Crash-Test für die Euro-Zone

Eurozone in Gefahr

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz rechnet mit dem Scheitern der Eurozone. Die Euro-Zone rast mit stetig steigender Geschwindigkeit und ohne Bremsen in eine Sackgasse, an deren Ende eine Wand steht. Dieser drohende Crash sei sehr gefährlich für Bank- und Versicherungssparer.

Veröffentlicht am Freitag, 03.03.2017, 9:19 von Gudrun Wittholz

Die europäische Gemeinschaftswährung krankt, einige EU-Länder haben massive Schulden. Das große Sorgenkind ist momentan vor allem Italien. Wenn Italien die Eurozone verlässt und der Euro sogar ganz aufgegeben würde, dann wäre eine neue deutsche Währung wohl zuerst einmal sehr stark. Was aber den Anstieg von Gold und insbesondere Goldaktien nicht überkompensieren dürfte.

Eurozone in Gefahr

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„Wenn ich mich mit Italienern unterhalte, spüre ich, dass die Menschen dort zunehmend enttäuscht sind vom Euro. Auch Wissenschaftlern und führenden Politikern des Landes werde immer klarer, dass Italien im Euro nicht funktioniert. Das ist für die Italiener emotional wirklich schwierig, und sie haben sich lange geweigert, diese Einsicht zu akzeptieren“, so Stiglitz. In Italien liegt die Wirtschaftsleistung heute auf dem Niveau der Jahrtausendwende, so die katastrophale Realität.

Stiglitz sieht die Eurozone in den nächsten Jahren zerfallen, denn es fehle an nötigen Reformen, wie zum Beispiel eine Bankenunion oder eine gemeinsame Einlagensicherung. Wo sollte man also sein Geld investieren. Eine beliebte Möglichkeit ist es in Betongeld, sprich Immobilien zu investieren. Eine andere Absicherungsmöglichkeit war und ist schon immer Gold und Silber. Nicht nur in physischer Form, auch ein Investment in solide Edelmetallgesellschaften könnte sich lohnen. Die Wellen schlagen hoch. Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz rechnet mit dem Scheitern der Eurozone. Höchste Zeit also sich um die Sicherung des Vermögens zu kümmern! Swiss Resource Capital AG

Was unterscheidet ein Auto von der Euro-Zone? Für Jörg Wiechmann, Geschäftsführer des Itzehoer Aktien-Clubs (IAC), ist der Fall klar: Bevor ein Auto auf die Straße darf, werden die Sicherheitseigenschaften im Crash-Test überprüft. „Bei der Euro-Zone ist das leider nicht gemacht worden. Und das, obwohl die Historie lehrt, dass die Unfallgefahren bei Modellen einer Währungsunion groß sind.“ Anleger, so Wiechmann, sollten die Entwicklung sehr genau im Auge behalten.

Denn: Die Mitglieder der Euro-Zone hätten sich einem Vehikel anvertraut, das keinerlei Schutzeigenschaften mitbringe für den Fall eines Unfalls. Und dieser sei durchaus wahrscheinlich, sagt der IAC-Geschäftsführer. Verkehrsregeln wie die Maastricht-Kriterien würden missachtet, die Europäische Zentralbank trete beständig aufs Gaspedal und gehe immer höhere Risiken ein beim Aufkauf der Staatsanleihen quasi bankrotter EU-Länder. „Das geht auf Kosten der nicht angeschnallten Steuerzahler auf der Rückbank“, kritisiert Wiechmann. Viele Mitfahrer im Euro-Zonen-Experiment verlören mehr und mehr die Lust, und die Unfallgefahr steige weiter durch die wieder einmal bevorstehende Griechenland-Rettung sowie Wahlen in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und womöglich Italien. Eine Bremse sei dummerweise nicht installiert, so Wiechmann. „So rast die Euro-Zone mit stetig steigender Geschwindigkeit und ohne Bremsen in eine Sackgasse, an deren Ende eine Wand steht.“

Dieser drohende Crash sei sehr gefährlich für Bank- und Versicherungssparer. Und natürlich würde ein Zusammenbruch der Euro-Zone auch die globalen Kapitalmärkte erschüttern und damit Aktienbesitzer stark treffen, sagt der IAC-Geschäftsführer. Der Unterschied: „Gerade die Anteile an erstklassigen internationalen Konzernen bieten größtmögliche Sicherheit.“ Denn auch nach einem Crash würden die Menschen weiter Hamburger essen, ihr iPhone lieben und im Internet surfen. Den Konzernen sei egal, in welcher Währung ihre Produkte bezahlt würden. Deshalb betont Wiechmann: „Als Anleger kann man sein Vermögen mit internationalen Qualitätsaktien vor dem Totalschaden bewahren.“ Nils Petersen – Itzehoer Aktien Club GbR

Dunkle Wolken ziehen auf

Das Desaster schröpfte die Konten und wirkt in den Köpfen gnadenlos nach. Es war kurz vor und um die Jahrtausendwende, als der Tatort-Mime Manfred Krug sein populäres Gesicht der Telekom lieh und für die angebliche „Volksaktie“ trommelte, es war die Zeit, als in anderen Werbespots naseweise Abiturientinnen ihren finanztechnisch hoffnungslos verkalkten Opas Aktienfonds als Alternative zum desaströs verzinsten Sparbuch aufschwatzten. Dann platzte die New-Economy-Blase und machte aus der in diesem Land ökonomisch maßgeblichen Generation der Babyboomer gebrannte Kinder. Gleichsam reflexartig, aber natürlich auch aus wohlverstandenem Eigeninteresse preist das Deutsche Aktieninstitut aktuell wieder die mit Geld aufzuwiegenden Segnungen einer gesunden Wertpapierkultur. Denn daran krankt es. Die Hoffnung des DAI: Die steigende Inflationsrate möge angesichts der vorherrschenden Nullzinspolitik den notorisch börsenfaulen Deutschen endlich Beine machen. Gewiss, die Teuerung ist teilweise Sondereffekten wie dem Anstieg der Energiekosten im Gefolge der Drosselung der Erdölförderung geschuldet.

Doch wird das Dilemma für die breite Masse der Sparer immer handfester, es lässt sich in Heller und Pfennig beziffern. Und alternative Anlageformen sind in der Ära des ultrabilligen Geldes nicht mehr so wohlfeil, wie zum Beispiel die Herolde des Aktienmarktes lauthals verkünden. An allen Ecken und Enden des Finanzkosmos droht den mühseligen und beladenen Sparern eine Blasenbildung. Immobilien? Der Kaufpreis einer Wohnung in München ist innerhalb von gerade mal sechs Jahren um sagenhafte 115 Prozent geklettert. Selbst in beschaulichen Flecken wie Fulda beträgt die Steigerung zwei Drittel. Staatsanleihen? Gut für einen ruhigen Schlaf (zumindest deutsche), schlecht für die Rendite. Bleiben also tatsächlich nur Aktien? Seit Beginn der Finanzkrise 2008 hat der Dax 146 Prozent zugelegt. Aber Experten warnen, dass sich die Kurse von der tatsächlichen Wirtschaftsleistung abkoppeln. Zudem schreit diese Anlageform nach einem langen Atem. Wer aus der Babyboomer-Generation hat den noch? Die schleichende Enteignung der Sparer birgt enorme Sprengkraft. Sie konterkariert alle Appelle der Politik zur privaten Altersvorsorge. Sie macht all jene zu Verlierern, die zum Beispiel mit Lebensversicherungen bereits in diese Vorsorge investiert hatten.

Am schlimmsten aber: Der gefährliche Mix aus höheren Lebenshaltungskosten und niedrigen Zinsen lässt sich zumindest hierzulande populistisch als Argument gegen den Euro und Europa ausschlachten – und das in einer Zeit, in der die Union ohnehin mit Zweifeln an ihrer Daseinsberechtigung ringt. Nicht nur der Sparer, auch die Europäische Zentralbank steckt in einem Dilemma. Die Inflationsrate in der Euro-Zone hinkt der deutschen deutlich hinterher. Jetzt die Zinsen zu erhöhen, hieße für Mario Draghi & Co., eventuell den jüngst verzeichneten moderaten Wirtschaftsaufschwung auf dem Kontinent zu strangulieren. Die Maßnahme würde zudem einen Stresstest für die Staatshaushalte – primär im südlichen Euro-Raum – bedeuten. In der deutschen Politik wird die drohende Destabilisierung der ökonomischen Basis der Mittelschicht inzwischen durchaus thematisiert. Aber sie baut wohl darauf, dass sich die Sondereffekte einebnen und sich die Inflation mittelfristig wieder auf einem niedrigeren Stand einpendelt. Sollte dem nicht so sein, ist eine Debatte über Steuererleichterungen unvermeidbar. Je mehr der AfD die Flüchtlingskrise als Thema wegbricht, desto eher wird sie im heraufziehenden Wahlkampf wieder ihr eigentliches Steckenpferd reiten: die Krise des Euro. Mittelbayerische Zeitung

Hoffnung gibt die Kapitalmarktprognose 2017 von Grüner Fisher Investments: Europa wird die positive Überraschung des Jahres

Die Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland werden in diesem Jahr für Klarheit in Europa und damit für eine befreiende Gewissheit am Kapitalmarkt sorgen. Zu dieser Einschätzung kommt die international agierende Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments in ihrer aktuellen Kapitalmarktprognose für das Jahr 2017. „Im Zuge der schwindenden Unsicherheit dürfte vor allem Europa eine positive Überraschung erleben“, sagt Thomas Grüner, Gründer und Chief Investment Officer von Grüner Fisher Investments.

2017 wird für die Börsenexperten von Grüner Fisher Investments das „Jahr der aufgewärmten Diskussionen“: die Verhandlungen zum Brexit, die Politik des US-Präsidenten Donald Trump, die Stabilität der Euro-Zone. Der globale Bullenmarkt bleibt allerdings nach Einschätzung von Thomas Grüner intakt: „Anleger können sich weiterhin auf global robuste Fundamentaldaten und ein günstiges konjunkturelles Umfeld verlassen.“ Laut der Rodenbacher Vermögensverwaltung besteht für 2017 sogar erhebliches Überraschungspotential: Selbst die „normale“ Volatilität der Aktienmärkte würde die historisch eng gefassten Prognosen der Banken für 2017 deutlich distanzieren, zudem sind gerade im reifen Bullenmarkt überdurchschnittliche Schwankungsbreiten eher typisch als außergewöhnlich.

„Eine globale Streuung der Aktienanlagen ist und bleibt das probate Mittel, weltweite Chancen zu nutzen. Europa halte ich momentan für unterschätzt“, meint Thomas Grüner. „Es ist für 2017 und darüber hinaus ein heißer Kandidat, seine im Vergleich zu den USA unterdurchschnittliche Wertentwicklung im Lauf der Zeit aufzuholen.“

Jedoch würden die zahlreichen und ungelösten Krisenherde auch im laufenden Jahr für viel Bewegung am Kapitalmarkt sorgen. Das Risiko deutlicher Abwärtskorrekturen sei 2017 ebenfalls nicht ausgeschlossen, so Grüner weiter. Dass es im laufenden Jahr zu einem „Crash“ der Börsen kommt, ist laut der Kapitalmarktprognose von Grüner Fisher Investments aber eher ausgeschlossen. „Viele der Markterwartungen bestehen größtenteils aus falschen und übertriebenen Ängsten. Von einer gefährlichen Euphorie sind wir auch 2017 noch weit entfernt. Geduld und ein Fokus auf Qualitätsaktien werden sich weiterhin auszahlen“, so Thomas Grüner. Grüner Fisher Investments GmbH

Die Konjunktur in der Euro-Zone ist schwächlich. Die höhere Inflationsrate ist allein den im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreisen geschuldet. Ohne diesen Effekt ergibt sich für Deutschland ein Inflationswert von 1,3 Prozent. Zudem zielt die EZB auf eine Inflationsrate von „mittelfristig“ knapp zwei Prozent. Das wird sie dieses Jahr nicht erreichen. Denn das Inflationshoch ist erreicht. In den nächsten Monaten läuft der Ölpreis-Effekt aus, die Teuerung sinkt. Die EZB ist also gut beraten, über einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik nachzudenken. Mitteldeutsche Zeitung

2 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Montag, 6. März 2017, 13:55 um 13:55 - Reply

    Crash Test. Hört sich nach mutwilliger Zerstörung an.

    • Anonymous Mittwoch, 8. März 2017, 21:28 um 21:28 - Reply

      Sicherlich.
      Wer wie Politiker die Staatsknete bezieht, darf sich entspannt zurücklehnen. Steuerzahler gibt es immer.
      Wer aber vorsorgen muß und will, der kann sich nur grausen.

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