Asselborn warnt vor Verlust von Arbeitsplätzen beim Brexit

Brexit - Chance für Europa?

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat an Großbritannien und die verbleibenden 27 EU-Partner appelliert, bei den bevorstehenden Brexit-Verhandlungen die möglichen sozialen Folgen zu bedenken. „Patzer bei den Verhandlungen könnten zum Verlust von hunderttausenden Arbeitsplätzen führen“, sagte Asselborn dem „Tagesspiegel“. Auch die deutsche Wirtschaft warnt London vor starken Jobverlusten durch Brexit, weil Neuinvestitionen auf Eis gelegt werden.

Veröffentlicht am Sonntag, 26.02.2017, 10:17 von Domenikus Gadermann

Die deutsche Wirtschaft hat Großbritannien vor einem merklichen Rückgang deutscher Investitionen und hohen Jobverlusten durch einen harten Brexit gewarnt. „Neuinvestitionen werden derzeit vielfach auf Eis gelegt“, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Die deutsche Wirtschaft habe ein großes Interesse daran, dass Großbritannien nicht nur als Handelspartner, sondern auch als Investitionsstandort erhalten bleibe. „Deutsche Unternehmen haben bis heute Produktion und Betriebe in Großbritannien im Wert von 120 Milliarden Euro aufgebaut, rund 400.000 Menschen beschäftigen sie dort“, sagte Wansleben. Großbritannien sei Deutschlands drittwichtigster Exportmarkt. „Erste Auswirkungen der Brexit-Entscheidung sind schon jetzt zu beobachten“, warnte Wansleben. „Die deutschen Exporte nach Großbritannien sind im vergangenen Jahr bereits um drei Prozent gesunken. Bei einer Umsetzung des Brexit dürfte es noch deutlich weiter runtergehen“, sagte Wansleben. Der britische Brexit-Minister David Davis hatte am Donnerstag bestätigt, dass London aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion aussteigen will und damit einen harten Brexit anstrebt. Rheinische Post

Ende März 2017 will die britische Regierungschefin Theresa May die Austrittsgespräche mit der EU beginnen. Doch was kommt nach dem Brexit? Werden bilaterale Handelsabkommen mit einzelnen Ländern an die Stelle treten? Was passiert mit der Freizügigkeit der EU-Arbeitnehmer? Welche Zukunftschancen hat der Finanzplatz Frankfurt als Ersatz für London? Wie entwickeln sich der deutsche und der europäische Wirtschaftsraum ohne die Briten? phoenix-Kommunikation

Eröffnen sich Chancen durch den Brexit?

Die Ursache ist bekannt: der Brexit, Großbritanniens Ausstieg aus der Europäischen Union. Die Folgen: sind auch gut ein halbes Jahr nach der Volksabstimmung noch unabsehbar. Ein Brexodus, also ein massenhafter Wegzug von Arbeitskräften vom Inselreich aufs Festland, ist daher nicht sicher, aber auch nicht unwahrscheinlich. Dass es erste Anzeichen für diese Entwicklung gibt, kann und darf daher nicht verwundern. Es war offenbar für eine Mehrheit der Briten chic, gegen die Mitgliedschaft in der EU zu stimmen. Aus einer Unzufriedenheit mit Brüssel heraus. Aus vermeintlich patriotischen Gründen. Die möglichen Folgen dieser Abspaltung haben deren vehemente Befürworter im besten Fall verschwiegen – oder sie sogar klein geredet. Dabei muss allen Beteiligten klar (gewesen) sein: Der Schritt, den europäischen Binnenmarkt zu verlassen, muss zu Verwerfungen führen. Und Großbritanniens Rolle in den anstehenden Verhandlungen über separate Verträge mit der EU ist nicht die beste; Brüssel ist eindeutig in der besseren Position. Insofern wächst mit jeder Woche, mit jedem Tag, den die britische Regierung kein klares Konzept für die Umsetzung des Brexit hat, die Unsicherheit. Und befeuert Reaktionen wie einen Brexodus. Westfalenpost

Deutsche Ökonomen skeptisch zum Brexit-Zeitplan

Deutsche Ökonomen haben sich skeptisch zu den anstehenden Brexit-Verhandlungen geäußert. 70 Prozent halten den Zeitplan der Regierung in London für unrealistisch, in den kommenden zwei Jahren ein umfassendes Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union zu vereinbaren, wie aus dem Ökonomenpanel des ifo Instituts und der Frankfurter Allgemeinen hervorgeht. Nur 21 Prozent der teilnehmenden 125 Wirtschaftsprofessoren halten das innerhalb von zwei Jahren für möglich, der Rest war unsicher.

Die große Mehrheit der Ökonomen glaubt, dass bei einem Brexit sowohl die EU und als auch Großbritannien Nachteile erleiden werden. 63 Prozent erwarten, dass auch die künftige EU-Handelspolitik eher protektionistisch wird. „Die EU und Großbritannien sollten sich bemühen, den Freihandel möglichst aufrecht zu erhalten“, sagte Niklas Potrafke, Leiter des ifo Zentrums für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie. Die große Mehrzahl der befragten Ökonomen sieht Großbritannien in der schwächeren Verhandlungsposition gegenüber der EU. Eine deutliche Mehrheit hält aber ein Freihandelsabkommen Großbritanniens mit den Vereinigten Staaten für wahrscheinlich. Prof. Dr. Niklas Potrafke – ifo Institut – ifo Zentrum für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie

Theresa May ist nicht zu beneiden. Die britische Premierministerin ist bereit, den Zugang ihres Landes zum EU-Binnenmarkt zu opfern, weil sie in den Scheidungsverhandlungen mit Brüssel keine Zugeständnisse machen will. Deshalb ist sie jetzt händeringend auf der Suche nach neuen Partnern, damit die Trennung nicht allzu schmerzhaft wird. Sie muss als attraktive Braut auftreten und das ausgerechnet gegenüber Donald Trump. Der lockt zwar gönnerhaft mit der Aussicht auf einen Handelsvertrag, aber die Bedingungen dafür wird er diktieren. Das ganze schöne Gerede von der „speziellen Beziehung“ zwischen den USA und Großbritannien kann nicht kaschieren, wer in diesem Spiel wen benutzt. May braucht Trumps Hilfe, um einen harten Brexit abzufedern, aber zu sehr anbiedern darf sie sich ihm auch nicht – das käme bei den Briten gar nicht gut an. Die übrigen EU-Mitglieder sollten sich vom demonstrativen Geturtel in Washington also nicht beeindrucken lassen. Für einen Wettbewerb um die einsame Braut besteht kein Anlass. Matthias Beermann

6 Meinungen bis jetzt. Fühlen Sie sich frei der Diskussion beizutreten.

  1. Anonymous Montag, 27. Februar 2017, 0:01 um 0:01 - Reply

    Das könnte den Arbeitsmarkt destabilisieren, wenn die Prozentrate der Arbeitslosen über einen gewissen Prozentsatz steigt. Es könnte zu unerwünschten Eskalationen kommen. Es könnte dazu führen dass sich manche Individuen aus ihrer Komfortzone rausbewegen müssen. Das wollen wir doch nicht, oder?

  2. Anonymous Sonntag, 26. Februar 2017, 23:49 um 23:49 - Reply

    Wie, was, Herr Beermann, Brautschau? Woran denken sie denn so, während sie schreiben?

    • Anonymous Sonntag, 26. Februar 2017, 23:51 um 23:51 - Reply

      Als ob Trump May begrapschen wollte.

    • Anonymous Sonntag, 26. Februar 2017, 23:53 um 23:53 - Reply

      Herr Beermann macht einen sexistischen Eindruck.

      • Anonymous Sonntag, 26. Februar 2017, 23:55 um 23:55 - Reply

        Neidisch, und herrabsehend deswegen, auf Kolleginnen.

  3. Anonymous Sonntag, 26. Februar 2017, 12:59 um 12:59 - Reply

    Tataaa, Tataaa, noch eine Warnung.
    Zuviel Warnungen, zuwenig Konsequenzen. Hauptsache die Bevölkerung wird beängstigt.

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