Europäische Zentralbank setzt bewusst den Wohlstand der Bürger aufs Spiel

EZB und Inflation

Jeder Haushalt hat seit Oktober 2010 bereits 1.300 Euro verloren – Prognose: Über 550 Milliarden Euro Verlust in den kommenden 20 Jahren – Das sind drei Jahre vergebene Sparanstrengungen. Abgeordnete der LKR haben in einer von ihnen angeregten Plenardebatte in Straßburg das Europäische Parlament dazu aufgefordert, Mandatsüberschreitungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht länger aus politischen Erwägungen zu dulden und zu rechtfertigen.

Veröffentlicht am Freitag, 19.05.2017, 9:23 von Gudrun Wittholz

Der Wirtschaftsprofessor und Europaabgeordnete Joachim Starbatty sagte: „Die EZB agiert politisch und zügellos. Die EZB spielt mit ihrer Niedrigzinspolitik bewusst mit dem Risiko der Inflation. Sie agiert politisch, indem sie versucht, um jeden Preis die falsch konstruierte Währungsunion zusammenzuhalten. Das billige Geld gefährdet unsere Renten, Versicherungen und die Bankensysteme. Außerdem führt es zu einer Überhitzung der Immobilienmärkte. Es macht die Bürger Tag für Tag ärmer, nur bleibt das bisher unbemerkt.” Starbatty forderte das Europaparlament dazu auf, das Mandat der EZB zu überprüfen und sich für ein Austrittsrecht für Euro-Staaten einzusetzen, für die der Euro zu stark ist.

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Seit März 2015 kauft die EZB Staats- und Unternehmensanleihen in Höhe von bis zu 80 Milliarden Euro monatlich auf dem Sekundärmarkt. Die LKR-Europaabgeordneten sehen darin eine Mandatsüberschreitung und haben auch vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt. Die Entscheidung ist noch anhängig.

Weiter sagte Joachim Starbatty: „Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank produziert lediglich Strohfeuer und ist langfristig hoch gefährlich. Grund für die wirtschaftliche Stagnation im Süden der Eurozone ist ein falscher relativer Preis. Falsche relative Preise können nicht durch Gelddrucken angeglichen werden.“

„Der gemeinsame Wechselkurs ist eine Zwangsjacke, in der Griechenland verarmt und Deutschland künstliche Rekordexporte aufweist.“

„Der Euro ist für die südlichen Länder der Eurozone zu stark und für Länder wie Deutschland zu schwach. Bei flexiblen Wechselkursen würde die Wettbewerbsfähigkeit sich über die Aufwertung wirtschaftlich starker und die Abwertung wirtschaftlich schwacher Länder angleichen. Die Gemeinschaftswährung verstopft aber dieses notwendige Ausgleichsventil.“

„Das Europäische Parlament ist blind für ökonomische Logik und lässt eine politisch agierende EZB gewähren, die um kurzfristiger Erfolge willen den Wohlstand der Bürger gefährdet.“ EKR-Fraktion

Deutsche Haushalte verlieren langfristig 14.000 Euro durch schlecht verzinste Spareinlagen

Steigende Inflation und ein nahezu bei null notierender Zins haben im ersten Quartal 2017 zu einem Realzins von -1,6 Prozent bei Tagesgeldern, Festgeldern und Spareinlagen geführt. Trotzdem halten die deutschen Sparer an diesen Anlageformen fest. Setzt sich diese Entwicklung fort, verlieren sie dadurch in den kommenden 20 Jahren mehr als 550 Milliarden Euro. Das sind 14.000 Euro pro Haushalt. Drei Jahre spart ein Haushalt im Durchschnitt, um diesen Betrag zu erreichen. Zu diesen Ergebnissen kommt der comdirect Realzins-Radar, der gemeinsam mit Barkow Consulting entwickelt wurde.

„Nie war der Wertverlust festverzinslicher Anlagen höher als aktuell. Doch das ist erst der Anfang: Wenn wir unser Anlageverhalten nicht ändern, hat das dramatische Folgen für die deutschen Sparer“, sagt Arno Walter, Vorstandsvorsitzender von comdirect.

Neu ist die Entwicklung nicht. Seit 2010 liegt die Verzinsung von Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen zum Teil deutlich unter der Inflationsrate. 1.300 Euro hat jeder Haushalt dadurch bislang verloren – insgesamt beläuft sich der Wertverlust seit Oktober 2010 auf 51 Milliarden Euro. Der Vorliebe für niedrig verzinste Geldanlagen tut dies jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil: Seit 2008 stieg das Finanzvermögen hierzulande um etwa 1,5 Billionen Euro auf etwa 5,6 Billionen Euro. 38 Prozent davon, also 2,1 Billionen Euro, sind Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen.

„An Wertpapieren führt beim langfristigen Vermögensaufbau kein Weg vorbei“, sagt Arno Walter. Denn es sei nicht zu erwarten, dass sich an den gegenwärtigen Rahmenbedingungen in absehbarer Zeit grundlegend etwas ändere. So geht der Internationale Währungsfonds (IWF) für Deutschland bis 2022 von einem Anstieg der Inflationsrate auf 2,4 Prozent pro Jahr aus. Gleichzeitig ist eine Änderung der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) aktuell nicht in Sicht. „Wenn die Deutschen ihre Spargewohnheiten nicht bald ändern, laufen viele Menschen Gefahr, den gewohnten Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Denn die gesetzliche Rente allein könnte dafür nicht ausreichen. Es ist daher dringend Zeit, dass jeder Einzelne jetzt etwas tut“, sagt Arno Walter.

Zum comdirect Realzins-Radar:

Daten für das Volumen und die Zinssätze von Geldanlagen (Tagesgeld, Termin- & Spareinlagen) entstammen dem Credit Benchmark Model® von Barkow Consulting. Die Zinssätze entsprechen dem Durchschnitt des Bestandes. Als Basis werden Rohdaten der Deutschen Bundesbank sowie der Europäischen Zentralbank verwendet. Die Realverzinsung errechnet sich aus dem Nominalzins der einzelnen Geldanlagen abzüglich der Inflationsrate. Von der Berücksichtigung einer etwaigen Besteuerung der Zinserträge wird abgesehen. Zur Ermittlung des absoluten Realzinsverlustes bzw. -gewinnes wird der jeweilige Realzinssatz von Tagesgeld, Spareinlagen und Festgeldern auf die entsprechenden Bestände angewendet.

Zur Ermittlung der Wertentwicklung festverzinslicher Geldanlagen für die nächsten 20 Jahre wurden drei Szenarien berechnet. Szenario 2 gilt dabei als Basisszenario. Modelltheoretisch wird in allen drei Szenarien eine konstante Anzahl von Einwohnern und Haushalten unterstellt. Außerdem wird das Anlageverhalten seit Ende 2008 fortgeschrieben.

Die Szenarien wurden zeitlich in zwei Phasen unterteilt. Phase 1 (2017-2021): Diese Phase ist für alle Szenarien identisch. Es gilt die Inflationsprognose des Internationalen Währungsfonds für Deutschland. Der Zins für Geldanlagen wird als konstant angenommen. Phase 2 (2022-2036): In dieser Phase passt sich der Realzins dem historischen Durchschnittswert der Jahre 2003 bis 2017 von -0,35 Prozent* an. In Szenario 1 erfolgt die Anpassung über fünf Jahre, in Szenario 2 über zehn Jahre, in Szenario 3 über 15 Jahre. Geerd Lukaßen – comdirect bank AG

Für den Gesamtzeitraum bis 2036 ergeben sich daraus die folgenden durchschnittlichen Realzinsen p.a.:

  • Szenario 1: -0,9%*
  • Szenario 2: -1,1%*
  • Szenario 3: -1,3%*

* Realzins in % für Tagesgeld, Spareinlagen und Festgeld, gewichtet mit jeweiligen Volumina

1 Meinung bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Samstag, 20. Mai 2017, 17:58 um 17:58 - Reply

    Das klingt egoistisch, ich weiß; aber südeuropäische
    Länder sind mir ziemlich gleichgültig. Ich habe gespart,
    um im Alter ein zweites Standbein in Form von Zinsen
    zu haben. Die Politiker, die über uns befinden, sind alle
    vermögend; sie können sich, wie’s scheint, nicht in die
    Lage eines kleinen Rentners hineinversetzen. Wir können
    nichts machen. Merkel und Co.KG lassen meiner Meinung
    nach Deutsche hängen und ziehen Ausländer vor.

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