Merkels Außenpolitik: In der Zwickmühle

Wir sind nur als Europa stark

Merkels dritter US-Präsident ist so anders, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Er ist ein Politiker neuen Typs, selbstverliebter Geschäftsmann, kleinkarierter Realitätsverweigerer und Demagoge in einer Person. Seine einzige belastbare Eigenschaft ist seine Unberechenbarkeit. Diesen Eindruck konnte Trump auch beim Treffen mit Merkel nicht verändern.

Veröffentlicht am Montag, 20.03.2017, 9:10 von Gudrun Wittholz

So bleibt weiter die Frage unbeantwortet: Wie gefährlich kann Trumps Isolationismus für Europa und die Welt werden? Das Ende des ersten Merkel-Besuchs in Washington markiert den Beginn einer neuen Ära in den Beziehungen zwischen Deutschland und den USA. Es wird davon abhängen, ob und wenn ja, wie schnell die unterschiedlichen Auffassungen in zentralen Politikfeldern in Kompromisse münden. Mitteldeutsche Zeitung

Passend zum Thema

Die Kanzlerin macht als Regierungschefin auf internationalem Parkett alles richtig. Und als Wahlkämpferin zugleich alles falsch. Als Regierungschefin zeigt Angela Merkel gute Miene zu dem bösen Spiel, das Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan der Welt derzeit auf öffentlicher Bühne bieten. Der US-Präsident tritt, kaum dass die Kanzlerin wieder abgereist ist, per Twitter nach und poltert, Deutschland schulde ihm und der NATO „riesige Summen“. Der türkische Staatschef, der sich fast täglich mit neuen unglaublichen Tiraden selbst übertrifft, wirft ihr persönlich „Nazi-Methoden“ und Terrorunterstützung vor. Und Merkel? Schweigt. Die Kanzlerin verweigert sich dem Impuls, laut und deutlich „Basta“ zu rufen, ähnlich polternd zurückzuschießen.

Selbst, wer ihr sonst politisch nicht nahesteht, kann dieser stoischen Haltung Respekt entgegenbringen. Denn sie zeugt von dem Bemühen, die diplomatischen Krisen nicht gefährlich weiter zuzuspitzen. Gleichzeitig nimmt ihr das aber die Chance, den emotionalen Wahlkampf zu betreiben, den sich viele Anhänger wünschen. Eine emotionale Reaktion auf Trump, das hieße, sich dessen Vorhaltungen und Halbwahrheiten öffentlich zu verbitten. Eine Strategie, die vielen in Deutschland wohl aus der Seele spräche. Eine emotionale Reaktion auf die Anwürfe aus Ankara, das hieße, Erdogan und sein Gefolge zu unerwünschten Personen zu erklären. Eine Strategie, mit der der Niederländer Rutte eine Wahl gewonnen hat. Merkel verzichtet auf beides. Das ist verdienstvoll. Könnte sie jedoch das Amt kosten. Sigrun Müller-Gerbes – Neue Westfälische

Merkel ist eben nicht May

Dass es besser sei, miteinander zu reden als übereinander, hat die Bundeskanzlerin vor ihrer Reise nach Washington gesagt. Wie anders das klingt als das mädchenhafte Gehabe der britischen Regierungschefin Theresa May, die sich Tage nach der Amtseinführung von Donald Trump an der Hand durch das Weiße Haus hatte führen lassen. Die Bundeskanzlerin hat in Washington demonstriert, dass sie auch die mächtigsten Männer auf Abstand zu halten in der Lage ist.

Wladimir Putin mag hinter verschlossenen Kreml-Türen über sie spotten, er hört der Bundeskanzlerin immerhin zu. Italiens damaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat erfahren müssen, dass Merkels Beharrlichkeit stärker wiegt als irgendwelche Kaspereien. Selbst George W. Bush hat 2006 bei einem G-8-Gipfel in Sankt Petersburg Merkels freundliche Bestimmtheit kennengelernt: Als er vor laufenden Kameras die Schultern der sitzenden Merkel massierte, stand er da wie ein kleiner Junge, der beim Übergriff auf die Klassensprecherin ertappt wurde.

Solche Stimmungen und Äußerlichkeiten sind auch in der Politik sehr oft bedeutsamer als die Fernsehbilder glauben machen. Ob die Chemie zwischen zwei Menschen stimmt, kann auf Ebene der Regierungschefs über Börsenkurse, gemeinsame Ziele oder zukünftige Feindschaften entscheiden. Die Bundeskanzlerin wird sich darum sehr genau beraten und überlegt haben, wie sie mit einem Präsidenten umgeht, dessen verbale Übergriffigkeit sie schnell in Verlegenheit bringen und die transatlantischen Beziehungen gefährden könnte.

Trotz aller Unkenrufe nach der Wahl Trumps wird das transatlantische Verhältnis weiterbestehen, nicht zuletzt, weil Merkel auch gegenüber Trump nicht von ihrer Verbindlichkeit abzurücken bereit ist. Die Beharrlichkeit und Authentizität einer Politik der ruhigen Hand erweist sich als dauerhafter als großmaulige Sprunghaftigkeit. Wenn Donald Trump das – zumindest unterbewusst – verstanden haben sollte, hat sich Merkels Reise über den Großen Teich gelohnt. Schwäbische Zeitung

In Zeiten, in denen Deutschland auf internationaler Ebene statt verlässlicher Partner mit unberechenbaren Entscheidungsträgern vom Schlage eines Donald Trump, Wladimir Putin oder Recep Tayyip Erdogan konfrontiert ist, kann die Antwort nur in einem klaren Bekenntnis zur europäischen Einigung liegen. Genau das hatte Angela Merkel dem US-Präsidenten schon im Vorfeld klargemacht und beim Treffen mit ihm wiederholt: Deutschland und die Europäische Union sind zwei Seiten derselben Medaille. Deutsche Interessen sind heute europäische Interessen und europäische Interessen sind deutsche. Nur als zentraler Teil eines starken, geeinten Europas, der größten Wirtschaftsmacht der Welt, kann ein Land wie Deutschland heute noch international Einfluss nehmen. Man würde sich wünschen, dass die Kanzlerin so etwas nicht nur bei Staatsbesuchen in Übersee sagt, sondern auch konkrete Schritte unternimmt, um die Einigung Europas voranzutreiben. Straubinger Tagblatt

Unterwegs in schwieriger Mission: Merkel zu Gast bei Trump

3 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Montag, 20. März 2017, 15:18 um 15:18 - Reply

    Da reist sie in die USA, steht da, vor großem Publikum und trägt weiche Daten stammeln vor.

    • Anonymous Montag, 20. März 2017, 15:23 um 15:23 - Reply

      Mal schnell noch den Playboy im Flugzeug lesen, um rauszubekommen, wie Donald Trump am besten zu umgarnen sei, hat eben nicht gereicht.

  2. Anonymous Montag, 20. März 2017, 10:15 um 10:15 - Reply

    Wir müssen Deutschland wieder groß mit eigenem Profil machen; Grenzen zu, illegale und kriminelle Migranten raus, Islamverbot in der Öffentlichkeit, Merkel weg etc.!!!!!

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