sie von dem Prozess?

Das System Schlecker

25.000 Kündigungen musste der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz eigenhändig unterschreiben. Er schildert, wie er damit umging. Die Drogeriemarkt-Kette Rossmann hat von der Schlecker-Insolvenz profitiert. Sie übernahm mehr als einhundert Schlecker-Märkte, wie Dirk Roßmann erzählt. Roland Alter ist Professor für Betriebswirtschaft und Unternehmensführung an der Hochschule Heilbronn. Er hat sich mit dem System Schlecker beschäftigt. Heute ist es Thema seiner Seminare.

Die Akte Schlecker

Neben dem Firmenpatriarchen Anton Schlecker sitzen auch seine Ehefrau Christa sowie die Kinder Meike und Lars Schlecker auf der Anklagebank. Ihnen wird vorsätzlicher Bankrott, Insolvenzverschleppung, falsche Versicherung an Eides statt und gemeinschaftliche Untreue vorgeworfen.

3 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Donnerstag, 9. März 2017, 21:37 um 21:37 - Reply

    Die Raffzahnfamilie Schlecker und die düpierten Schlecker-Frauen zeigen das Grundübel dieses kaputten Staates: Die sozialen Unterschiede wachsen und die Mittelschicht bricht weg auf breiter Front.
    So endete schon das Imperium Romanum. So endete die Weimarer Republik. So enden alle einstmals stabilen Staaten.
    Ordentlich bezahlte Arbeit in Festanstellung und scharfe Kontrollen der Supranationalen könnten die Lösung sein.
    Die Reichen werden es zu verhindern wissen. Den Bürgerkrieg und soziale Unruhen werden sie nicht verhindern können und die betreffen sie dann selbst.

  2. Angela Mittwoch, 8. März 2017, 9:02 um 9:02 - Reply

    ….. ich denke, dass dieser bezaubernden Familie nicht viel geschehen wird; siehe Uli Hoeneß….. Es wird sicherlich eine Farce vor Gericht und von den Richtern wohlwollend unterstützt!
    ( Herr Schlecker bewohnt noch immer sein prachtvolles Herrenhaus, stehend auf einem Grundstück, welches die Größe von zehn Fussballfeldern hat ….. )
    Vor dem Grundgesetz sind alle gleich, die Armen werden immer ärmer und die Reichen bleiben reich…..
    Dieser lächerliche Prozess wird dem Steuerzahler wieder das Geld aus der Tasche ziehen; Frage : hat die arme Familie Schlecker, so verarmt wie sie nun einmal ist, Pflichtverteidiger?

  3. Anonymous Dienstag, 7. März 2017, 0:25 um 0:25 - Reply

    Er musste 25 000 Kündigungen eigenhändig unterschreiben. – Und er hat keinen Tennisarm bekommen?
    Wie lange hat er dafür gebraucht?
    25 000 mussten ihre Lohnarbeit verlieren wegen seinen 25 000 Unterschriften.

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