Krise in Italien: Ifo-Chef warnt vor „massiven Konflikten“ in Europa

ifo Wirtschaftsklima Euroraum erneut deutlich verbessert

Das ifo Wirtschaftsklima Euroraum hat sich im dritten Quartal erneut deutlich verbessert, von 26,4 auf 35,2 Saldenpunkte. Dies ist der höchste Wert seit Herbst 2000. Die befragten Experten beurteilten insbesondere die aktuelle Wirtschaftslage günstiger als im Vorquartal. Aber auch der Ausblick für die nächsten sechs Monate verbesserte sich weiter. Das starke Wachstum dürfte sich damit im zweiten Halbjahr 2017 fortsetzen.

Veröffentlicht am Montag, 07.08.2017, 10:33 von Magnus Hoffestett

In Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, den vier größten Volkswirtschaften der Eurozone, verbesserten sich Lage und Erwartungen. Die Erwartungen stiegen am deutlichsten in Frankreich. Es gibt jedoch weiterhin Unterschiede bei der Einschätzung der Wirtschaftslage. Die Experten bewerteten sie in Deutschland nun fast einstimmig als gut. Auch in Spanien herrscht eine leicht positive Einschätzung vor. In Frankreich und Italien bewerteten die Experten die Lage noch nicht als zufriedenstellend.

Die Inflationserwartungen der Experten für 2017 sanken leicht auf 1,5 Prozent, von zuvor 1,6 Prozent. Die Befragten rechnen mit einem Anstieg der kurzfristigen und insbesondere der langfristigen Zinsen im nächsten halben Jahr. Nach der Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar im letzten Quartal erwarten die Experten einen etwa gleich bleibenden Wechselkurs in den nächsten sechs Monaten. Deutlich verbessert (vor allem in Frankreich) hat sich die Bereitschaft der Banken, Kredite an Firmen zu vergeben. Sie wird nun als weniger restriktiv beurteilt. ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Fuest zieht kritische Bilanz: Euro-Rettung nur vorläufig – „Verheerende Bilanz“

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat mit Blick auf das Krisenland Italien vor „massiven politischen Konflikten“ in Europa gewarnt. In einem Interview der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Fuest: „Man kann das Land mit Staatsanleihenkäufen der Europäischen Zentralbank und wachsender versteckter Kreditvergabe durch das Target-System sicherlich lange liquide halten. Allerdings wird irgendwann der Druck steigen, dem Land mit offenen Transfers zu helfen.“ Und dann drohten massive Konflikte. Fuest fügte hinzu: „Man kann nur hoffen, dass es Italien gelingt, die Wirtschaft zu reformieren und aus eigener Kraft wieder höheres Wachstum zu erreichen.“

„Target“ ist das elektronische System zur Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System). Darüber fließen Geldströme zwischen den Notenbanken des Euroraums.

Zu den Hilfen für die Euro-Staaten Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Zypern sagte der Ifo-Chef, deren Rettung sei nur vorläufig. „Wir wissen nicht, ob hoch verschuldete Staaten wie etwa Portugal ihre Schulden zurückzahlen können. Im Fall Griechenlands ist die Bilanz der Rettungspolitik sicherlich verheerend, das Geld ist größtenteils verloren, gleichzeitig geht es der griechischen Bevölkerung schlecht.“

Fuest betonte in diesem Zusammenhang: „Wir hatten ja schon mehrere Schuldenschnitte in Form von Zinssenkungen und Laufzeitverlängerungen. Wenn die Zinsen gegen Null tendieren und die Laufzeit immer länger wird ist das gleichbedeutend mit einem Schuldenerlass.“ Der Schuldenerlass werde so verschleiert. Neue Osnabrücker Zeitung

Euro sprengt die Erwartungen

Auf der Suche nach der größten Überraschung der Finanzmärkte in diesem Jahr führt kein Weg am Euro vorbei. Sein Höhenflug sprengt sämtliche Erwartungen. In der abgelaufenen Woche pirschte sich die Währung sogar an die Schwelle von 1,20 Dollar heran, als sie ein Zweieinhalbjahreshoch von etwas mehr als 1,19 Dollar erreichte. Damit hat sie seit dem Beginn des zweiten Quartals in der Spitze um nahezu 12 Prozent aufgewertet. Das hatten Währungsexperten nicht auf der Rechnung.

Noch zur Jahresmitte, also vor nicht einmal neun Wochen, lag etwa der Durchschnitt der Bankprognosen per Ende September und Dezember, die im Rahmen des Financial Expert Survey des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) abgegeben wurden, nur bei rund 1,10 Dollar. Auch die höchsten Prognosen, die jeweils bei 1,15 Dollar lagen, sind mittlerweile deutlich übertroffen worden.

Von mehreren Seiten erhält die Währung in diesem Jahr Auftrieb. So haben sich die geldpolitischen Vorzeichen, die zuvor den Dollar gestützt hatten, zugunsten des Euro verschoben. Zwar hat die US-Notenbank Fed ihren Leitzins angehoben, und die Europäische Zentralbank ist noch weit von Zinserhöhungen entfernt. Allerdings bewegen sich die Währungshüter allmählich auf die Reduzierung ihrer Anleihekäufe zu und werden dies möglicherweise in einigen Wochen auch verkünden.

Gleichzeitig hat die Fed zuletzt signalisiert, dass sie bei ihren Zinserhöhungen stärker zu einem sehr langsamen Tempo tendiert. Das hat dazu beigetragen, dass die Renditedifferenzen zwischen Bundesanleihen und Treasuries deutlich geschrumpft sind, auch dies eine Stütze für den Euro. Sie liegt nur noch bei rund 180 Basispunkten, ein Rückgang im Vergleich zu Ende 2016 von 42 Basispunkten.

Den Weg so richtig frei gemacht für den Höhenflug des Euro haben allerdings die politischen Entwicklungen. Lange haben die Sorge über das Vorrücken der Populisten im Euroraum und damit verbunden über ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union die Währung an der Kette gehalten. Es ist kein Zufall, dass die Euro-Hausse nach dem ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahl startete, aus dem Emmanuel Macron als Sieger hervorging.

Doch nicht nur die europäische Politik spielte dem Euro in die Hände. Der Dollar wurde von der Politik quasi in die Zange genommen, weil sich die Präsidentschaft von Donald Trump zunehmend zu einem Fiasko entwickelt, und es gibt derzeit auch wenig Anhaltspunkte für eine baldige Besserung. Zu Jahresbeginn noch ein Plus für den Dollar und ein Malus für den Euro, hat sich die Rolle der Politik als Faktor für den Euro-Dollar-Wechselkurs gegen den Dollar gekehrt.

Das hat auch erhebliche Konsequenzen für die kursrelevanten Erwartungen an die Folgen Trump’scher Wirtschaftspolitik. Die Aussichten auf die Durchsetzung seiner potenziell wachstums-, inflations- und zinstreibenden Agenda schwinden zusehends und damit auch die Erwartungen an ein den Dollar begünstigendes transatlantisches Gefälle. Zumal der Euroraum eine ermutigende wirtschaftliche Entwicklung zeigt.

Trotz alledem scheint das Ausmaß der Euro-Hausse etwas zu viel des Guten. So ist die konjunkturelle Entwicklung des Euroraums auch nicht unbedingt berauschend. Zudem könnte von politischer Seite – im Fokus steht Italien – wieder Verunsicherung in den Markt kommen. Nicht zu vergessen ist auch, dass die Fed ihren Leitzins zwar nur sehr behutsam erhöhen will. Sie hat kürzlich aber auch erklärt, dass sie recht bald dazu übergehen will, ihre Anleihebestände abzubauen, während es für die EZB zunächst lediglich darum gehen wird, den Umfang ihrer Käufe zu reduzieren.

Der Euro droht außerdem, letztlich Opfer seines eigenen Erfolgs zu werden. Denn sein erhöhtes Kursniveau bedeutet eine Hypothek für die wirtschaftlichen Aussichten des Euroraums. Zudem verschlechtern sich – erst recht, wenn sich die Hausse fortsetzen sollte – die Aussichten auf eine Annäherung der Inflation an das Ziel der Europäischen Zentralbank. Beides dürfte die Währungshüter des Euroraums nicht gerade ermutigen, energisch den geldpolitischen Schwenk in Angriff zu nehmen.

Prinzipiell spricht nichts dagegen, dass der Euro in nächster Zeit auch noch über die Schwelle von 1,20 Dollar klettert. Eine Korrektur nach unten erscheint auf den erreichten Höhen jedoch um einiges wahrscheinlicher als eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung im Tempo der zurückliegenden Monate. Christopher Kalbhenn – Börsen-Zeitung

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  1. 24. September Mittwoch, 16. August 2017, 18:01 um 18:01 - Reply

    Bitte wählen Sie blau! Keine großartigen Erklärungen
    mehr abgeben (nützt sowieso nichts), dafür am 24.9.17
    das Kreuzchen bei BLAU machen. U n b e d i n g t !

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