Deutschen Bank: Flaute in den Doppeltürmen

466 Millionen Euro Gewinn nach Steuern

Das Quartalsergebnis der Deutschen Bank hat manchem Anleger das Herz in die Hose rutschen lassen. Das hat seinen Grund: Die gute Nachricht, dass die Kostensenkungen der Bank unerwartet flott vorankommen, kann die schlechte Nachricht von einem Ertragsrückgang, der chronisch zu werden droht, kaum aufwiegen.

Veröffentlicht am Freitag, 28.07.2017, 8:00 von Gudrun Wittholz

Schwächen in der Kostendisziplin lassen sich leicht verkraften, wenn die Erträge stimmen. Bleiben diese aus, steht dagegen schnell das Geschäftsmodell in Frage. Im Sparen allein kann es sich jedenfalls nicht erschöpfen.

Nun steht die Deutsche Bank mit ihrer Ertragsflaute kaum allein da. Auch die Commerzbank vermittelt bisweilen den Eindruck, sie vermöge weitaus besser zu sparen, als Erträge hereinzuholen. Im Kapitalmarkt- und Emissionsgeschäft, der Hauptdisziplin der Deutschen Bank, sind die Einnahmen jedoch generell deutlich flüchtigerer Natur als etwa im Massengeschäft der Commerzbank.

Im Fall der Deutschen Bank droht der Rückgang der Einnahmen inzwischen Thema einer Debatte zu werden, die das Haus ähnlich hartnäckig verfolgt wie zuvor die Diskussionen über die Kapitalisierung und die Rechtskosten. Im zweiten Quartal hat der deutsche Branchenprimus ein Zehntel weniger eingenommen als vor Jahresfrist und gut ein Drittel weniger als noch im Startquartal vorvergangenen Jahres. Was das Gesamtjahr angeht, bereitet das Management, das noch im März stabile Erträge für 2017 versprochen hatte, die Anleger nun auf einen neuerlichen Rückgang vor. Kein Wunder, läuft das zweite Halbjahr in der Bank doch traditionell streiten, inwieweit dies auf einen planmäßigen Rückzug aus selten besser als das erste. Nun lässt sich trefflich darüber Aktivitäten und Kundenbeziehungen, auf ein maues Umfeld oder vielmehr auf sinkende Marktanteile zurückzuführen ist. Gehen aber wie im zweiten Quartal binnen Jahresfrist 28% der Einnahmen im nicht unwichtigen Aktienhandel flöten, obwohl sich das Management schon Anfang vergangenen Jahres wegen des Aktiengeschäfts alarmiert zeigte, darf sich die Bank nicht wundern, wenn Anleger Reißaus nehmen.

Offenbar ist für viele Anleger noch immer nicht ausgemacht, ob die Bank ihre selbstverschuldete Nahtoderfahrung im Herbst vergangenen Jahres ohne nachhaltige Schäden überstanden hat. Ob mit oder ohne Rückenwind der Märkte: Sollte der Ertragstrend nicht drehen, dürften sich die Manager in den Frankfurter Doppeltürmen nach der Neuausrichtung im März bald abermals fragen lassen müssen, ob ihre Strategie taugt. Bernd Neubacher – Börsen-Zeitung

Deutsche Bank: 466 Millionen Euro Gewinn nach Steuern

John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank: „Die Ergebnisse des zweiten Quartals geben einen guten Überblick darüber, wo wir derzeit stehen. Unser Gewinn ist deutlich höher als im Vorjahr. Wir kommen gut dabei voran, die Kosten zu senken, und gewinnen weiterhin neue Kundengelder hinzu.”‎ „Trotz der deutlichen Verbesserung bleibt dieser Gewinn hinter unserem langfristigen Anspruch zurück. Bei den Erträgen sind wir noch nicht überall dort, wo wir sein wollen. Das lag vor allem daran, dass sich die Kunden an den Finanzmärkten zurückhielten. Während wir unsere Bank weiter modernisieren, konzentrieren wir uns nun darauf, profitabel zu wachsen.“

Vorstandsmitglieder verzichten freiwillig auf 38,4 Millionen Euro an ausstehenden Bonuszahlungen

Elf Vorstandsmitglieder der Deutsche Bank AG, die während der Finanzkrise und danach im Amt waren, haben freiwillig auf einen großen Teil ihrer noch nicht ausbezahlten Vergütung verzichtet. Im Zuge einer Vereinbarung mit dem Aufsichtsrat sind sie damit einverstanden, dass von 69,8 Millionen Euro, die ihnen die Bank noch schuldet, lediglich 31,4 Millionen Euro ausbezahlt werden.
Über mehrere Jahre hinweg hatte der Aufsichtsrat einen erheblichen Teil der fälligen variablen Vergütung für die Vorstände suspendiert. Grund war, dass sich die Deutsche Bank mit einer Reihe von aufsichtsrechtlichen Untersuchungen und behördlichen Strafzahlungen konfrontiert sah, deren Ursachen teilweise noch in die Zeit vor der Finanzkrise 2007 fielen.

Aufsichtsrat begrüßt Ausdruck der Verbundenheit mit der Bank

Nach deutschem Aktienrecht ist der Aufsichtsrat verpflichtet zu prüfen, ob die Bank damals amtierende Vorstandsmitglieder haftungsrechtlich persönlich verantwortlich machen kann. Der Aufsichtsrat hat sich auf der Grundlage umfangreicher Untersuchungen mehrerer führender Anwaltskanzleien und forensischer Berater sowie unter Berücksichtigung der Feststellungen von Regulierungs- und Aufsichtsbehörden gegen eine persönliche Inanspruchnahme von Vorstandsmitgliedern entschieden. Nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen besteht für durchsetzbare Ersatzansprüche gegen damals amtierende Vorstandsmitglieder keine ausreichende faktische und rechtliche Grundlage.

Obgleich die Vorstandsmitglieder der Auffassung sind, dass sie ihr Amt stets mit der erforderlichen Sorgfalt ausgeübt haben und ihnen keine Pflichtverletzungen vorzuwerfen sind, verzichten sie als Ausdruck der Verbundenheit mit der Deutschen Bank freiwillig auf insgesamt 38,4 Millionen Euro. Die Deutsche Bank erkennt diese freiwillige Leistung der Vorstände zusätzlich zu früheren Bonusverzichten als weiteren Beitrag an, um die aus der Vergangenheit resultierenden Probleme zu überwinden.

„Der Aufsichtsrat begrüßt es, dass die damaligen Vorstandsmitglieder mit dem zusätzlichen Bonusverzicht einen weiteren persönlichen Beitrag leisten, um dieses Kapitel abzuschließen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner. „Das hilft uns, den Blick wieder nach vorn zu wenden.“ Deutsche Bank

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