ifo-Chef Fuest kritisiert populistische Wirtschaftspolitik

Exportüberschuss schadet den USA nicht

Der US-Präsident hält die Welt in Atem. Seine Einwanderungs- und Wirtschaftspolitik führt weltweit zu Protesten. Seine Außenpolitik: unberechenbar – und äußerst beunruhigend für die internationalen Spitzenpolitiker und Außenpolitikexperten. „Die Leitlinie „America first“ sei nicht unvernünftig. Denn die sozialen Kosten der Globalisierung seien in der Gesellschaft ungleich verteilt. Eine Rückgewinnung der Kontrolle über die Einwanderung und eine konsequente standortbezogene Industriepolitik können in den USA durchaus zum Erfolg und schon in wenigen Jahren zu deutlichen Verbesserungen am unteren Ende der Einkommens- und Beschäftigungspyramide führen“, sagt Thilo Sarrazin.

Veröffentlicht am Mittwoch, 01.03.2017, 15:00 von Tabea Schrader

Der ifo-Präsident Clemens Fuest hat den zunehmenden Populismus in der Wirtschaftspolitik kritisiert. „Populisten machen schlichte Aussagen. Die sind meistens falsch, weil die Welt kompliziert ist“, sagte Fuest am Mittwoch in Brüssel bei der Vorstellung des neuen Berichts der EEAG-Forschergruppe. „Die Pläne des neuen US-Präsidenten Donald Trump für Strafzölle sind typisch dafür: Die negativen Seiten der Globalisierung werden stark überzeichnet, und es wird ignoriert, was wir in der Ökonomie ‚Trade-offs‘ nennen, also Güterabwägung: Wenn ich etwas tue, das an einer Stelle hilft, erzeuge ich Kosten an anderer Stelle“, sagte er. „Populistische Wirtschaftspolitik ist kurzsichtig und lehnt demokratische Kompromisse ebenso ab wie internationale Organisationen oder die EU, weil sie die nationale Politik an Regeln binden. Genau darin liegt aber ihr langfristiger Vorteil. Diese Bindung ist ein Mittel gegen Populismus.“

Passend zum Thema

„Populistische Wirtschaftspolitik stellt Einzelaspekte wie etwa Immigration stärker in den Vordergrund, als es sachlich gerechtfertigt ist, fügte Fuest hinzu. Beim Thema Brexit sprach sich Fuest aus für eine kooperative Lösung. „Jeder harte Schnitt, von welcher Seite er auch angestrebt wird, ist zu vermeiden,“ sagte Fuest. „Europa und Großbritannien haben ein gemeinsames Interesse an einer freundschaftlichen Scheidung, nicht an einem Scheidungskrieg, denn der bringt beiden Seiten nur Nachteile.“

Die European Economic Advisory Group (EEAG) wurde 2001 gegründet. Die Gruppe besteht aus sieben Volkswirten. Vorsitzender ist John Driffill (Yale-NUS College, National University of Singapore and Birkbeck College). Die anderen Mitglieder sind: Torben Andersen (Universität Aarhus), Giuseppe Bertola (EDHEC Business School), Clemens Fuest (Ifo Institut und LMU-Universität München), Jan-Egbert Sturm (ETH Zürich), Harold James (Princeton) and Branko Urošević (Universität Belgrad). Den Jahresbericht veröffentlicht die CESifo-Gruppe. ifo und CESifo online

Ifo-Chef Clemens Fuest:“Deutscher Exportüberschuss schadet den USA nicht“

Der Chef des ifo-Instituts, Clemens Fuest, weist Vorwürfe zurück, Deutschland schade den USA mit seinem Handelsüberschuss. „Das ist Unsinn. Erstens schadet der deutsche Handelsüberschuss den USA nicht, die Nachfrager in den USA wollen die deutschen Produkte haben, sonst würden sie sie nicht kaufen. Zweitens sind in erster Linie die USA selbst verantwortlich für ihr Handelsdefizit. Wenn Trump das Defizit reduzieren will, sollte er aufhören, mit der Ankündigung von Konjunkturprogrammende den Dollar hochzureden“, sagte Fuest dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Zwar trage der niedrige Euro zu den hohen Exporten bei, so der Wirtschaftswissenschaftler. „Aber die Exporte sind auch Zeichen hoher Spezialisierung. Deutschland versorgt die Welt mit Automobilen, Maschinen und hochspezialisierten Produkten, die von den so genannten Hidden Champions hergestellt werden.“ Kölner Stadt-Anzeiger

Trumps Wirtschaftspolitik: Jeder Dritte fürchtet Verluste beim eigenen Vermögen

Der wirtschaftspolitische Kurs der neuen US-Regierung beschäftigt auch die Sparer in Deutschland: Knapp ein Drittel erwartet negative Auswirkungen auf das eigene Vermögen. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Anlage-Barometer der Deutsche Börse Commodities GmbH, das auf einer repräsentativen Emnid-Umfrage basiert. Insgesamt sorgen sich derzeit 58 Prozent der Deutschen um ihr eigenes Vermögen – ein Anstieg um fast zehn Prozentpunkte seit Oktober 2016. Geht es um die allgemeine Situation an den Finanzmärkten, schätzen zwei Drittel der Deutschen die Lage als unsicher ein. Damit bleibt die gefühlte Unsicherheit seit Oktober auf konstant hohem Niveau.

„Viele Sparer sind aufgrund der weltweiten Entwicklungen beunruhigt und sorgen sich verstärkt um ihr privates Vermögen“, sagte Michael König, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities GmbH. „Die deutsche Bevölkerung vertraut daher auf Anlageklassen mit geringem Risiko.“ Wie in den beiden vorherigen Umfragen in 2016 geben die Deutschen an, dass sie frei verfügbares Kapital vor allem in Immobilien, Tages- oder Festgeldkonten, Sparbücher sowie Gold investieren würden. Mit Blick auf die anhaltend niedrigen Zinsen wenden sich gleichzeitig aber auch mehr Deutsche riskanteren Anlageklassen zu. 21 Prozent können sich ein Investment in Aktien vorstellen – im Oktober 2016 lag dieser Wert noch sechs Prozentpunkte niedriger.

In der deutschen Hauptstadt ist die Verunsicherung angesichts der Nachrichten aus den USA besonders groß – mehr als die Hälfte der Berliner befürchtet negative wirtschaftliche Auswirkungen durch die Trump-Regierung. Das Vertrauen in Gold als sicherer Hafen ist entsprechend hoch: In der aktuellen Situation können sich zwei Drittel der Berliner vorstellen, in das Edelmetall zu investieren. Bundesweit zeigen 39 Prozent Bereitschaft Gold zu kaufen.

Die aktuell hohe Nachfrage nach Gold belegen auch die Mittelzuflüsse in Xetra-Gold: Der Bestand des mit physischem Gold hinterlegten Wertpapiers ist seit der Wahl des neuen US-Präsidenten im November um mehr als 40 Prozent angestiegen. Für jeden Anteilschein Xetra-Gold wird im Zentraltresor für deutsche Wertpapiere genau ein Gramm Gold hinterlegt. Aktuell wird ein Rekordbestand von 160,8 Tonnen Gold verwahrt. Patrick Kalbhenn – Xetra-Gold

4 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Samstag, 4. März 2017, 18:47 um 18:47 - Reply

    Ah, so. Weil die Welt kompliziert ist sind schlichte Aussagen (meistens) falsch.
    Und das war dann keine schlichte Aussage?

    • Anonymous Samstag, 4. März 2017, 18:49 um 18:49 - Reply

      Doch die ist schlicht. Schlicht und dumm.

    • Anonymous Samstag, 4. März 2017, 20:29 um 20:29 - Reply

      Die kleinen Kokser labern auch so’n überheblichen Scheiß.

  2. Stefan L. Donnerstag, 2. März 2017, 10:00 um 10:00 - Reply

    Fuest sagt: „in erster Linie [sind] die USA selbst verantwortlich für ihr Handelsdefizit“. Recht hat er – zumindest in der Logik eines Ökonomen. Wer zurückliegt muss wettbewerbsfähiger werden. Er muss seine Arbeitsmärkte flexibilisieren, Sozialausgaben zusammenstreichen, Unternehmen durch Steueranreize anlocken und mehr oder billiger arbeiten. Diese Logik gilt nicht nur für die USA sondern auch für Südeuropa. Und weil der Wettbewerb nach unten erfolgt, erodieren langsam die internationalen Standards. Und die Abgehängten, Bedrohten und Alleingelassenen wählen nun die politischen Ränder.

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