FED Zinsentscheidung: Europas Sparer müssen warten

Leitzinsanhebung der US-Notenbank

Eigentlich müssten die leidgeplagten deutschen Sparer laut aufatmen, weil gestern die US-Notenbank Fed zum zweiten Mal seit der Finanzkrise die Zinsen angehoben hatte. Die langersehnte Zinswende nimmt Gestalt an. Die Renditen steigen wieder. Man könnte es noch drastischer formulieren: Der Zins kehrt zurück in unser Leben. Geld bekommt wieder einen Preis. Die Zeiten enden langsam, in denen Sparen bestraft und das Leben auf Pump belohnt wurden. Berliner Zeitung

Veröffentlicht am Donnerstag, 15.12.2016, 9:50 von Domenikus Gadermann

Die Entscheidung Janet Yellens passt gut in das Weltbild von Donald Trump: Im Wahlkampf hatte er der Fed-Chefin noch vorgeworfen, die Zinsen so niedrig zu halten, um die US-Wirtschaft stabiler aussehen zu lassen, als sie ist, und so Hillary Clinton zu unterstützen. Nun da der Plan nicht aufgegangen ist, tut Yellen das, was Trump gefordert hat: Sie erhöht den Leitzins.

Doch Trumps Argumentation geht an der Realität vorbei: Die konjunkturelle Lage in den USA ist bei weitem nicht so verheerend, wie das der New Yorker dargestellt hat. Im Gegenteil. Und genau das ist auch der Grund, warum die Fed nicht umhin konnte, die Geldpolitik zu straffen.

Die US-Wirtschaft läuft, die Löhne steigen, die Inflation steuert auf den Zielwert zu. Vor allem aber: Die Arbeitslosenrate – das Kriterium, das die Fed als Leitwert für Zinsentscheidungen angeführt hatte – ist auf 4,6 Prozent gefallen. Die zweite Zinsanhebung der Fed seit dem Ende der Finanzkrise kündigt aller Voraussicht das Ende der Ära der niedrigen Zinsen an. Aber vorerst nur in den USA – und nicht in der Euro-Zone. Denn die meisten Gründe, die die Zinsanhebung für die Fed unausweichlich machten, gelten diesseits des Atlantiks nicht.

Die EU ist noch immer weiter davon entfernt, dass die Wirtschaft in allen ihren Mitgliedsstaaten läuft. Noch immer zeichnet sich kein stabiler Aufschwung in der Euro-Zone ab. In den Krisenländern des Südens gibt es keine Entwarnung auf dem Arbeitsmarkt. Die Gefahren in Italien, die mit den hohen Staatsschulden und den instabilen Banken einhergehen, haben sich verschärft. Völlig unklar ist zudem nach wie vor, was der Brexit für die Euro-Zone bedeutet. Vor allem aber verharrt die Inflationsrate noch deutlich unter dem Ziel von zwei Prozent. Die Europäische Zentralbank hat aus dem Grund zuletzt ihre Geldpolitik mit der Ausweitung des Anleihekaufprogramms noch weiter gelockert.

Die Sparer in Europa müssen sich also weiter in Geduld üben. Bis sich die Zinswende auch in Europa abzeichnet, muss noch einige Zeit vergehen. Schwäbische Zeitung

Fuest begrüßt Zinserhöhung in den USA

Der ifo-Präsident Clemens Fuest hat die Zinserhöhung der US-Notenbank begrüßt. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, dem weitere folgen müssen. Die Inflationsrate in den USA steigt, und es ist wichtig, dass die Geldpolitik rechtzeitig gegensteuert“, sagte er in München.

„Auch die Europäische Zentralbank sollte sich auf einen Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik vorbereiten, denn es ist absehbar, dass die Inflationsrate nächstes Jahr auch im Euroraum ansteigen wird. Die Nullzinspolitik stört die Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte, verunsichert die Sparer und führt zu Vermögensblasen, die beim Platzen das Finanzsystem in Not bringen können.“ ifo

Zinswende der US-Notenbank – Wichtiger Schritt

Was hat sich eigentlich seit Dezember 2015 verändert? Schon damals sprach alle Welt von einer Zinswende, die die amerikanischen Währungshüter mit ihrer damaligen Erhöhung des Leitzinses von einem ViertelProzentpunkt eingeleitet hätten. Doch davon ist bisher nichts zu spüren. Eigentlich wollte die amerikanische Notenbank die Zinsen in diesem Jahr viermal erhöhen. Sollte sie wenigstens heute den Leitzins um einen weiteren Viertel-Prozentpunkt anheben, wäre sie von ihrem Ziel noch weit entfernt. Und Kritiker wie der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe sehen auch die europäische Währungsunion von einer Zinswende noch weit entfernt. Dabei verweisen sie immer wieder auf die ungelöste Staatsschuldenkrise in der EU, mit der sich hoch verschuldete Staaten wie Griechenland oder Italien höhere Zinszahlungen gar nicht leisten können. Selbst in den USA ist die Inflation trotz robusten Aufschwungs und fast Vollbeschäftigung noch unter dem Fed-Ziel von 2,0 Prozent.

Allerdings heizen deutlich gestiegenen Ölpreise – nach den von der OPEC angekündigten Förderkürzungen – die Teuerung an. Und auch das vom neuen US-Präsidenten Donald Trump angekündigte Billionen verschlingende Konjunkturprogramm, mit dem die US-Wirtschaft jährlich um vier Prozent wachsen soll, könnte die Inflation befeuern. Doch vieles ist nur Psychologie. Die Aktienkurse haben die bloße Ankündigung schon eingepreist. In der Vergangenheit zog die EZB regelmäßig nach, wenn die amerikanische Notenbank die Zinsen erhöhte. Für deutsche Sparer, Pensionskassen und Lebensversicherer wäre eine Zinswende lebenswichtig. Die vom Gesetzgeber viel gepriesene private Altersvorsorge würde ohne Zinswende langfristig zusammenbrechen. Selbst die gesetzliche Rentenversicherung bräuchte eines Tages zusätzliche Mittel vom Bund, um eine Negativrendite auszugleichen. Schon jetzt fehlt vielen Bundesbürgern mangels Zinsen der Anreiz zum Sparen. Das Gefühl vieler Bürger, dass sie für versäumte Staatsreformen zahlen, könnte in gefährliche Wut umschlagen. Andrea Frühauf – Neue Westfälische

US-Notenbank hebt Leitzins um 0,25 Prozentpunkte an

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