Explosiv: Ohne Russland keine Lösung auch im Fall Nordkorea

Nordkorea und USA

Mit seinem Angriff in Syrien hat Trump gezeigt, dass seine außenpolitischen Wahlkampfversprechen, nicht mehr Weltpolizei spielen zu wollen, keine allzu lange Dauer haben. Nun, da alle Anzeichen darauf hindeuten, dass Nordkorea einen erneuten Atomtest plant, besteht die Möglichkeit, dass Trump die eiligst in die Region beorderte US-Kriegsmarine zu einem ähnlichen gezielten Schlag veranlasst wie in Syrien. Die Lage der nordkoreanischen Raketentestgelände ist bekannt, zumindest teilweise liegen sie so abseits, dass bei einem Angriff die Kollateralschäden begrenzbar erscheinen. Niemand weiß, ob Trump so etwas plant. Und niemand weiß, wie Kim darauf reagieren würde. Zu befürchten ist allerdings das Schlimmste. Stuttgarter Nachrichten

Veröffentlicht am Mittwoch, 19.04.2017, 8:50 von Domenikus Gadermann

Als Donald Trump am Gründonnerstag die größte konventionelle Bombe aus dem Arsenal der USA auf Stellungen des »Islamischen Staates« (IS) in Afghanistan werfen ließ, da traf er zwar die Dschihadisten. Aber der Donnerhall der »Mutter aller Bomben« sollte bis nach Nordkorea reichen. Trumps Außenpolitik ist anders als die seines Vorgängers – und anders als im Wahlkampf angekündigt. Die USA ziehen sich doch nicht auf sich zurück. Wenn es aus ihrer Sicht sein muss, greifen sie militärisch ein. Auf den Raketenbeschuss einer syrischen Basis nach dem Giftgasangriff des Assad-Regimes folgte die Bombardierung von IS-Gebiet in Afghanistan.

Reicht das als Warnung an Kim Jong Un, es mit den Raketentests und anderen Provokationen nicht zu übertreiben? Auch hier zielt Trump nicht nur in eine Richtung. Wenn er von der Möglichkeit eines konventionellen Angriffs auf Nordkorea raunt, um die atomare Bedrohung durch die Stalinisten zu verringern oder zu beenden, dann setzt er damit China und Russland unter enormen Druck. Weil beide Staaten kein Interesse an einer Eskalation des Konflikts und einem US-Angriff auf Pjöngjang haben, sind sie am Zug. Trump nimmt Peking und Moskau in die Pflicht, den maßgeblich von ihnen an der Macht gehaltenen Diktator in den Griff zu bekommen. Das ist nicht dumm und allemal besser, als ein direkter Angriff der USA auf Nordkorea – samt seiner Folgen. Westfalen-Blatt

Bei aller Irrationalität im Denken und Handeln von Kim Jong Un: Ein Selbstmörder ist Nordkoreas Diktator offenbar nicht. So provozierte er zwar erneut mit einem weiteren Raketentest pünktlich zum Besuch des US-Vizepräsidenten Mike Pence in Südkorea. Allerdings ließ sich der angeblich irre Kriegstreiber Kim weder zum Start einer Langstreckenrakete hinreißen und damit zu einer direkten nuklearen Drohgebärde Richtung Washington, noch zu einem befürchteten sechsten Atomwaffentest. Offenbar sind sowohl die militärische Machtdemonstration der USA im Westpazifik als auch der seitens der Schutzmacht China ausgeübte diplomatische Druck in Pjöngjang nicht ohne Wirkung geblieben. Es macht Hoffnung, dass sich Präsident Donald Trump angesichts der nordkoreanischen Bedrohung anscheinend entschlossen hat, die enge Zusammenarbeit mit Japan und Südkorea in Asien fortzusetzen – das hatte zu seinem Amtsantritt zunächst noch anders ausgesehen. Selbst mit dem von Trump kürzlich noch zum Erzfeind erkorenen China scheint weitgehend Konsens zu bestehen bezüglich der Notwendigkeit, das unablässig atomar aufrüstende Nordkorea zu isolieren. Trump wäre gut beraten, weiter auf rein diplomatische Offensiven zu setzen. Doch leider lässt sich auch der amerikanische Präsident – wie sein Kontrahent Kim Jong Un – immer wieder auch von irrationalen Momenten leiten. Und genau darin liegt aktuell die größte Gefahr. Allgemeine Zeitung Mainz

Ohne Russland keine Lösung auch im Fall Nordkorea

„Die Trump-Administration sendet derzeit widersprüchliche Signale. Es hat schon der Angriff in Syrien überrascht. Es gibt im Moment drei große außenpolitische Themen für die US-Regierung: Syrien, Iran und Nordkorea. Das weltpolitisch Bedeutsamste ist ganz sicher das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm. Wir könnten nächsten vier Jahren unter Trump in die Situation kommen, dass die Amerikaner auch militärisch intervenieren. Derzeit versuchen sie aber, vor allem China zu einer Änderung seiner Politik zu bewegen. Das ist der richtige Weg. Man sollte allerdings militärische Aktionen nicht ausschließen und auch nicht ausschließen kann. Denn Pjöngjang darf keine Atomraketen entwickeln, mit denen Japan und irgendwann auch die USA und Europa angegriffen werden können.

Es liegt letztlich in der Hand der Chinesen. Sie sind der einzige nennenswerte Partner, den Nordkorea hat. Wenn China die Grenzen tatsächlich schließt, bricht Nordkorea schnell zusammen. Meine Befürchtung ist aber, dass die Chinesen die Aufrüstung des Nachbarn akzeptieren könnten und nicht bereit sind, ihre Sanktionen so weit zu verschärfen, dass Pjöngjang einlenken muss.

Das ist für die Chinesen sicherlich nicht das schlimmste Szenario. China hat eine große Armee und ist bereit, sie einzusetzen. Sie können und werden – im Gegensatz zu Europa – die Grenze einfach abriegeln, wenn zu viele Flüchtlinge ins Land kommen. Insgesamt halte ich die chinesische Politik für kurzsichtig. Es muss eigentlich auch im chinesischen Interesse liegen, dass Nordkorea nicht in die Lage versetzt wird, Atomsprengköpfe über weitere Entfernungen zu transportieren.

Jede militärische Option in Nordkorea ist sehr gefährlich. Die Politik der nächsten Monate ist eigentlich ganz klar: Die USA versuchen, gemeinsam mit China eine Lösung zu finden – und zwar so intensiv wie möglich. Doch der Faktor Zeit spielt eine große Rolle. Denn es geht bald nicht mehr nur um Südkorea, sondern auch um Japan. Angesichts der drohenden Bewaffnung Nordkoreas mit Raketen größerer Reichweite und den entsprechenden Atomsprengköpfen müssen die Japaner irgendwann reagieren. Dann stellt sich die Frage nach einem Militärschlag.“ Das Interview mit Dr. Guido Steinberg führte Werner Kolbe – Landeszeitung Lüneburg

Nordkorea-Konflikt: USA sichern Japan Bündnistreue zu

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  1. Anonymous Mittwoch, 19. April 2017, 23:07 um 23:07 - Reply

    Und niemand weiß, was von dem wirklich war ist, was die Presse über Syrien berichtet hat, von daher weiß auch niemand inwieweit es in Korea zu Ähnlichem kommen kann.

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