Edelmetalle: Argumente für einen steigenden Goldpreis überwiegen

Gold: Entspannte Investoren

Seit dem aus Sicht der Marktteilnehmer vorteilhaften Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen hat der Goldpreis ein wenig nachgegeben. Kletterte er vorher bis auf rund 1290 Dollar, steht er momentan bei 1264 Dollar. Er befindet sich damit wieder auf dem Niveau, das er vor dem Bekanntwerden von Wahlprognosen hatte, gemäß denen sich in der ersten Runde der Wahlen mit Jean-Luc Mélenchon und Marine Le Pen zwei Vertreter von den Rändern des politischen Spektrums hätten durchsetzen können und marktliberale Kräfte in der zweiten Runde damit ausschalten.

Veröffentlicht am Donnerstag, 04.05.2017, 12:09 von Magnus Hoffestett

In diesem Zusammenhang fällt eine interessante Dissonanz zwischen den Reaktionen der Goldanleger und denen politischer Kommentatoren auf: Sahen Letztere für den befürchteten Ausgang der ersten Wahlrunde schon das Ende der europäischen Gemeinschaftswährung und möglicherweise gar der Europäischen Union kommen, wurden die Gefahren von Anlegern angesichts der vergleichsweise geringen Goldpreisveränderung mit einem gewissen Achselzucken quittiert. Investoren sehen aktuell keinen rechten Anlass, sich verstärkt der Rolle des gelben Metalls als sicherer Hafen in Krisenzeiten zu besinnen. Womit sich die Frage stellt, welche Einflussfaktoren derzeit den Goldpreis bewegen und was dies für die kurz- und mittelfristige Perspektive des Goldpreises bedeutet.

Im Vergleich zu anderen Anlageklassen ist Gold ein ungewöhnliches Anlageobjekt. Es hat Eigenschaften einer Währung, da es häufig und kräftig auf Bewegungen des Dollar reagiert. Mit ihren Goldkäufen und -verkäufen haben die Notenbanken einen größeren und vor allem direkteren Einfluss als auf andere Assets. Gold lässt sich aber auch als ein Industriemetall auffassen, da es vor allem in der Elektronikbranche eine wichtige Rolle spielt.

Die physische Nachfrage wird zudem vor allem in Ländern wie Indien und China durch den Bedarf als Schmuck deutlich beeinflusst. Nicht zu unterschätzen ist mit dem Siegeszug der auf Gold spezialisierten Exchange Traded Funds (ETF) auch die Nachfrage durch Investoren – und zwar nicht nur mit Blick auf die Wertsicherungsfunktion des Goldes in Zeiten politischer Krisen und hoher Inflation. Ins Kalkül fließt auch ein, dass Gold keine Verzinsung aufweist und die Goldanlage daher wegen der zu berücksichtigenden Opportunitätskosten auf Veränderungen des Zinsniveaus reagiert. Diese einzelnen Faktoren wechseln sich als wichtigste Treiber des Goldpreises im Zeitverlauf ab.

Im Gefolge der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten war es eindeutig der starke Dollar, der für einen deutlichen Rückgang des Goldpreises von 1305,69 Dollar am Freitag vor der Trump-Wahl bis auf ein Tief von weniger als 1130 Dollar per Mitte Dezember sorgte. Zudem waren mit Blick auf die Trump-Rally Assetklassen wie Aktien wesentlich attraktiver als Gold. Nach dem Auslaufen der Trump-Rally war es dann neben der einsetzenden leichten Dollarschwäche das wieder erwachte Interesse der Investoren, das die Erholung des Goldpreises herbeiführte. So verzeichneten die ETF Mittelzuflüsse. Außerdem sind spekulative Investoren an den US-Terminbörsen seit längerem stark mit Netto-Long-Positionen engagiert.

Ausgehend vom aktuellen Niveau ist zunächst aber kaum mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Die Analysten von Goldman Sachs halten es sogar für möglich, dass der Goldpreis binnen drei Monaten auf 1200 Dollar fällt. Sie verweisen auf das solide US-Wirtschaftswachstum, das es der Notenbank Fed ermöglicht, den Leitzins weiter anzuheben – was angesichts der Abwesenheit von Inflation die Realzinsen nach oben treiben wird. Politische Krisen dürften als Stützfaktor keine große Rolle spielen, da ein endgültiger Wahlsieg des französischen Börsenlieblings Emmanuel Macron absehbar ist und da im Fall Nordkorea keines der beiden beteiligten Länder ein Interesse an einem heißen Krieg hat. Andererseits wird ein möglicher Rückgang des Goldpreises aber nicht allzu ausgeprägt sein, da das Edelmetall mit Blick auf die überall immer noch sehr niedrigen Zinsen gut unterstützt erscheint.

Längerfristig sieht es nach einem steigenden Goldpreis aus. Trumps Pläne umfangreicher Steuersenkungen bei einem gleichzeitigen Aufdrehen der Geldhähne für die Rüstung werden längerfristig für eine starke Ausweitung des US-Haushaltsdefizits sorgen und die Inflation nach oben treiben. Inflationserwartungen sind schon immer neben dem Dollar-Kurs der wichtigste Einflussfaktor auf den Goldpreis gewesen. Dieter Kuckelkorn – Börsen-Zeitung

Gold: Entspannte Investoren

Mit dem guten Jahresstart im Rücken könnte es am Goldmarkt weiter bergauf gehen. Eine ansteigende Inflation und Aktienmärkte nahe oder auf Rekordhöchstständen könnten einen Preisanstieg des Edelmetalls begünstigen. „Das stärkste Argument für Gold liefert aber die nach wie vor hohe Unsicherheit an den Finanzmärkten“, sagt Nico Baumbach, Fondsmanager der beiden Edelmetallfonds HANSAgold und HANSAwerte. Angst vor steigenden Zinsen hat der Edelmetallexperte der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH indes nicht.

Nach einem enttäuschenden zweiten Halbjahr 2016 legte der Goldpreis in den ersten vier Monaten dieses Jahres wieder zu. Auf US-Dollar-Basis stieg er um 10,1 Prozent an, auf Euro-Basis gerechnet um 6,2 Prozent. „Vor allem politische Unsicherheiten sorgen derzeit für den Aufwärtstrend bei Gold. Viele Investoren erwägen, das Edelmetall als Absicherung ins Portfolio zu nehmen“, erklärt Baumbach. Zum einen besteht die Sorge um die anstehenden Wahlen in Europa und den möglicherweise damit verbundenen Einflussgewinn populistischer Parteien. Zum anderen sorgt die Politik des US-Präsidenten Donald Trump für viele Fragezeichen und birgt Überraschungen in sich. Das verunsichert die Marktteilnehmer. In der Folge sind Absicherungspositionen in Form von Gold deutlich gefragter als noch im Vorjahr. Den Gold-ETFs flossen im ersten Quartal 2017 netto Anlegergelder im Gegenwert von rund 100 Tonnen Gold zu. Auch die Future-Börsen verzeichneten eine erhöhte Nachfrage, allerdings begleitet von starker Volatilität. Auf dem physischen Markt hingegen war im ersten Quartal nicht viel Bewegung zu beobachten.

Anhaltende Aktien-Hausse sorgt für Nervosität

Für die kommenden Monate ist Baumbach zuversichtlich, dass sich der Aufwärtstrend beim Goldpreis fortsetzen könnte. „Die Unsicherheiten bleiben uns noch eine Weile erhalten. Weitere Argumente liefern Inflation und Aktienmärkte“, so der Fondsmanager. Die Inflation ist bereits etwas angezogen, und viele Marktteilnehmer erwarten einen weiteren Anstieg. Wenn die Konjunktur Schwung aufnimmt, etwa weil Trump es schafft, die US-Wirtschaft zu stimulieren, könnte dies zu einer höheren Teuerung führen, so seine Überlegungen. „Und bei steigender Inflation ist Gold in der Regel bei Anlegern sehr beliebt“, erklärt Baumbach.

Der schon länger anhaltende Aufwärtstrend an den Aktienmärkten könnte dem Goldpreis ebenfalls in die Karten spielen. „Die Märkte sind bereits auf einem hohen Niveau angekommen. Wenn die Nervosität an den Aktienmärkten ansteigt, greifen auch hier viele Anleger zum Gold als einem möglichen Absicherungsinstrument für ihr Vermögen“, so Baumbach.

Zinserwartungen sind bei Gold bereits eingepreist

Steigende Zinsen sind dagegen meist ein Kontraindikator für Gold. Hier sieht der Edelmetallexperte allerdings aktuell keine Gefahr: „Was an Zinserhöhungen erwartet wird, ist bereits in die Goldnotierung eingepreist.“ Das zeigte sich auch bei der letzten US-Zinserhöhung im März, die das Edelmetall denn auch unbeschadet überstanden hat. „Nicht die Zinsanhebungen an sich, sondern aufkommende Unsicherheiten über Umfang und Zeitpunkt weiterer Erhöhungen könnten Gold dagegen eher zu schaffen machen“, erläutert Baumbach. Er geht jedoch davon aus, dass die US-Notenbank Fed und auch die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin transparent ihre nächsten Schritte kommunizieren.

Im US-Dollar sieht der Experte zurzeit kein starkes Argument für oder gegen ein Goldinvestment. Wenn allerdings der Dollar sich signifikant abschwächen sollte, dürfte Gold davon profitieren – nicht nur aufgrund der klassischen gegenläufigen Entwicklung von Gold und US-Dollar, sondern weil ein solches Szenario weltweit für viel Unsicherheit an den Märkten sorgen könnte. Baumbachs Ausblick für das gelbe Edelmetall: „Es gibt genügend Argumente, warum man dieses Jahr eher positiv als negativ für Gold gestimmt sein sollte. Ich sehe durchaus Potenzial für weitere Preissteigerungen.“

Starker Jahresauftakt für Silber und Palladium

Besonderes Augenmerk richtet Baumbach derzeit auf Silber und Palladium. Beide Edelmetalle gewichtet er aktuell im Portfolio des HANSAwerte, der in einen Mix aus Gold, Silber, Platin und Palladium investiert ist, über. Für Silber sprechen nicht nur gute fundamentale und charttechnische Daten, sondern auch die so genannte Gold-Silber-Ratio. Das Verhältnis vom Gold- zum Silberpreis fällt mit dem etwa 74-fachen recht günstig aus. Über die vergangenen drei Jahre lag die Ratio im Durchschnitt bei 72. „Ich bin davon überzeugt, dass Silber weiter gut laufen wird“, so Baumbach.

Platin und Palladium bieten seit Jahresbeginn ein unterschiedliches Bild: Platin hinkte mit einem Plus von 4,9 Prozent der Entwicklung des Goldpreises hinterher, während Palladium vorneweg lief und um 21,3 Prozent zulegte. Palladium hat nach Ansicht des Experten ein ziemliches Eigenleben entwickelt und zeigte dabei zuletzt eine extrem gute Entwicklung. „Der Preis schien zum Teil überhitzt. Er hat dann zwischenzeitlich auch leicht korrigiert, aber danach schnell wieder den Aufwärtstrend fortgesetzt. Es gibt anscheinend strategische Käufer, die versuchen das günstigere Palladium als Ersatz für Platin zu einzukaufen“, so Baumbach. Beide Edelmetalle werden in Verbrennungsmotoren verarbeitet. Während Diesel-Motoren zwingend Platin benötigen, kommen Benziner aber auch mit Palladium aus. Die anhaltende Debatte um Diesel-PKWs belastet daher den Platinpreis. Längerfristig dürfte der Trend zur Elektromobilität die Preise bei beiden Edelmetallen maßgeblich beeinflussen. „Der zuletzt rückläufige Automobilabsatz hat Palladium allerdings überhaupt nicht geschadet“, so Baumbach.
HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH

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